Projekte

Die Tür zum Leben

2003 - St. Foillan, Aachen

Die Tür zum Leben

Eine TraumRaum-Installation in St. Foillan, Aachen, mit Licht, Klang und Lebensbilder zur Nacht der offenen Kirchen 2003

Die Idee

Stellen sie sich einmal vor, es ist Freitagnacht 22.00 Uhr. Auf der Aachener Krämerstraße sind unzählige Menschen unterwegs, die zur dritten Nacht der offenen Kirchen kommen oder in der City ihre Freizeit verbringen wollen. Sie bleiben vor der offenen Tür der St. Foillan-Kirche stehen und sehen einen hellen Raum, in dem Menschen sich bewegen. Sie treten ein und stehen vor einem überdimensionalen Portal, das sich in der Mitte des Kirchenschiffes befindet und nur einen Spalt weit geöffnet ist. Auf den Türflügeln erkennen sie Szenen aus der Bibel die sich mit Bildern aus dem täglichen Leben abwechseln. Das Portal versperrt den weiteren Blick in das Kircheninnere, nur durch den Spalt fällt gleißendes Licht, welches den Besucher geradezu verführt hindurch zu gehen. Nach einem kurzen Verweilen entschließt sich der Besucher tatsächlich durch den Spalt zu gehen und die Schwelle des Portals zu überschreiten. Er steht vor der hell erleuchteten Apsis, in deren Zentrum sich der von Kerzen illuminierte Altar befindet. Menschen umschreiten den Altar auf dem Brot und Wein stehen. Sie stehen für alles, was der Mensch zum Leben benötigt und erinnern gleichzeitig an die Gaben der Eucharistie. Durch das Aufstellen von kleinen Kerzen am Fuße des Altares, kann der Besucher seine Dankbarkeit gegenüber dem Schöpfer und seine Verbundenheit mit Jesus Christus ausdrücken.

Das Ziel

Für eine Nacht wird ein Traum-Raum, dieses Mal mit einem überdimensionalen Portal in der St. Foillan-Kirche installiert, eine Türe von der Jesus selber sagt:“ Ich bin die Tür. Wenn einer durch mich hinein geht, wird er gerettet werden.“ (Joh 10,9). Die Besucher stehen in dieser Nacht plötzlich ganz real vor dieser Tür. Jesu Wort richtet sich direkt an die Besucher und sie stehen vor der Entscheidung durch diese Tür zu schreiten. Unterstütz wird dieser Entscheidungsprozess durch Bildprojektionen, Licht und Musik.
Die St. Foillan-Gemeinde will mit diesem Beitrag zur Nacht der offenen Kirchen den Menschen in der City einen niederschwelligen, unmittelbaren und zeitgemäßen Zugang zu einer Grundaussage unserer christlichen Botschaft bieten:

“ Ich bin die Tür. Wenn einer durch mich hinein geht, wird er gerettet werden.“
Wir Christen sind dankbar, weil uns diese >Tür< geschenkt ist, Jesus Christus. Seine frohe und befreiende Botschaft vermag unsere Angst vor der Zukunft zu nehmen und uns Mut zu geben für unser Leben. Seit der Geburt Jesu ist Gottes Tür offen, und deswegen können wir offen sein, für ihn und für andere.

Die Sinne der Besucher, die Fenster ihrer Seele nach außen, wie es Aristoteles formulierte, werden eingeladen, sich zu öffnen für eines der größten Geheimnisse des Menschseins, der Erfahrung der Verbindung zu einem transzendenten Gegenüber, den wir als Christen als den dreifaltigen Gott bekennen. Die Sehnsucht in den Menschen nach dieser Dimension ihres Lebens wach zuhalten, ihnen neue Hoffnung zu geben und für die Annäherung daran Raum zu geben, ist eine der wichtigsten Aufgaben der Kirche in unserer Zeit. Die Besucher stehen in dieser Nacht in der Kirche plötzlich ganz real vor dieser Tür. Sie gehören Plötzlich zu den Menschen, an die sich Jesu Wort richtet. Was bedeutet das für mich? Kann ich mich darauf einlassen? Wohin führt diese Tür? Was ist dahinter? Werde ich die Schwelle wirklich übertreten?

Das Symbol: Tür

Die Tür ist das Symbol einer Grenze, hinter ihr beginnt etwas Neues. So wie sie den Raum strukturiert, ihn öffnet bzw. verschließt, so kann sie auch Sinnbild sein für die Eröffnung eines neuen Zeitraums, eines neuen Lebensabschnitts.
Der Umgang mit Türen in der alltäglichen Lebenswelt ist für uns selbstverständlich. Es gibt unsagbar viele Arten, in Gebäuden, in Zäunen und Mauern, in Fahrzeugen und in Geräten. Sie dienen als Durchgang, Eingang und Ausgang, als Verbindungs- oder Trennungselemente, als Schutz, als Abgrenzung nach außen.
Türen begegnen uns in Geschichten und Märchen. Oft verbergen geschlossene Türen ein Geheimnis und macht uns neugierig.
Ferner taucht das Wort Tür über das gegenständlich Gemeinte in bildhafter Redewendung im alltäglichen Sprachgebrauch auf: Z.B.: “Jemandem die Tür vor der Nase zuschlagen”, “mit der Tür ins Haus fallen”, “eingeschnappt sein”, “offene Türen einlaufen” u.v.m..
“Türen” können auf dieser bildlichen Ebene als verbindende bzw. trennende Elemente zwischen Menschen verstanden werden. “Offene Türen” verknüpfen wir meistens mit positiven Empfindungen und Assoziationen, mit (Gast-)Freundschaft, Offenheit der Menschen, Gemeinschaft, Einladung und Kontaktfreudigkeit, “geschlossene Türen” dagegen mit Sich-Abkapseln, Sich-Isolieren, Sich-Zurückziehen, Eingeschlossen-Sein. Da Bilder und Symbole einen ambivalenten Charakter besitzen, lassen sich jedoch immer auch andere Deutungen finden. So assoziieren wir mit “geschlossenen Türen” auch Gedanken an Schutz, Geborgenheit, Privatsphäre; und mit “offenen Türen” Schutzlosigkeit und Ausgeliefertsein.
Die Tür ist ein viel gebrauchtes Bildwort, das auch von der biblischen Sprache aufgegriffen wird.
Dieser bildhaften Charakter will erfahren sein. Die real vorhandene Tür konfrontiert die Besucher mit diesem Bild und eröffnet ihm so einen Erfahrungsraum zu einem verstehenden Deuten der Welt und zum Umgang mit der biblischen Botschaft.
Mit den Medien des Traum-Raums, dem überdimensionalen Bild, der Musik und dem Licht, lässt sich die oft so wortlastige christliche (Gottesdienst-)Tradition auf das Experiment einer non-verbalen, unmittelbaren Verkündigung mittels der Primärreize ein.

Die Bibel als Traum-Raum

Traum-Räume sind dem biblischen Denken nicht fremd. Wichtige Teile der Offenbarung in der Heiligen Schrift finden in “Traum-Räumen” statt. Vom Aufbruch des Abraham bis zur Offenbarung des Johannes zeigt Gott dem Träumenden seinen Willen, weist ihm den Weg, schenkt heilsame Bilder, die bis heute in uns lebendig sind. Ob es Jakobs Leiter bis in Himmel ist oder Jesaja, der den Saum von Gottes Herrlichkeit sieht, ob Gott durch einen Engel Maria die Geburt seines Sohnes Jesus verkündet oder Johannes, der in tiefster Bedrängnis das himmlische Jerusalem als befreiende Vision erfährt, alles das sind Geschichten aus den Traum-Räumen, die Gott für uns eröffnet hat und die uns die Bibel überliefert. Die Bilder dieser genannten Geschichten und viele mehr sind schon heute im Bilderschatz der St. Foillan-Kirche zu finden, im Ambo, in den Chorfenstern und auf vielen anderen Ausstattungsstücken.

Die “Tür” im Ersten und Zweiten Testament und der Theologische Hintergrund

1. In der Bibel taucht das Bild der Tür sowohl im Ersten als auch im Zweiten Testament auf und zwar dort, wo Gott befreit und erlöst, wo er vergibt und Zukunft eröffnet. In der Erzählung vom Auszug aus Ägypten kommt der Tür, die mit Blut bestrichen wird, eine wichtige Bedeutung zu für die Befreiung und Erlösung des Volkes Israel (vgl. Ex12). Überhaupt ist die Tür im kultischen Handeln Israels ein wichtiger Ort, häufig wird von der Tür der Stiftshütte geredet im Zusammenhang mit Gottes Erscheinen und Handeln. Ex 26,31-33 nennt den Vorhang, der das Allerheiligste vom Heiligen, also den Bereich Gottes von dem der Menschen trennt. Wenn in der Todesstunde Jesu dieser Vorhang zerreißt, weist das darauf hin, dass diese Trennung hier durchbrochen wird (vgl. Mt 27,51par.). Auch die Tür zum Allerheiligsten im Tempel ist zu erwähnen, durch die nur der Hohepriester einmal im Jahr hindurch schritt, und zwar am Versöhnungstag. Auf die Pforte des Himmels in Gen 28 wird im Zweiten Testament Bezug genommen: die offene Himmelstür gibt den Blick frei hin zu Gott (Apk 4,1ff), Joh bringt die Szene in Zusammenhang mit Jesus, dem Menschensohn (1,51). Sehr zentral ist die Rede von der engen Pforte und der verschlossenen Tür in Lk 13,22ff und den Schlüsseln des Himmelreichs in Mt 16,16ff. Insgesamt lässt sich sagen, dass im Zweiten Testament Gottes Handeln in Jesus als Öffnen der Tür zum Paradies (Gen3) ausgelegt wird, die seit dem Sündenfall geschlossenen war. Zugespitzt redet das Zweite Testament von Jesus selbst als der Tür (vgl. Joh. 10,7; 9a).

Viele Jesusgeschichten lassen sich inhaltlich als “Türen öffnen” betrachten. Jesus durchschreitet Türen, weil er “Mauern” und “Abgrenzungen” überwinden will; er öffnet sich für andere, er lebt in all seinem Handeln die Zuwendung Gottes. Die Menschen, denen Jesus sich zuwendet und denen er somit “Türen öffnet”, sind Menschen, die am Rande der Gesellschaft leben. Jesus nimmt all diese Leute wahr, schenkt ihnen seine Zuwendung und eröffnet ihnen so eine neue Perspektive. Dieses erfahren z.B. Kranke (Mk 2,1-12), Blinde (Mk 10,46-52), Kinder (Mk 10,13-16), Sünder (Joh 8, 1-11) und Zöllner (Mk 2,13-17; Lk 19,1-10).
Dass Menschenherzen sich öffnen für Gott und für andere, ist weniger als Appell, sondern als Konsequenz aus Gottes vorausgehendem Handeln gemeint. Im Sinne von neutestamentlicher Nachfolge ergibt sich menschliches Verhalten aus dem, was das Evangelium zusagt: Seit der Geburt Jesu ist Gottes Tür offen, und deswegen können wir offen sein, für ihn und für andere. Wir feiern Weihnachten, weil Gott Jesus auf die Erde zu uns Menschen schickte, bei denen er offene Türen sucht.
Die Bildrede der offenen und geschlossenen Türen kann Biblisches und Gegenwärtiges aufnehmen und verschränken. Die Besucher sollen Jesus/Gott kennen lernen, als jemanden, bei dem die Türen immer offen stehen, der allen Menschen Türen öffnen will und dies an vielen Stellen getan hat.
Nach unserer christlichen Überzeugung ist nämlich Jesus Christus der Mittel- und Angelpunkt von Zeit und Geschichte (vgl. Gal 4,4 und Heb 1,2). Er vermag, auch unserer Lebenszeit einen Sinn zu verleihen und sie zu strukturieren. Durch ihn ist unsere Zeit in der Ewigkeit Gottes aufgehoben, d.h. unsere Stunden und ihre Inhalte erhalten einen bleibenden Sinn, wenn wir uns von ihm getragen und begleitet wissen. Jesus, die Tür. Diese Tür befreit von Schuld und Angst, vermittelt Mut und Sicherheit, erweckt Hoffnung und ermutigt zur helfenden Tat, wendet Trauer in Freude, führt vom Dunkel ins Licht, vgl. Lk 4,18 f
Was erfahren Menschen, für die Jesus zur Tür geworden ist, z.B. der Glaube an Jesus hilft, die richtige Entscheidung im Leben zu finden; … sich in einer Gemeinschaft geborgen zu fühlen; … gibt Mut und Kraft, sich für andere Menschen einzusetzen; … schenkt den Mut zur Wahrhaftigkeit und Treue; … gibt Hoffnung und Geduld in Krankheit; … vermittelt Vertrauen ins Leben trotz aller Probleme und Dunkelheiten; usw. Jesus macht das Dunkel hell. Jesus will, dass Streit und Krieg ein Ende haben. Jesus gibt uns Kraft, einander Gutes zu sagen und zu tun.

Denn er ist die >Tür< (Joh 10,9). Wer durch diese Tür geht, gewinnt das ewige, das echte und bleibende Leben, das hier und jetzt schon beginnt, indem es unsere Tage und Stunden in einem neuen Licht erscheinen lässt und ihnen dauerhaften Sinn verleiht.

Zur Eröffnung des Jubeljahres 2000 öffnete der Papst in der Weihnachtsnacht 1999 die Heilige Pforte der Petersbasilika zu Rom. Diese Tür-Öffnung hatte die Bedeutung: Wenn wir die Schwelle der Heiligen Pforte überschreiten, bekennen wir, dass Jesus Christus der Herr der Welt ist, der neue Mensch, nach dem sich die Menschheit sehnt. Wir wollen uns nach ihm ausrichten, nach seiner frohen Botschaft des Vertrauens zu Gott, dem liebenden Vater. Deshalb hat der Papst, als er diese Schwelle überschritt, der Kirche und der Welt das Heilige Evangelium gezeigt, die Quelle des Lebens und der Hoffnung. An diese Erfahrung, die Pforte der Entscheidung, des Bekenntnisses, will die TraumRaum-Installation anknüpfen.

Das Traum-Raum Konzept – Entspannen und Heilen durch Harmonie

Das Konzept des Traum-Raums basiert auf dem Snoezelen. Das Snoezelen ist eine in den 80ger Jahren entwickelten Therapiemethode aus der Arbeit mit behinderten Menschen. Der aus dem Niederländischen stammende Begriff “snoezelen“ ist ein Artefakt, das soviel bedeutet wie schnüffeln, dösen, schlafen und riechen. Vereinfacht will das Snoezelen helfen durch Licht, Geräusche, Gerüche, Geschmack und Gefühle in einer angenehmen Atmosphäre den Heilungsprozess der Menschen zu fördern.
Das Traumraumkonzept lehnt sich stark an das des Snoezelen an. Allerdings dient der Traum-Raum nicht der Therapie, sondern der Entspannung und der Findung der inneren Harmonie. Hier werden die primären Reize Sehen, Hören und Riechen in den Vordergrund gestellt. Die Sinneswahrnehmung wird harmonisch abgestimmt. Harmonie bedeutet, dass Lichteffekte, Wasser und Musik für den Besucher eine Gesamtkomposition ergeben. Dadurch entsteht auf einer tiefenpsychologischer Ebene ein Entspannungszustand. Traum-Räume werden heute erfolgreich als Erweiterung des psycho-sozialen Angebots in Altenhilfeeinrichtungen immer mehr eingesetzt.
Für die Installation zur Nacht der offenen Kirchen in St. Foillan bietet die Methode des Traum-Raums ein unmittelbares, niederschwelliges Wahrnehmungserlebnis, das durch die Gesamtkomposition der Sinnesreizung einen harmonischen Zustand im Besucher erzeugt, in dem hier in diesem Kontext die spirituelle Dimension im Leben zum klingen gebracht werden soll.

Die “Nacht der offenen Kirchen” in Aachen

Der Traum-Raum in St. Foillan wird installiert im Rahmen der dritten „Nacht der offenen Kirchen“ in Aachen. An diesem ökumenischen Projekt beteiligen sich katholische, evangelische und evangelisch-freikirchliche Gemeinden, sowie die griechisch-orthodoxe Gemeinde in Aachen. Insgesamt werden 40 Kirchenräume in Aachen in der Kernöffnungszeit zwischen 20:00 und 24:00 Uhr ihre Türen öffnen und sich “anders“ präsentieren. Die Programmvielfalt reicht von Konzert, Lesung, Kunstausstellung, Theater, Meditation, Nachtmahl bis zur Disco.
Die Adressaten dieser Nacht sind Menschen, die nur noch selten oder gar nicht mehr die Schwellen eines Kirchenraumes überschreiten. Durch die für Kirchen ungewöhnliche Veranstaltungszeit und das “andere“ Programm soll ihre Neugier geweckt werden. Die Kirchen wollen in dieser Nacht einen Akzent setzten, um den Zeitgenossen ihre Offenheit, Transparenz, Kommunikationsfähigkeit und Attraktivität zu zeigen.

Die Nacht der offenen Kirchen wird von einer umfangreichen Öffentlichkeitskampagne in der Stadt Aachen und im Umland begleitet. Ein eigenes Logo, Presseberichte, Sonderbeilage in der Tagespresse, Citylight-Poster, Plakate, Programmflyer etc. machen die Aktion einer breiten Öffentlichkeit als einen bedeutenden Akzent des kirchlichen Lebens bekannt.
Eine eigene Homepage www.nacht-der-kirchen.de informiert über den aktuellen Stand des Projektes.
Hieraus ergibt sich, dass St. Foillan, als bedeutende Kirche im Citybereich, direkt neben dem Dom gelegen, zu diesem Anlass eine herausragende Stellung einnimmt und einen besonderen Akzent setzen wird.

Der Ort – Innenstadt-Kirche St. Foillan

Die Kirchen stellen im geschäftigen Umfeld einer City Freiräume des Menschseins dar. Sie werden bewusst als “Gotteshaus“ der Verzweckung durch den Menschen ausgespart, damit die Menschen dort einen Raum finden, um wieder mit sich selbst und dem Urgrund ihres Seins, mit Gott, in Kontakt zu kommen.
Es sind deshalb heilige Orte in einem ganz aktuellen Sinn. Sie bieten die Möglichkeiten für die Menschen: zur Ruhe zukommen, sich zu konzentrieren, Geborgenheit, Schutz und Segen zu erfahren und haben damit sie eine heilsame Wirkung auf die Menschen.
Die alte Aachener Stadtpfarrkirche St. Foillan hat an dieser Stelle eine über 800jährige Geschichte als heilsamer Ort für die Menschen der Stadt. Bis heute ist sie ein lebendiger Versammlungsort einer wachsenden Gottesdienstgemeinde aus dem ganzen Stadtgebiet. Darüber hinaus ist sie als “offene” Kirche (werktags 7.00 – 19.30 Uhr, sonntags 9.00 – 20.30 Uhr) den ganzen Tag über von Betern frequentiert, die Kerzen entzünden, vor den Andachtsbildern beten oder im weiten Kirchenschiff ihre Ruhe finden. Neben diesen traditionellen Formen der Erfahrung, dass sich hier am Ort Himmel und Erde berühren können, sucht die St. Foillan-Gemeinde neue zeitgemäße Formen spiritueller Erfahrung in der City, z.B. in der Gebetswand, durch kirchenpädagogische Angebote, Gospelkonzerte, Ausklang-Veranstaltungen zum Weihnachtsmarkt u.a.m.
Vom engen Durchgang zwischen dem berühmten “Glashaus”, der gotischen Chorhalle des Aachener Domes, und der Fassade von St. Foillan öffnet sich der Kirchenraum wie ein Freiraum im geschäftigen Gedränge der Innenstadt. Der im Krieg bis auf den Turm, die Fassade und das niedrige südliche Seitenschiff zerstörte Bau wurde von 1956-58 unter der Leitung von Leo Hugoet genial wiederaufgebaut. Unter Beibehaltung der gotischen Grundformen wurde der Chorraum rekonstruiert, das nördliche Seitenschiff aber auf die Höhe des Mittelschiffs angehoben. Es bildet jetzt zusammen mit dem Mittelschiff einen 19 Meter hohen lichten Feiraum, der in Spannung zu den Resten des gotischen Baukörpers steht. Durch diesen Kunstgriff wurde aus der dreischiffigen gotischen Basilika, die als Prozessionsraum vom Portal hin zum Altar, von der Welt zum Heil, angelegt war ein moderner Gottesdienstraum, in dem sich das Volk Gottes um den Altar versammelt, wie es das II. Vatikanische Konzil formuliert hat. Obwohl der Altar an traditioneller Stelle im Chorraum steht, wird durch die besonderen Proportionen des Raumes, ein fast quadratischer Grundriss, diese besondere Nähe zum zentralen Punkt des Raumes und der Liturgie erreicht. Über dem Altar erheben sich in Blau- und Grüntönen die fast abstrakten Chorfenster von Wilhelm Buschulte, 1959, mit Szenen aus der Offenbarung und dem zentralen Bild vom Lamm Gottes im himmlischen Jerusalem. Soweit es die Witterung zulässt, sind die Kirchentüren von St. Foillan das ganze Jahr über geöffnet und man sieht von der Straße aus das kleine rote Kreuz über dem Altar im Licht des Chorraumes leuchten.
Der weite Raum des Hugoetschen Neubaus mit seinen hohen glatten Wandflächen und der kubisch gefalteten Decke wird gezielt zur Projektionsfläche für Lichteffekte, die die leuchtenden Gläser des Mittelfensters im Chorraum aufnehmen und weiterführen und somit die Gesamtwirkung im weiten Raum steigern. Durch das Aufstellen von Kerzen im Altarraum wird die Aufmerksamkeit des Besuchers wieder gesammelt, lebendiges warmes Licht auf Augenhöhe führt zur menschlichen Dimension, von der Weite und Fülle des göttlichen Heilsversprechens zur menschlichen Endlichkeit und Vergänglichkeit. Beides ist hier im Traum-Raum miteinander verwoben, greift ineinander und es berührt sich Himmel und Erde.
Das niedrigere südliche Seitenschiff, in dem sich der Tabernakel befindet, bildet den abgedunkelten, nur von wenigen Kerzen erleuchteten Gegenpol zu dem von Lichteffekten erhellte Hauptraum. Damit wird die bestehende architektonische Spannung zwischen dem gotischen niedrigeren Seitenschiff und dem neuen Kirchenraum noch einmal gesteigert und als unterschiedliches Wahrnehmungsangebot erhalten.

Da es sich bei der Installation nicht um ein Spektakel handelt, das den Kirchenraum nur als Baukörper benutzt, sondern ihn von seinem Wesen und seiner Bestimmung her aufgreift und diese Intention in neue Medien und Formen überträgt und fortführt, bleiben alle wesentlichen Elemente dieses heiligen Raumes unangetastet. Aus diesem Grund sollten auch die konsekrierten Hostien an ihrem Ort im Tabernakel bleiben. Ein Räumen des Tabernakels wäre sogar kontraproduktiv, da damit eine vermutete Unvereinbarkeit der Installation an diesem Ort eingestanden würde. Stattdessen versucht die Installation das Seitenschiff, den Ort des Tabernakels in das Gesamtkonzept zu integrieren. Die Präsenz Gottes im geheiligten Brot während der Installation ist Ausdruck der Überzeugung, dass die Inkarnation Gottes kein geschichtlich abgeschlossenes Ereignis ist, sondern ein dynamischer Prozess, der sich fortwährend in seiner Kirche und ihren Lebensäußerungen vollzieht. So auch in ihren aktuellen Bemühungen, die Botschaft vom befreienden Gott mit den zeitgemäßen Medien eines Traum-Raums erfahrbar zu machen.
Der Raum – die Installation und Architektur ist mit Tür und Tor verbunden, ist die Vorstellung der Schwelle zwischen zwei Bereichen, dem Draußen und Drinnen, dem heute und Morgen, dem Profanen und dem Sakralen. Das Tor ist die Grenze, die Aufnahme und Ausschluss bedeutet.
Wer in eine Kirche eintreten will, dem sagt das Tor: dies ist das Haus Gottes, die Stadt Jerusalem, dies ist die Pforte des Himmels. In der frühen Kirche war es üblich, dass Neu-Christen die Kirchenschwelle erst nach Erfüllung der Aufnahmebedingungen, und schwere Sünder sie erst nach Sühne ihrer Schuld, überschreiten durften. Die Kirchentür symbolisiert also auch den Übergang von der Schuld zur Gnade.

Das aufstellen von Kerzen

Die projektierten Texte

Durch einen Videobeamer werden Bibelzitate aus Altem und Neuem Testament, die zu den gezeigten Szenen auf den Türflügeln Bezugnehmen, auf die nördliche Seitenwand des Kirchenschiffes projektiert.

Die Musik

Musik wird seit dem Beginn religiöser Handlungen, schon in der Frühgeschichte, als Bindeglied zwischen den Menschen und Gott eingesetzt und genutzt. Es bildet einen Schwerpunkt in der katholischen Liturgie und wir befinden uns in der glücklichen Situation aus dem Schatz von 1000 Jahren “spiritueller” Musik, von der Gregorianik bis zu zeitgenössischen Klängen, von Palestrina bis Messien, von Bach bis Debussy, von der polyphonen Cantate bis zu Syntheziserklängen, zurück greifen zu können. Die Musik ist so ausgewählt, dass sie die Gesamtkomposition von Licht und Raum harmonisch abrundet und die meditative Erfahrung erleichtert bzw. ermöglicht.

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