Projekte

Getragen im Leid

2010 - St. Foillan, Aachen

Getragen im Leid

Gefördert durch die Victor F. Rolff-Stifftung

Leidvolle Erfahrungen gehören zu jedem Leben: Verletzungen, Krankheit, Verlust, Schicksalsschläge eines lieben Menschen, tägliche Katastrophen und Ungerechtigkeiten dieser Welt.

Wie gehen wir damit um? Was gibt uns Kraft zum Weiterleben?

Die Installation von Stefan W. Knor stellt den Fragen um das Leid ein Bild entgegen. Eine Pietà (ital.: Mitleid, Mitgefühl): eine sitzende Maria, die ihren toten Sohn, Jesus, auf dem Schoß hält. Sie zeigt dem Betrachter den von Folter und Kreuzigung geschundenen Leib vor seiner Beisetzung. Jeus Christus, der Erlöser, wurde selbst ein Opfer von Gewalt und Unrecht, verletzt bis tief ins Herz, verlassen von allen – selbst von Gott. Es ist die Szene zwischen Kreuzigung und Auferstehung. Dem Todeskampf ist stille Trauer gewichen. Maria trägt ihn und drückt damit stellvertretend unsere Hoffnung aus. Sie kann nichts von diesem Leid wegnehmen. Aber sie trägt es in der inneren Gewissheit, dass das nicht das Ende von Gottes Möglichkeiten ist.

Stefan W. Knor hat die lebensgroße Pietà für diese Installation mit Blattgold bearbeitet. Die Besonderheit ist, dass diese Skulptur selbst Opfer einer Brandkatastrophe wurde. So entstellt, verletzt, brüchig, rußgeschwärzt strahlt die schwebende Skulptur dennoch Erhabenheit und Würde in ihrem Leid  aus.

Besucher können eigene Gebetsanliegen in einen Kasten geben, den die Figur auf ihrer Rückseite aufnimmt. Nach der ersten Station in St. Foillan, Aachen, wird sie auf Reisen gehen und möglichst vielen Menschen eine heilsame Erfahrung in der Bewältigung ihres Leides schenken.

Impulse

Zuletzt habe ich das Wort eines evangelische Theologen und Kunstmäzens gelesen (Paul Gräb): „Kunst steht nicht für etwas, was genauso gut in Sprache gefasst werden kann!“

Kunst geht über die Sprache hinaus.

Deshalb kann Kunst auch manchmal sprachlos machen.

Diese Pietà, gestaltet von dem Künstler Stefan Knor, der auch unseren Gebetsraum unter dem Dach geschaffen hat, ist vorübergehend hier bei uns im Exerzitienhaus. Der Künstler hat eine Pietà, die durch einen Brand stark beschädigt ist, bearbeitet. Und er hat ihr dadurch eine starke Aussage gegeben.

Immer wieder werde ich von Menschen auf die Statue angesprochen und immer wieder schicke ich auch Kursteilnehmer – so wie Sie heute – zu diesem Kunstwerk. Und immer wieder werden Menschen „sprachlos“, berührt, ja bis ins Innerste getroffen.
Und manchmal gibt dieses Werk dem eine Sprache, was Menschen bisher nicht auszusprechen vermochten, z. B. eine feststeckende Trauer um die Mutter oder um ein Kind.

Ich möchte nicht dramatisieren, aber diese Pietà, diese schmerzhafte Mutter, si bringt das zur Sprache, was viele, vielleicht wir alle erfahren und spüren: das Leben ist nicht einfach so „Leben“.

Leben ist Spannung, ist Gegensätzlichkeit, ist Bruch und Gebrochensein.

Das liegt sicher an dem Thema des Dargestellten: eine Mutter mit ihrem toten Sohn.

Aber auch die Erscheinungsweise und die Ausdrucksweise dieses Kunstwerkes zeigt diese Spannung: verbrannt, verkohlt, zerstört, und dennoch in sich „erhaben“. Diese Erhabenheit ist vom Künstler noch unterstrichen durch den Glanz des Goldes.

Gold: die Farbe Gottes, des Göttlichen, des Himmlischen.

Gold: die Ahnung der Gegenwart Gottes im Zerstörten, im Leid, im Tod.

Die Spannung des Lebens in Freude und Trauer, in Hoffnung und Angst. Diese Spannung ist ernst und umfangen vom Glanz des Gottes, der sie in Jesus sich zueigen macht.

„Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen sind Freude und Hoffnung und Angst Christi!“ dürfen wir in Abwandlung der berühmten Anfangsworte von gaudium et spes, der Pastoralkonstitution des 2. Vat. Konzils sagen. Das können Menschen erleben im Betrachten dieses Kunstwerkes, im „sich zu eigen machen“. So ist dieses Werk ein Spiegel des Lebens, unseres Lebens.

Genau wiedergegeben lautet der Anfang von gaudium et spes: „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst, der Jünger Christi. Und es gibt nichts wahrhaft Menschliches, das nicht in ihren Herzen Widerhall fände.“ (GS1)

„…der Jünger Christi“  der Kirche! 

Maria wird auch verehrt als Mutter der Kirche, als Symbolfigur für die Kirche

Hier in der Pieta finden wir sie wieder, gleichsam als Spiegel unserer Kirchensituation: angekratzt, im Zerstörungsprozess, durch die Läufe der Zeit, durch die eigene Schwäche und Sünde.

Diese Pieta ist Spiegele unserer Weltsituation.

Sie ist nicht strahlender Triumph.

Es ist ein beschädigtes Bild, das aber im Ernstnehmen dieser Situation, im Annehmen, im Wahrnehmen dessen, was ist wie es ist, den Glanz göttlicher Gegenwart erhält. Gott ist da! Gott erfahren wir in der Gegenwart! Im Gegenwärtigsein dessen , was ist!

Paulus schreibt in seinem zweiten Brief an die Korinther: „Wir verkündigen … nicht uns selbst, sondern Jesus Christus als den Herrn, uns aber als eure Knechte um Jesu willen. Denn Gott, der sprach: Aus Finsternis soll Licht aufleuchten!, er ist in unseren Herzen aufgeleuchtet, damit wir erleuchtet werden zur Erkenntnis des göttlichen Glanzes auf dem Antlitz Christi. Diesen Schatz tragen wir in zerbrechlichen Gefäßen; so wird deutlich, dass das Übermaß der Kraft von Gott und nicht von uns kommt. Von allen Seiten werden wir in die Enge getrieben und finden doch noch Raum; wir wissen weder aus noch ein und verzweifeln dennoch nicht; wir werden gehetzt und sind doch nicht verlassen; wir werden niedergestreckt und doch nicht vernichtet. Wohin wir auch kommen, immer tragen wir das Todesleiden Jesu an unserem Leib, damit auch das Leben Jesu an unserem Leib sichtbar wird. Denn immer werden wir, obgleich wir leben, um Jesu willen dem Tod ausgeliefert, damit auch das Leben Jesu an unserem sterblichen Fleisch offenbar wird.“ (2 Kor 4,5-11)

Impuls No. 2 

„Damit auch das Leben Jesu an unserem Fleisch offenbar wird!“ endete der Abschnitt auch dem 2. Korintherbrief. Wir dürfen von Maria glauben, dass sie leibhaftig in den Himmel aufgenommen ist und mit der Krone des Lebens gekrönt wurde. Etwas, was auch uns verheißen ist: wir sollen leben!

Hierhin, zu der Statue der Himmelskönigin, das Original der Firststatue über dem Chorraum der Kirche, kommen die Menschen und zünden Kerze an. Hier im Halbdunkel ist die graue Statue nicht sehr gut zu sehen. Aber das hat wohl auch Sinn: noch ist der Himmel uns nicht ganz enthüllt, nicht im vollen Licht sichtbar, eher verhalten, angedeutet, geahnt.

Aber wir können zu Maria im Himmel beten um ihre Hilfe und Fürsprache. Tun wir es mit dem Ave Maria ……..

Dankbrief

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