Projekte

Der das Licht um sich schlingt wie ein Kleid

2007 - Ev. St. Petri Kirche, Cuxhaven

„Der das Licht um sich schlingt wie in ein Kleid, …“

Tuch- und Lichtinstallation zur erklingenden Musik

Und doch fühle ich dich nicht

„Du höchstes, unzugängliches Licht? Du volle und selige Wahrheit, wie fern bist Du von mir, obwohl ich doch so nahe bei Dir bin! Wie fern bist Du meinen Blicken, wo ich Deinen Augen doch unmittelbar gegenwärtig bin! Du bist überall, und doch sehe ich Dich nicht. In Dir bewege ich mich, und in Dir bin ich, und doch kann ich nicht zu Dir kommen! Du bist in mir und um mich, und doch fühle ich Dich nicht! Mein Gott, ich bete: Ich möchte Dich erkennen, Dich lieben und an Dir mich freuen. Wenn ich es in diesem Leben nicht ganz erreichen kann, so lass mich täglich fortschreiten, bis jenes Ganze kommt. Hier möge deine Erkenntnis in mir wachsen und dort vollendet werden. Hier nehme meine Liebe zu Dir zu, um dort vollkommen zu werden. Hier sei meine Freude groß in der Hoffnung, dort in der Wirklichkeit unbegrenzt.“

Gott hüllt sich in Licht wie in ein Kleid, den Himmel spannt er wie ein Zelt, er hat alles geschaffen, ist unbeschreiblich, unfassbar und unbegreiflich. In der Heiligen Schrift offenbart sich in der Theophanie des brennenden Dornbuschs der Gottesnamen: „Ich bin der Ich-bin-da“ . Gott ist da, er ist nahe. Gott wendet sich von sich aus seinem Volk zu und ist bei ihm als der „Ich-bin-da“; als der, der sich selbst hinein mischt in die Not seiner Geschöpfe und sie zu seiner eigenen macht.

Aber gerade bei uns, die wir etwas von Gott erhoffen und erwarten ist da immer das Gefühl, ob Gott mich erhört, mich behütet und schützend umgibt. Wer und wo ist Gott? Und wie kann ich Ihn erfahren, entdecken, spüren? Immer wieder neu zeigt sich uns: wir verstehen Gott nicht und er ist uns fremd und fern.

In der Zeitschrift „Christ in der Gegenwart“ veröffentlichte der Kapuzinerpater und Psychotherapeut Guido Kreppold einen Artikel, in dem er die Situation der Menschen unserer Tage schildert: Menschen, denen es unendlich schwer fällt, einen Zugang zum Gott der Christen und zur Erfahrung des Göttlichen überhaupt zu finden. Er schreibt von der erlebten Gottesferne und von den vielfältigen Versuchen, dieser Realität zu begegnen bzw. von der Versuchung, davor zu resignieren. Pater Kreppold schreibt weiter: “Die Gottesferne, wie sie von vielen Zeitgenossen wahrgenommen wird, ist nicht unüberwindbar. Entscheidend ist, ob das Organ für Gott geschärft wird: die Einstellung zu sich selbst, ob ein Mensch sich selbst wahr- und ernst nimmt. Es zeigt sich dann ein neues Gottesbild – nicht mehr eines, das unser Leben einengt, sondern eins, das unserem Dasein volles Wachstum, volle Blühte, Entfaltung und Reife bringt.“ Das Organ für Gott: das ist die Einstellung des Menschen zu sich selbst, ob er sich selbst wahrnimmt und ernst nimmt!
Gerade zeitgenössische Kunst kann für die Sensibilisierung, für die Schärfung des Gottes-Organs, katalytische Funktion übernehmen. In der Auseinadersetzung mit der Kunst, dem Beziehungsgefüge vom Menschen zur Kunst, nimmt der Mensch sich immer, wenn auch unbewusst, selber wahr und positioniert sich.

Schwingungen der Musik, Schwingungen des Lichts

Sowohl die erklingende Musik als auch das Licht, beide bestehen aus Schwingungen. Daher ist die Wirkung in der Kombination von Musik und Licht auf den Menschen so intensiv und eingänglich. Gerade Orgelmusik ist durch ihre Vielfältigkeit in der Lage die unterschiedlichsten Stimmungen und Emotionen im Menschen zu wecken.

Farbiges Licht, welches auf die Musik abgestimmt ist kann dieses musikalische Erlebnis in seiner Emotionalität und Intensivität verstärken und zusätzlich eine transzendente Ebene eröffnen. So greifen kulturelles und spirituelles Erlebnis ineinander und führen zu einem nachhaltigen Erlebnis bzw. Erfahrung.

Das „Gottesorgan“ schärfen

Diese Installation will den Menschen einen niederschwelligen, unmittelbaren und zeitgemäßen Zugang zu einer Grundaussage unserer christlichen Botschaft bieten: Es gibt einen, der dich liebt, wie du bist: Gott. Bei ihm darfst du ganz du selber sein und auf ihn darfst du hoffen. Vor ihm darfst du dich vergessen, alte Wege verlassen und neu beginnen. Er schenkt dir Räume und Begegnungen, in denen du neue Hoffnung und neue Perspektiven für dein Leben entdecken kannst. Er schenkt dir den wahren Frieden für dein Leben, er führt dich zu neuer Lebendigkeit und zur Fülle deiner Möglichkeiten. (…ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben. Joh 10,10) – Wo wir Menschen das erfahren, da spüren wir: hier berühren sich Himmel und Erde!

Die sonst so wortlastige christliche (Gottesdienst-)Tradition lässt sich so auf ein Experiment einer nonverbalen, unmittelbaren Verkündigung mittels der Primärreize ein. Durch die ganz unmittelbaren Reize von Licht und Klang werden die Besucher den Kirchenraum als einen Kristallisationspunkt erleben, in dem sich Himmel und Erde berühren können. Die Sinne der Besucher, die „Fenster ihrer Seele“ nach außen, wie es Aristoteles formulierte, werden eingeladen, sich zu öffnen für eines der größten Geheimnisse des Menschseins, der Erfahrung der Verbindung zu einem transzendenten Gegenüber, den wir als Christen als den dreifaltigen Gott bekennen. Die Sehnsucht in den Menschen nach dieser Dimension ihres Lebens wach zu halten, ihnen neue Hoffnung zu geben und für die Annäherung daran Raum zu geben, ist eine der wichtigsten Aufgaben der Kirche in unserer Zeit.

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