Projekte

Gott in Farbe sehen

2006 - Stephansdom, Wien

Gott in Farben sehen

Die Metropolitan-, Dom- und Pfarrkirche zum heiligen Stephanus und Allen Heiligen; Bischofskirche der Erzdiözese Wien

Die Idee

Viele, vor allem junge Menschen, aus Wien und Umgebung haben sich auf den Weg zur Metropolitan-, Dom- und Pfarrkirche zum heiligen Stephanus und Allen Heiligen gemacht. Und stellen Sie sich einmal vor, es ist Samstagnacht 22.00 Uhr. In der Wiener Innenstadt sind unzählige Menschen unterwegs, die gezielt zum Stephansdom gekommen sind oder in der Innenstadt ihre Freizeit verbringen wollen. Sie bleiben vor den offenen Türen des Domes stehen und sehen den Kirchenraum in verschiedenen zur Musik wechselnden Farben illuminiert. Musik dringt bis auf die Straße. Tausend kleine brennende Lichter, die von Besuchern am Volksaltar aufgestellt wurden, und der effektvoll ausgeleuchtete Kirchenraum ziehen sie in das Innere. Sie treten ein. Musik umhüllt sie sofort mit sanften und meditativen Klängen. Der ganze Kirchenraum ist in Licht getaucht und überall brennen Kerzen. Sie hören die Musik. Jetzt erst entdecken sie die vielen Menschen, die still im Kirchenraum sitzen und Licht und Musik auf sich wirken lassen. Sie nehmen Platz und tauchen ein in Licht und Klang. Die Lichter und die Musik nehmen sie mit auf den Weg, neue Formen der Anbetung, der Gotteserfahrung und der Spiritualität können entstehen.

Das Ziel

Für den Zeitraum der „Langen Nacht der Kirchen“ soll für die Besucher durch das Eintreten in Licht und Musik ein positives und spirituelles Erlebnis eröffnet werden.
Die Installation will mit diesem Beitrag zur „Langen Nacht der Kirchen“ den Gästen und den Menschen in der Innenstadt einen niederschwelligen, unmittelbaren und zeitgemäßen Zugang zu einer Grundaussage unserer christlichen Botschaft bieten:

Es gibt einen, der dich liebt, wie du bist: Gott. Bei ihm darfst du ganz du selber sein und auf ihn darfst du hoffen. Vor ihm darfst du dich vergessen, alte Wege verlassen und neu beginnen. Er schenkt dir Räume und Begegnungen, in denen du neue Hoffnung und neue Perspektiven für dein Leben entdecken kannst. Er schenkt dir den wahren Frieden für dein Leben, er führt dich zu neuer Lebendigkeit und zur Fülle deiner Möglichkeiten. (…ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben. Joh 10,10) – Wo wir Menschen das erfahren, da spüren wir: hier berühren sich Himmel und Erde! Da ist Kirche mitten unter uns Menschen, da sind wir Kirche (Gottes Tempel ist heilig und der seid ihr. (1 Kor 3,16)

Angesprochen durch die ganz unmittelbaren Reize von Klang und Licht sollen die Besucher den Raum des Stephansdomes als einen solchen Kristallisationspunkt erleben, in dem sich Himmel und Erde berühren und wo dort sich im eigentlichen Sinn Kirche bildet und entsteht.

Kirchen

Kirchen stellen gerade im geschäftigen Umfeld von Städten, aber auch auf dem Land Freiräume des Menschseins dar. Sie werden bewusst als „Gotteshaus“ der Verzweckung durch den Menschen ausgespart, damit die Menschen dort einen Raum finden, um wieder mit sich selbst und dem Urgrund ihres Seins – mit Gott – in Kontakt zu kommen. Es sind deshalb heilige Orte in einem ganz aktuellen Sinn. Sie bieten Möglichkeiten für die Menschen: zur Ruhe kommen, sich konzentrieren, Geborgenheit, Schutz und Segen erfahren und haben damit eine heilsame Wirkung auf die Menschen. Kirchen haben eine über 1700jährige Geschichte als heilsamer Ort für die Menschheit. Bis heute sind sie ein lebendiger Versammlungsort für die Feier der hl. Messe und werden von Betern frequentiert, die Kerzen entzünden, die vor den Andachtsbildern beten oder im weiten Kirchenschiff ihre Ruhe finden.

Neben diesen traditionellen Formen der Erfahrung, dass sich hier am Ort Himmel und Erde berühren können, soll versucht werden durch diese Installation, neue Formen spiritueller Erfahrung zu finden ganz im Sinne der Akkommodation des Konzilstextes Sacrosanctum Concilium (SC 38/39).

Da es sich bei der Installation nicht um ein Spektakel handelt, das den Kirchenraum nur als Baukörper benutzt, sondern ihn von seinem Wesen und seiner Bestimmung her aufgreift und diese Intention in neue Medien und Formen überträgt und fortführt, bleiben alle wesentlichen Elemente dieses heiligen Raumes unangetastet. Aus diesem Grund sollten auch die konsekrierten Hostien an ihrem Ort im Tabernakel bleiben. Ein Räumen des Tabernakels wäre sogar kontraproduktiv, da damit eine vermutete Unvereinbarkeit der Installation an diesem Ort eingestanden würde. Stattdessen versucht die Installation, den Ort des Tabernakels in das Gesamtkonzept zu integrieren. Die Präsenz Gottes im geheiligten Brot während der Installation ist Ausdruck der Überzeugung, dass die Inkarnation Gottes kein geschichtlich abgeschlossenes Ereignis ist, sondern ein dynamischer Prozess, der sich fortwährend in seiner Kirche und ihren Lebensäußerungen vollzieht. So auch in ihren aktuellen Bemühungen, die Botschaft vom befreienden Gott mit den zeitgemäßen Medien in einer solchen Installation erfahrbar zu machen. Dieses Grundanliegen wird noch durch die auf dem Volksaltar aufgestellte Monstranz, durch Ermöglichung der eucharistischen Anbetung, verstärkt. Der Gebrauch von Licht und Musik vermeidet die Reduktion auf eine einzige Kommunikationssituation und ermöglicht so unterschiedliche Kommunikationsformen für die communio von Gott und Mensch. Durch die Kombination so verschiedener Medien wird eine heilsame Wirkung des Sakralraums auf den Besucher erstrebt, was der Urintention sakraler Räume entspricht.

„Dabei kann kein Zweifel darüber bestehen, dass der liturgische Raum den Glauben prägt und diesen Glauben durch seine Gestaltung zum Ausdruck bringt. […] Der Kirchenraum prägt tiefer und unauffälliger das Glaubensbewusstsein einer Gemeinde als das Wort der Verkündigung. Deswegen halte ich es für eine ungeheure seelsorgerische Verantwortung, einen Kirchenraum zu gestalten. […] Die Raumgestaltung ist zudem Ausdruck des Selbstverständnisses von Gemeinde und Kirche, Spiegelbild eines ganz bestimmten Kirchenverständnis, einer ganz bestimmten Ekklesiologie“

Gott in Farben sehen

Der Eindruck von Farben wird in unserem Auge durch elektromagnetische Lichtwellen erzeugt, die, je nach ihrer Länge oder Kürze, verschiedene Empfindungen hervorrufen. Das weiße Licht der Sonne und der Beleuchtungskörper enthält alle Wellenlängen. Scheint es aber durch ein gläsernes Prisma oder durch einen Wassertropfen, so zerteil/spaltet es sich in die sieben Regenbogenfarben. Weiß und Schwarz sind darin nicht enthalten; sie nehmen eine besondere Stellung ein: Was keinerlei Licht aussendet, empfindet man als schwarz, die Lichtfülle dagegen beeindruckt das Auge als weiß.

“Die Schönheit der Farbe ist ihrer Natur nach einfach; sie hat ihren Grund darin, dass das Dunkel des Stoffes überwunden wird durch die Gegenwart des Lichtes, das gewissermaßen unkörperlich, geistig und ideal ist.“

Die Farbe erscheint zuerst am Feuer; von ihm empfangen die übrigen Dinge ihr Kolorit, indem die feurige Sonne oder eine glühende Leuchte sie bestrahlt. Als verschiedene Erscheinungen und dabei doch integrierende Elemente des einen, reinen Lichtes bewahrt jede Farbe in ihrer Art dieselben Vorzüge. Und wie das Licht im allgemeinen uns den über den Stoff erhabenen, reinen lebendigen Geist darstellt, so sind einzelne Farben Analogien oder Symbole besonderer Gegenstände oder, auf ethischem Gebiet, gewisser Tugenden und entsprechender Gesinnungen.

Farben gehören zu den stärksten, sprechendsten Ausdruckmittel. Sie werden zum Abzeichen von Persönlichkeiten, Nationen, Gemeinschaften und Familien, zur Kundgebung religiöser und politischer Einstellungen, von Trauer, Freude oder Huldigung, die aller Welt durch Fahnen, Wappen, Bändern und dgl. Kenntlich wird. Oft bestimmt, verstärkt oder ändert die Farbe den Sinn eines Symbols.

Zu den ältesten Zeugnissen von Farbensymbolik gehört die Zueignung bestimmter Farben an die sieben Hauptgestirne im Astralkult der Babylonier. An den spiralförmigen aufsteigenden Planetentürmen (Zikkuraten) trug jede Stufe ihre besondere Farbe.

Grundlegende Gedanken für diese Installation liefern die Vorschriften des mosaischen Gesetzes für die Anfertigung der Vorhänge des hl. Zeltes und der hohenpriesterlichen Gewänder: Da wiederholt sich nebst Gold immer wieder dieselben Farben: Weiß (Byssus), Purpur, Hyazinth (Blaupurpur) und Karmesinrot (coccus). Josephus Flavius legt diesen Farben einen symbolischen Sinn bei, der auf uralter Tradition beruht: Der Byssus, ein feines, weißes Linnen, bedeutet die Erde, die den Flachs hervorbringt; der dunkelrote Purpur das Meer, in dem die Purpurmuschel gefunden wird; der Blaupurpur die Luft, Karmesinrot das Feuer. Die beiden ersten Deutungen beziehen sich allerdings auf das Material, nicht auf die Farbe. Die Entsprechung von vier Hauptfarben und den vier Elementen war übrigens in der Alten Welt allgemein angenommen. – Der hl. Hieronymus wiederholt die Auslegung des Josephus Flavius und fügt als Begründung des kultischen Gebrauches hinzu, es sei geziemend, dass der Hohepriester nicht allein für das Volk Israel, sondern für die ganze Welt bete, „denn diese Welt besteht aus Erde, Wasser, Luft und Feuer, den vier Elementen des Alls“, an welche Farbe erinnern.

Auch in der Summa des hl. Thomas von Aquin begegnen wir nochmals der Deutung des Josephus Flavius und etwas weiter im selben Abschnitt einer moralischen Anwendung, die sich ähnlich bereits bei Origenes vorfindet und die mit unwesentlichen Verschiedenheiten zur stehenden Symbolik der alttestamentlichen Kultfarben in ihrer christlichen Beziehung wurde: Weiß ist Sinnbild der Reinheit, Purpur des Martyriums, Karmesin der Liebe, Hyazinthblau der Himmelsbetrachtung.

Auf die Farben an anderen Bibelstellen, besonders im Hohenlied und in der Apokalypse, werde ich später noch näher eingehen.

Der liturgische Farbenkanon der Paramentik wurde erst im letzten Viertel des 12. Jahrhunderts festgelegt. Er entstand aus der symbolisierenden Tendenz des Mittelalters und aus mystischen Anschauungen und Betrachtungen, die eine gewisse Verwandtschaft fand zwischen den Farben, ihrer Wirkung auf das Gemüt und dem Inhalt der kirchlichen Feste und Zeiten mit ihrem besonderen Charakter. In frühchristlicher Zeit und im frühen Mittelalter, wie jetzt noch in der Ostkirche, gab es keine diesbezüglichen Regeln. Die heiligen Gewänder waren verschiedenfarbig, doch herrschte Weiß vor. Innozenz III. (1198-1216) spricht von vier Kirchenfarben: Weiß, Rot, Schwarz und Grün, die er der alttestamentlichen Vierzahl gegenüberstellt und deren Verwendung der Liturgie er mit symbolischer Begründung erläutert (vgl. die folgende Symbolik einzelner Farben).

Farben 

Blau

Blau ist die Farbe des Firmamentes, daher Sinnbild des Himmels und des Himmlischen.

Nachdem Jahwe den Bund mit seinem Volk geschlossen hatte, stieg Mose mit Aaron und mehreren Ältesten auf den Berg Sinai. „Dort schauten sie den Gott Israels und unter seinen Füßen ein Gebilde, das Saphirplatten glich und einen hellen Glanz ausstrahlte wie der Himmel“ (Ex 24,10). Nach antiker Naturanschauung war das Himmelsgewölbe etwas Feststehendes. „Das Wort des Herrn hat fest gefügt die Himmel“, heißt es in Ps 32,6. daher ist Blau auch Sinnbild der Dauer, der Festigkeit und Treue.

Der jüdische Kult gebraucht „Hyazinth“, eine blaue Purpurart, es sollte die Israeliten an den Gott des Himmels erinnern und das blaue Oberkleid des Hohenpriesters Symbol seines unmittelbaren Verkehrs mit dem Allerhöchsten sein.

Hyazinthblau kam im Altertum fast der Wertschätzung des dunkelroten oder violetten Purpurs gleich. Die Vulgata erwähnt es als königliche Farbe im Buch Sirach 40,4 sowie Ezechiel 23,6 und Esther 1,6 wo von den Vorhängen im prunkvollen Palast des Assuerus die Rede ist.

Wie Blau einerseits an der Bedeutung des Purpurs teilhat, so anderseits an jener der weißen Farbe, sofern es Unberührtheit, Unabhängigkeit und Reinheit versinnbildlicht, die allem Himmlischen eigen ist. Darum hat sich Blau zur Muttergottesfarbe herausgebildet und Weiß-Blau zum Zeichen der besonderen Weihe an die Unbefleckte Jungfrau. Seit dem 15. Jahrhundert wird die Gottesmutter in der Kunst häufig, aber nicht ausschließlich mit hell- oder mittelblauem Mantel dargestellt, während die ältere, byzantinische Richtung durch schwärzlich-dunkelroten oder dunkelblauen Purpur die königliche Würde der Theotokos betont.

Grün

„Nach Anmut und Schönheit verlangt dein Auge. Doch über beiden steht die grüne Saat!“ (Sir 40,22). Grün ist die Farbe der frischsprossenden Vegetation, der Erwartung kommender Ernte, daher Symbol der Hoffnung. Aus diesem einheitlichen und doch verschieden grüngetönten Grunde von Gräsern, Kräutern und Blättern leuchtet die Mannigfaltigkeit der Blüten und Blumen, entwickeln sich die Früchte zur Farbe der Reife.

Grün tut dem Auge wohl. Es stimmt freudig und beruhigend, es spricht von Leben und Jugend, macht die Seele frei und lenkt den Sinn auf die unvergänglichen Güter.

Smaragdgrün leuchtend schildert die Apokalypse den Regenbogen um den Gottesthron. Er ist Bild der Hoffnung auf die Erbarmungen des kommenden Richters.

Innozenz III. bezeichnet in seinen Ausführungen über die Kirchenfarben Grün als „color medius“. Es steht „in der Mitte“ der anderen Farben, mild und versöhnend, Komplementärfarbe zu Rot, da es aus Blau und Gelb besteht und so den Dreiklang der drei Hauptfarben herstellt. In den liturgischen Bestimmung über die Paramente ist es für die Tage ohne eigenen Charakter vorgeschrieben. Der geistige Blick ist da durch kein spezielles Festgeheimnis gefesselt. Er richtet sich mehrallgemein vertrauend auf Gottes Barmherzigkeit, in der Erwartung der einstigen Vollendung.

Rot

Im Rot sah man die Farbe des Blutes, in dem „das Leben eines jeden Lebewesen liegt“ (Lv 17,14). Es ist Zeichen der Kraft und Jugendfrische, Farbe des Feuers, im übertragenen Sinn auch des Liebesfeuers. Rot erinnert an die Gluten der auf- und untergehenden Sonne. Unter allen Farben ist es die grellste, die am meisten in die Augen sticht. Stiere und Elefanten reizt es zum Kampf. Götzenbilder wurden damit angestrichen (vgl. Weish. 13, 14), besonders jene, welche die zeugende Naturkraft, das volle Leben, darstellen. Prostituierte pflegten sich in feuriges Rot zu kleiden, um aufzufallen und anzulocken (vgl. Jer 4, 30). Die Apokalypse zeichnet im Bilde einer solchen Frau „das große Babylon, die Mutter der Buhlerinnen und der Greuel der Welt“ (Offb 17, 1-6). Auch das siebenköpfige Tier, auf dem sie sitzt, ist scharlachfarbig (Offb 17, 3). Rot trugen Krieger als Zeichen des Blutvergießens, des Lebenseinsatzes und feurigen Mutes (vgl. Nah 2, 4). „Ignei animi sit index et stimulus“, bemerkt Cornelius a Lapide zur angeführten Stelle. Sich selbst wollten die Kämpfenden dadurch aneifern, den Feinden aber durch ihr Aussehen Furcht einjagen. Die römische Kohorte legte Jesus zum Spott eine rote Chlamys an.

Rot ist in der Bibel Farbe der Sünde (vgl. Is 1, 18), der Sühne, des blutigen Opfers. Bei gewissen Typen beziehen es die Exegeten auf die menschliche Natur und das erlösende Blut Christi: so den karmesinroten Wollfaden, mit dem Ysopzweige zur levitischen Reinigung vom Aussatz zusammengebunden waren (Lv 14, 4.49), die rote Schnur, die Rahab bei der Belagerung von Jericho als rettendes Kennzeichen an das Fenster ihres Hauses band, und die rote Kuh, deren Asche dem Reinigungswasser beigemischt wurde (Nm 19, 2). Diese „Juvenca rufa“ bedeutet nach Augustinus „das Fleisch Christi. Rot ist sie seines blutigen Leidens wegen“. Auch die geröteten Kleider des keltertretenden Messias (Is 63, 1-3) versinnbilden seine Passion. Die Stelle der Hohenliedes 5,10 „Mein Geliebter ist weiß und rot“ erläutert in Kürze der hl. Ambrosius: „Weiß (ist der Bräutigam) in seiner göttlichen Herrlichkeit, Rot des menschlichen Aussehens wegen, das er im Mysterium der Incarnation angenommen hat“.

In der Liturgie wird die Symbolik der roten Farbe in ihrer Beziehung auf den Hl. Geist in besonderes helles Licht gesetzt: Er ist ja das Liebespfand in der hlst. Dreifaltigkeit, er entzündet in den Gläubigen das Feuer der Liebe und kam in Gestalt von Feuerzungen auf die Apostel herab. Rote Paramente werden daher am Pfingstfest und während seiner Oktav sowie zu Votivmessen des Hl. Geistes angelegt. Sind ferner vorgeschrieben für alle Passions- und Kreuzesfeste sowie jene der Apostel, Evangelisten und anderer Märtyrer.

Purpur und Violett

Die kostbare Purpurfarbe galt im ganzen Altertum als die schönste und vornehmste. Sie wurde aus den Purpurschnecken (murex) gewonnen, die einst in vier Arten an den Küsten des Mittelmeeres vorkamen.

Purpur war die heilige, göttliche, königliche Farbe, Leben versinnbildend, wegen der Ähnlichkeit mit dem lebentragenden Blut.

Dem rötlichen Römisch-Violett, das Bischöfe und andere kirchliche Würdenträger je nach Rang und Gelegenheit in verschiedenen Abstufungen tragen, dürfte wohl die antike Bedeutung des Purpurs zugrunde liegen. Hier ist die Farbe nicht allein Zeichen des hohen geistlichen Standes, sondern mehr noch, wie im alttestamentlichen Kult, Farbe Gottes.

Im Violett der liturgischen Paramentik ist die ursprüngliche Symbolik ganz verändert. Die Farbe wird – Feste ausgenommen – im Advent, in der Fastenzeit, an Quatembertagen und bei allen Anlässen mit Buß – und Sühnecharakter getragen.

Weiß

Weiß ist die Farbe des ungebrochenen Lichtes. Es trägt den Charakter der Freude und Festlichkeit. „Alle Zeit seinen weiß deine Kleider“, ermuntert der Prediger (9, 8), indem er zum Genuss der Lebensfreude aufruft. Im christlichen Sinn aber schreibt Klemens von Alexandrien: „Für Menschen, die den Frieden und das Licht lieben, ist Weiß die passende Farbe.“

Bei der Verklärung Christi auf Tabor „wurden seine Kleider Weiß wie Schnee (Mt 17, 2; Mk 16, 5; Joh 20, 12). Ähnlich schildern die Evangelisten die Gewänder der Engel bei der Auferstehung und Himmelfahrt des Herrn (Mt 28, 3; Mk 16, 5; Joh 20, 12). Am häufigsten erscheint Weiß als Farbe der Verklärung in der Apokalypse, wie es ja dem eschatologischen Inhalt entspricht. Es versinnbildet dort vollkommene Reinheit, Sieg und ewige Herrlichkeit: Weiß gekleidet sind die 24 Ältesten (Offb 4, 4), ebenso „die große Schar, die niemand zählen kann (Offb 7, 9), derjenigen, die „aus der großen Drangsal kommen“ (Offb 7, 13. 15.). Mit reinem, weißen-gläzendem Byssusleinen ist die Braut des Lammes angetan. Dieses Linnen bedeutet „die gerechten Werke der Heiligen“ (Offb 19, 8).

In der Liturgie sind weiße Paramente als Symbol des Lichtes, der Glorie und der Reinheit vorgeschrieben für Feste, die sich auf Gott und Christus beziehen, mit Ausnahmen solcher, die auf Passion hinweisen. Weiß wird getragen an festen der Gottesmutter, der Engel, Bekenner und Jungfrauen, am Geburtstag des hl. Johannes d.T., am Allerheiligen- und Kirchweihfest, zu allen sakramentalen Feiern, zu den meisten Weihen und zur Spendung der Sakramente, mit Ausnahme der Buße und hl. Ölung (Krankensalbung).

Die Bedeutung des Kirchenraumes

Gottes Wohnen unter den Menschen ist ein altes Motiv jüdisch-christlicher Tradition. Gott selbst ist dabei der Handelnde: „An jedem Ort, an dem ich meinem Namen ein Gedächtnis stifte, will ich zu dir kommen und dich segnen.“ (Ex 20,24) Im Buch Deuteronomium wird angeordnet, dass Israel nur eine einzige Kultstätte haben soll, die Gott selbst auswählt, „indem er dort seinen Namen anbringt.“ (Dtn 12,5) Die Anbringung des Namens an einem Ort war im Alten Orient Zeichen der Besitzergreifung und der Herrschaft. Dies drückt auch der Ausdruck „seinen Namen an einem Ort wohnen lassen“ aus. Beide Wendungen werden in den deuteronomischen Gesetzen nebeneinander gebraucht. Die Rede vom Wohnenlassen des Namens (vgl. Dtn 12,11; 14,23; 16,2.6.11; 26,2) wehrt zugleich die Vorstellung ab, Gott selbst wohne im Tempel; im Tempel wohnt nur Gottes Name. Gott selbst wohnt im Himmel (vgl. Dtn 26,15). Im Buch Levitikus ist der Bund Gottes mit seinem Volk gegründet im Wohnen Gottes: „Ich schlage meine Wohnstätte in eurer Mitte auf und habe gegen euch keine Abneigung. Ich gehe in eurer Mitte; ich bin euer Gott, und ihr seid mein Volk.“ (Lev 26,11f)

„Die Propheten üben z.T. Kritik an allzu menschlichen Vorstellungen von Gottes Wohnen z.B. Jes 66,1f: „So spricht der Herr: Der Himmel ist mein Thron und die Erde der Schemel für meine Füße. Was wäre das für ein Haus, das ihr mir bauen könntet? Was wäre das für ein Ort, an dem ich ausruhen könnte? Denn all das hat meine Hand gemacht; es gehört mir ja schon – Spruch des Herrn. Ich blicke auf den Armen und Zerknirschten und auf den, der zittert vor meinem Wort.“ „Nicht das Haus Gottes ist entscheidend, sondern die Beziehung des Menschen zu ihm und die Haltung, mit der ihm der Mensch begegnet.“

Diese Tradition wird im Neuen Testament aufgegriffen und zugespitzt. So heißt es bei Paulus: „Gottes Tempel ist heilig, und der seid ihr“ (1 Kor 3,16), und im 2. Korintherbrief unterstreicht er kämpferisch: „Wir sind doch der Tempel des lebendigen Gottes; denn Gott hat gesprochen: Ich will unter ihnen wohnen und mit ihnen gehen. Ich werde ihr Gott sein, und sie werden mein Volk sein.“ (2 Kor 6,16) [Man bedenke, dass dies Paulus zu einer Zeit schreibt, in der der Tempel in Jerusalem noch nicht zerstört ist!] Paulus zitiert hier das Buch Levitikus 26,11f und überträgt damit die Bundesaussage an Israel auf die christliche Gemeinde. Der Epheserbrief wendet das Bild christologisch: „Ihr seid auf das Fundament der Apostel und Propheten gebaut; der Schlussstein ist Christus Jesus selbst. Durch ihn wird der ganze Bau zusammengehalten und wächst zu einem heiligen Tempel im Herrn. Durch ihn werdet auch ihr im Geist zu einer Wohnung Gottes erbaut.“ (Eph 2,20-22) Die Gemeinde bzw. die Kirche wird zum Tempel, zur Wohnung Gottes unter den Menschen.

Mit dem Bild vom neuen Jerusalem erhält das endgültige Wohnen Gottes unter den Menschen (mit den entsprechenden heilbringenden und erlösenden Folgen) eschatologischen Charakter: „Ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott her aus dem Himmel herabkommen […] Da hörte ich eine laute Stimme vom Thron her rufen: Seht, die Wohnung Gottes unter den Menschen! Er wird in ihrer Mitte wohnen, und sie werden sein Volk sein; und er, Gott, wird bei ihnen sein. Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen: Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen.“ (Offb 21,2-4)

Vor allem in der spirituellen Tradition der Kirche wird das im Neuen Testament begründete Bild von der Gemeinde als Wohnung Gottes unter den Menschen zur Einwohnung Gottes im Menschen weiter entfaltet. Als klassisch können die Bekenntnisse des hl. Augustinus bezeichnet werden: „Spät hab` ich dich geliebt, oh Schönheit, so alt und so neu, spät dich geliebt! Und siehe, drinnen warst du und ich draußen […] Du warst bei mir, aber ich nicht bei dir. Du hast gerufen, geschrieen, den Bann meiner Taubheit gebrochen, hast geblitzt, gestrahlt und meine Blindheit verscheucht […] Ich habe dich geschmeckt und hungere und dürste nun. Du hast mich berührt, und ich bin entbrannt in Verlangen nach deinem Frieden.“

Seit der Gründung der Ecclesia ist das Vorrecht des einen Tempels von Jerusalem auf viele übergegangen, denn im Neuen Bund ist durch den inkarnierten Gottessohn die ganze Welt geheiligt. Seine Himmelfahrt entzog ihn zwar dem irdischen Verkehr mit den Menschen, doch unter dem Schleier der Mysterien bleibt er unter den Menschen. Nun soll der lebendige Glauben das ersetzen, was den Sinnen hienieden versagt bleibt. Die Symbolik des alttestamentlichen Tempels als Vorbild und des christlichen Gotteshauses als Erfüllung greift ineinander. Das Bewusstsein vom Wohnen Gottes im Menschen ist eingebettet und wird begleitet von der Feier der Liturgie, vom Gottesdienst in der Gemeinschaft der Gläubigen. M. Josuttis sieht dabei den kultischen Raum als einen umfriedeten Raum zur Begegnung mit Gott, der es ermöglicht, die Ambivalenz der Begegnung mit dem sich offenbarenden und gleichzeitig sich verbergenden Gott, das Beglückende und das Erschreckende, zulassen zu können. Gottesdienst muss die religiöse Dimension in ihrer Vielschichtigkeit offen halten und kann sich selbst nicht in bloßen Belehrungsformen erschöpfen. „Darum lebt der Glaube im christlichen Gottesdienst weder allein noch primär von den Argumenten, denen er selbstredend Raum geben will. Der Gottesdienst verkörpert vielmehr die Autorität jener Geschichte, der sich der Glaube verdankt, und den Raum, in dem man sich auf sie berufen und sie anrufen kann.“

Höchster Zweck des Kirchenraums ist die Darbringung des hl. Opfers und die Versammlung der Gläubigen um den Altar. Darum ist der Altar auf dem sich die Heilige Handlung vollzieht, der geistige Brennpunkt, der die ganze Idee des Gotteshauses in sich trägt, der Pol, um den das Gebäude kreist. Dieses ist nur die Ausstrahlung und Erweiterung des geheiligten Altarraumes, seine Abschließung und Aussonderung von der Welt. „In seiner liturgischen Idee ist das katholische Gotteshaus wesentlich Messopferkirche, die die Gemeinschaft der Gläubigen um den Altar als den geistlichen Mittelpunkt schart. Die geweihte Kirche ist aber bereits vor der Darbringung hl. Opfer und vor der bleibenden eucharistischen Gegenwart Christi im Tabernakel durch ihre Konsekration, die sie im Hinblick auf die hl. Mysterien empfängt, die besondere Stätte der Gegenwart Gottes.“

Die Musik im Zusammenspiel mit dem Licht

Musik wird seit dem Beginn religiöser Handlungen, schon in der Frühgeschichte, als Bindeglied zwischen den Menschen und Gott eingesetzt und genutzt. Sie bildet einen Schwerpunkt in der katholischen Liturgie, und wir befinden uns in der glücklichen Situation auf dem Schatz von über 1000 Jahren „spiritueller“ Musik zurückgreifen zu können, von der Gregorianik bis zu zeitgenössischen Klängen, von Palestrina bis Messiaen, von Bach bis Debussy, von der polyphonen Kantate bis zu Synthesizerklängen.

Es wird bei dieser Installation auf diesen Schatz zurückgegriffen werden und die Klänge aus den verschiedenen Jahrhunderten werden in Licht umgesetzt. Wie die Musik den weiten Kirchenraum erfüllt, so wird auch das Licht den Raum immer neu erlebbar werden lassen. Beide, Musik und Licht, bilden ein harmonisches Ganzes, welche die Besucher berühren und ansprechen sollen. Der Stephansdom wird so zu einem spirituellen Erlebnisraum, der die Seele für das Transzendente öffnet und so erkennen lässt, dass gerade der Sakralraum, der von den verschiedensten Generationen durch die Jahrhunderte hinweg zu Ehre Gottes erbaut wurde, ein Kristallisationspunkt ist, wo sich Himmel und Erde berühren.

Um dies zu ermöglichen wird eine aufwendige Licht- und Tonanlage in den Dom eingebaut werden. Alle Lichtwechsel werden live von der Orgelempore aus gesteuert, um so der Musik und der Stimmung der Besucher gerecht zu werden. Es versteht sich von selbst, dass versucht wird, die technische Anlage so dezent wie möglich in den Raum zu installieren. Nicht ein Technikspektakel sondern Raumwirkung ist das Ziel. Der Raum wird auch nicht durch Licht aufgelöst, sonder vielmehr wird mit den verschieden architektonischen Elementen, durch gezielte Ausleuchtung, gearbeitet werden.

Aufstellen von Kerzen

Die Besucher sollen in die Installation hinein genommen werden. Daher soll eine Möglichkeit geschaffen werden in unmittelbarer Nähe des Volksaltares Opferkerzen aufstellen zu können. So wird der Altar: Herz und Zentrum der Installation. Von diesem konstant weiß beleuchteten Ort aus entfaltet sich das Licht in den Kirchenraum.

Alle Kerzen im Altarraum und am Hochaltar sollen nach Möglichkeit angezündet werden, da dies die Festlichkeit des Anlasses und das Gesamtbild der Installation unterstreicht. Die Osterkerze soll mit entsprechendem Leuchter direkt hinter dem Altar aufgestellt werden, als zusätzliches Symbol der Gegenwart Christie im Zentrum des Domes.

Die Lichtskulptur in der Barbarakapelle

Zusätzlich zur Lichtinstallation wird in der Barbarakapelle ein „Lichtkeil“ installiert werden. Dieser steht diametral, der gotisch fein gegliederten Architektur und dem Kreuz welches das Zentrum der Skulptur bildet, gegenüber.

Das Leben jedes einzelnen verläuft nicht immer geradlinig und ist ohne Mühsal und plagenden Problemen. Diese Situation stellt die Skulptur dar, sie bricht die Geradlinigkeit des Raumes auf und zeigt doch gleichzeitig, dass mit Gottvertrauen auch in diesen Situationen Gott auf krummen Wegen gerade schreibt. Jeder einzelne von uns ist nie „Gottlos“, sonder umsorgend und geborgen von ihm umgeben.

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