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Auf Tuchfühlung gehen

2007 - St. Jakob, Aachen

Auf Tuchfühlung gehen Eine Stoffbahn zum Himmel

Stille Installation zur Heiligtumsfahrt 2007 in St. Jakob, Aachen

Es war ein beeindruckendes Bild, das die Kirche St. Jakob zur Heiligtumsfahrt den Pilgern und Besuchern bot. Ein 120 Meter langes weißes Tuchentfaltete sich von den Altarstufen bis hoch in den Chorbereich und endete zeltartig über dem Tabernakel. Bei der eindrucksvollen Stoffbahn handelt es sich um eine Tuch- und Lichtinstallation, die der Theologe und Lichtkünstler Stefan W. Knor für St. Jakob entworfen hat. Während der Betefahrt waren die Besucher eingeladen, das Tuch mit ihren Anliegen, Wünschen, gebeten und Fragen zu füllen.

Egal ob Liebeskummer oder Wallfahrtserlebnisse

„Die Heiligtumsfahrt war für uns Anlass, die dort erlebte Tuchfühlung mit den Heiligtümern in der Jakobskirche aufzugreifen“,

erklärt Walter Nett von der Pfarre St. Jakob, die ersten 25 Meter waren schnell beschrieben. Viele nutzten das Angebot, ihre Anliegen auf das Tuch zu schreiben und symbolisch aufsteigen zu lassen.
Viele wollten auch einfach Danke sagen. „Danke für die schöne Heiligtumsfahrt, den Frieden und die Freiheit“ oder „danke, dass ich gesund bin“, schrieben Besucher auf das Tuch. Die Stoffbahn wurde jeweils weiter hochgezogen und gleichsam erhoben. „So hatte jeder Gelegenheit, selbst Tuchfühlung mit Gott aufzunehmen und sich angenommen zu wissen in seinen Anliegen“, erklärt Knor den Hintergrund seiner Installation. Ohne jegliches Spektakel wirkte das schlichte Tuch im Kirchenraum von st. Jakob. „Wir hatten bewusst kein Rahmenprogramm geplant, da das schlichte Tuch und die Spontaneität der Besucher und deren Texte für sich sprechen sollen.“, sagte Nett.

Viele nutzen die Gelegenheit zur Tuchfühlung mit Gott, kehrten ein und hielten inne, nachdem sie ihre Gedanken aufgeschrieben hatten. Unter dem Tuchbaldachin nahmen sie Platz, viele entzündeten rund um die brennende Osterkerze weitere Kerzen zum Gebet und Gedenken. Mit seinen Installationen möchte Knor neue Formen spiritueller Erfahrung finden; bekannt geworden ist er durch Lichtprojekte in der Aachener Kirche St. Foillan, im Bamberger Dom und im Wiener Stephansdom.

„Gotteshäuser sind Räume, an denen Menschen wieder mit sich selbst und dem Urgrund ihres Seins, mit Gott, in Kontakt kommen“, so Knor.

Mit sich selbst und Gott in Kontakt kommen

Mit seinen Kunstwerken aus Licht und Stoff möchte er die Aufmerksamkeit der Besucher auf diese Räume lenken, er hält es für eine seelsorgerische Verantwortung, einen Kirchenraum zu gestalten. „Eine tolle Idee die vielen unterschiedlichen Gedanken von jungen und alten Menschen auf dem schlichten Stoff haben mich beeindruckt“, sagte die 20-jährige Natascha Marx, die erstmals nach St. Jakob gekommen war.

Zum Ende der Heiligtumsfahrt wurde das Tuch abgenommen und wird seitdem aufgerollt neben dem Tabernakel ausgestellt. „es soll auf jeden fall aufbewahrt werden, damit die Gebete und Anliegen aufgehoben sind“, erklärt Nett.

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