Projekte

"Himmelwerd's"

2012 - Dom, Bamberg

Eine himmlische Nacht

Konzeption

„Seit dem Heinrichsfest 2007 hat sich in der Erzdiözese Bamberg ein neues Format jugendpastoralen Handelns in guter Weise etabliert. Erstmals im Rahmen des Bistumsjubiläums wurde der Versuch unternommen, Jugendlichen und jungen Menschen ein gottesdienstliches Erlebnis der ganz besonderen Art zu ermöglichen. Diese sog. Jugendnacht hat in den darauffolgenden Jahren 2007 bis 2010 jeweils in einer der großen Bamberger Kirchen stattgefunden. Dieser Tradition wollen wir gerne folgen und sie mit neuen Ideen weiter voran bringen.“

 Dabei soll eine feste konzeptionelle Verbindung zwischen dem Jubiläumsmotto: „Dem Himmel entgegen“ und der Jugendarbeit entstehen, künstlerisch gedeutet/interpretiert und im Dom durch eine Jugendprojektnacht umgesetzt werden.

Erzbischof Dr. Ludwig Schick schreibt in seinem Statement zum Domjubiläum 2012 über Kathedralkirchen: „Sie zeigen „himmelwärts“ oder wie in unserem Logo gesagt wird: „Dem Himmel entgegen“. So soll der Dom auf Gott verweisen, der unser Schöpfer und Erhalter ist, der das Leben jedes einzelnen Menschen und die ganze Geschichte lenkt. ER will die Menschen und die ganze Menschheit für den Himmel in Ewigkeit bereiten. Dome sind hervorragende Fingerzeige auf Gott. [...] Die Menschen sollen sich im Dom zu den Gottesdiensten versammeln; in Freud und Leid soll ihnen die Richtung himmelwärts gezeigt und bewahrt werden. „Dem Himmel entgegen“ sollen sie immer wieder eingestellt werden.“

Das hier vorgeschlagene Kunst- und Gottesdienstprojekt möchte zum einem den Anliegen der Jugendlichen aus dem Erzbistum Bamberg und zum anderem das Statement des Erzbischofs aufgreifen und beiden gerecht werden.

Die Idee

Die hier vorgestellte Idee ist das Produkt eines intensiven Konzeptions-wochenendes mit Jugendlichen, den Veranstaltern und dem begleitenden Künstler vom 23/24/09/2011 in Bamberg.

Eine Himmelsleiter, bestehend aus einzelnen von Jugendlichen aus dem gesamten Erzbistum gestalteten Kuben, soll beginnend am Fuß des Hochgrabes des hl. Kaiserpaares Heinrich II. und Kunigunde, sich diagonal bis unter die Deckengewölbe des Zelebrationsaltar erstrecken. 

Es soll eine Gesamtskulptur - eine Himmelsleiter - entstehen, die aus vielen unterschiedlich gestalteten, gleichgroßen Kuben besteht. Die Dynamik der Himmelsleiter beginnt bzw. hat ihre Basis am Grab der Heiligen. „Wichtig sind in unserem Dom, wie in vielen anderen auch, die Gräber der Heiligen, vor allem der Gründer, bei uns Heinrich und Kunigunde. Sie weisen darauf hin, dass eine Diözese auf den Fundamenten von Heiligen steht; ihnen muss Ehre erwiesen werden, damit Menschen ihnen nachfolgen.“

Von dort aus erhebt sich die Skulptur in die Höhen des Domes und findet ihren Abschluss unter dem Deckengewölbe des Doms über dem Zelebrationsaltares; scheinen dieses aber optisch zu durchbrechen und wird so ins Unendliche fortgesetzt. Es entsteht so ein Himmelsleiter von ca. 25m Länge und einer Höhe von 0m bis hin zu ca. 25m. Die einzelnen Kuben mit einer Kantenlänge von 2m x 2m x 3m bestehen jeweils aus einem Aluminiumrahmen in welchen die Jugendlichen lichtaktive, transparent Weich-PVC Schnüre hineinweben und mit eigenen Artefakten unterschiedlichster Art ergänzen. Jeder Kubus wird so zu einem individuellen Einzelkunstwerk. In ihrer Gesamtheit ergibt sich daraus eine Großskuptur - die Himmelsleiter, die die unterschiedlichsten Fassetten von der Auseinander-setzung Jugendlicher mit dem Thema: „Dem Himmel entgegen“ wiederspiegeln.

Erweitert wird diese Himmelsleiterskulptur durch ein filmisch festgehaltenes Schattenspiel trampolinspringender Menschen, welches auf einer Leinwand im Ostchor projiziert wird.  Es steht symbolisch für das Mühen der Menschen dem Himmel und damit auch Gott stetig ein Stück näher zu kommen. Doch ohne göttliche Gnade ist dieses nicht möglich, so steht dieses Schattenspiel auch für die Bedürftigkeit des Menschen, für seine existenzielle Abhängigkeit von Gott.

Ergänzt wird die Himmelsleiter und das Schattenspiel durch eine Licht-installation ähnlich wie 2007 zum Bistumsjubiläums, die die herrliche Architektur des Bamberger Domes hervorhebt. Wie beim Bistumsjubiläum sollen die Jugendlichen die gesamte Nacht mit Musik und Texten gestalten; auch sollen wieder an den Apostelleuchtern bedruckte Banner aufgehängt werden, auf welchen Jugendliche unterschiedliche Statements zu ihren Kuben bzw. ihre Gedanken zum Thema: „Dem Himmel entgegen“ wiederspiegeln.

So umschließt bzw. werden die Ideen der Jugendlichen: Himmelsleiter und Schattenspiel ergänzt durch Banner, Licht und Musik dem Grundanliegen des Erzbischofes für dieses Jubiläum gerecht, wenn er in seinem Statement für das Jubiläum schreibt: „Das Jubiläum soll die wunderbare Architektur, die Kunstwerke und alles, was der Dom enthält, feiern, damit sie auch in Zukunft geschätzt werden. Vor allem soll das Jubiläum aber einen geistlichen Impuls geben, damit unsere Domkirche auch weiterhin ihre Funktion erfüllt und den Menschen hilft auf dem Weg zu bleiben, dem Himmel entgegen.“

Theologische Grundlagen 

Das Symbol der Himmelsleiter: „Schon im alten Ägypten verwendete man das Bild einer Leiter als Symbol für den Aufstieg, näher hin für den Aufstieg zum Himmel. Auch im Mithras-Kult wurde der Aufstieg der Seele zum obersten Himmel durch eine Leiter versinnbildlicht, die aus acht Toren zusammengesetzt war. Im ersten Buch der Bibel findet sich dieses Bild einer die irdische und himmlische Sphäre verbindenden Leiter in der Erzählung von Jakobs Traum, die sich vielfältig in der Kunstgeschichte niedergeschlagen hat. Die Heilige Schrift erzählt, dass sich Jakob auf einem Stein zur Ruhe legte und träumte: „Er sah eine Treppe, die auf der Erde stand und bis zum Himmel reichte. Auf ihr stiegen Engel Gottes auf und nieder“ (Gen 28,12). Was in der Kunst zumeist als Leiter abgebildet wird, hat man sich altorientalisch wohl eher als Treppenaufgang vorzustellen, wie sie die Flanken der Stufentürme (vgl. „Turm von Babel“, Gen 11) säumten. Die Bedeutung des Aufstiegs in höhere Sphären ist wohl auch bei den Stufen in der Tempelvision Ezechiels (Ez 40,26.31) sowie am Thron Salomos (1 Kön 10,19) mitgedacht und in den Stufen des traditionellen Kirchenbaus verbildlicht, die den Altarbereich vom Kirchenschiff abheben. 

Im Evangelium wird zwar das Bild von der Leiter nicht direkt aufgegriffen, jedoch von Jesus indirekt durch seine Weissagung gegenüber Natanael ins Spiel gebracht: „Ihr werdet den Himmel geöffnet und die Engel Gottes auf- und niedersteigen sehen über dem Menschensohn“ (Joh 1,51).

Die Theologen der Alten Kirche, die Kirchenväter, verglichen früh das Kreuz des Erlösers mit der Jakobsleiter, weil der Menschheit durch den Kreuzestod Christi der Weg in den Himmel erschlossen wurde. Dieser Gedanke findet sich bis heute im Gotteslob im Gesang „O du hochheilig Kreuze“ (GL Nr. 182), in dem es in der vierten Strophe heißt: „Du bist die sich’re Leiter, darauf man steigt zum Leben, das Gott will ewig geben.“ [...]

Die Lesung von der Jakobsleiter wird heute bei einer Altarweihe vorgetragen – sind unsere Kirchen doch Orte, an denen der Himmel die Erde berührt: Insbesondere gilt das natürlich während der Eucharistiefeier, denn das Opfer Christi am Kreuz wird in der Hl. Messe Gegenwart. [...] So wird im uralten Bild der Leiter auch in einem modernen Kunstwerk deutlich, was unsere Kirchen sind: Orte der auch heute noch möglichen Begegnung mit Gott, Orte, an denen der Himmel die Erde berührt.

Das Zweite Vaticanum hat zu dem Verhältnis zwischen Kirche und Kunst und gerade zur Thematik der zeitgenössischen Kunst Stellung bezogen: „Zu den vornehmsten Betätigungen der schöpferischen Veranlagung des Menschen zählen mit gutem Recht die schönen Künste, insbesondere die religiöse Kunst und ihrer höchste Form, die sakrale Kunst. Vom Wesen her sind sie ausgerichtet auf die unendliche Schönheit Gottes, die in menschlichen Werken irgendwie zum Ausdruck kommen soll, und sind um so mehr Gott, seinem Lob und seiner Herrlichkeit geweiht, als ihnen kein anderes Ziel gesetzt ist, als durch ihre Werke den Sinn der Menschen in heiliger Verehrung auf Gott zu wenden.“

 „Auch die Kunst unserer Zeit und aller Völker und Länder soll in der Kirche Freiheit der Ausübung haben, sofern sie nur den Gotteshäusern und den heiligen Riten mit der gebührenden Ehrfurcht und Ehrerbietung dient.“

Es ist wichtig, dass Kirche, heute, endlich wieder, wie sie es in früheren Zeiten tat, an der zeitgenössischen Kunst partizipiert. Die kulturelle Tat der Menschen ist der tiefe Ausdruck ihres Innersten, ist Ausdruck von Wünschen, Ängsten und Sehnsüchten. Kunst als zweckloseste Form menschlicher Kreativität, spiegelt gerade als Sakralkunst die Auseinandersetzung mit Gott wider; sie bittet, sie dankt, sie klagt aber auch an, sie ist der Dialog zwischen der Schöpfung und ihrem Schöpfer, mit den Mittel ihrer Zeit, die den Künstlern zur Verfügung stehen. Kunst in der Kirche war und ist  immer noch ein wichtiges Gerüst, Geländer und Stütze, die den gläubigen Menschen in seiner Spiritualität unterstützt, seinen Horizont erweitert und neue Perspektiven und Emotionen ermöglicht.

In diesem Sinne handelt es sich bei den hier vorgestellten Ideen von Himmelsleiter und Schattenspiel ergänzt durch Banner, Licht und Musik auch nicht um ein Spektakel, das den Kirchenraum nur als Baukörper benutzt. Es geht vielmehr darum  ihn von seinem Wesen und seiner Bestimmung her aufzugreifen und diese Intention in neue Medien und Formen zu übertragen und fortzuführen, dabei bleiben alle wesentlichen Elemente dieses heiligen Raumes unangetastet. Aus diesem Grund sollten auch die konsekrierten Hostien an ihrem Ort im Tabernakel bleiben. Ein Räumen des Tabernakels wäre sogar kontraproduktiv, da damit eine vermutete Unvereinbarkeit der Installation an diesem Ort eingestanden würde. Die Präsenz Gottes im geheiligten Brot während einer Installation ist Ausdruck der Überzeugung, dass die Inkarnation Gottes kein geschichtlich abgeschlossenes Ereignis ist, sondern ein dynamischer Prozess, der sich fortwährend in seiner Kirche und ihren Lebensäußerungen vollzieht. So auch in ihren aktuellen Bemühungen, die Botschaft vom befreienden Gott mit den zeitgemäßen Medien in solchen Installationen erfahrbar zu machen. Der Gebrauch von  Licht, Musik und anderen Materialien vermeidet die Reduktion auf eine einzige Kommunikationssituation und ermöglicht so unterschiedliche Kommunikations-formen für die communio von Gott und Mensch. Durch die Kombination so verschiedener Medien wird eine heilsame Wirkung des Sakralraums auf den Besucher erstrebt, was der Urintention sakraler Räume entspricht.

Projektplanung und Umsetzung

Wie in der Vorkonzeption für die Jugendnacht vom 14.7.2011 erläutert, wollen wir dieses künstlerische Projekt weit im Vorfeld mit Jugendlichen erarbeiten und gestalten.  Die Einbindung geschieht dabei in mehreren Etappen:

  1. Suche nach Jugendgruppen aus den verschiedensten Bereichen kirchlichen und gesellschaftlichen Lebens, die bereit sind an dem Kunstwerk mitzubauen. Wir denken dabei an folgende Zielgruppen:
    • Jugend- und Ministrantengruppen in Gemeinden , Gruppen mit kirchlich-verbandlichem Hintergrund und in ökumenischer Ausrichtung.
    • Jugendliche unterschiedlicher religiöser Prägung (jüdische, muslimische Gemeinden)
    • Jugendliche aus gesellschaftlichen Brennpunkten (z.B. Strafgefangenanstalt Ebrach).
    • Jugendliche mit Behinderung (z.B. Lebenshilfe)
    • Jugendliche aus der Arbeitswelt (Lehrlinge z.B. von Bosch und Brose)
    • Jugendliche und junge Menschen aus Schule und Universität
  2. Besuch der Jugendgruppen und inhaltliche Einführung und Vorbereitung des Projektes. Ziel ist eine Auseinandersetzung mit dem Bild der Himmelsleiter und die Entwicklung von Ideen für die je eigene Beteiligung am Projekt durch die Gestaltung eines Kubus. Dabei möchten wir Jugendlichen in unterschiedlicher Weise (Einbindung von Himmelswünschen in den Kubus, O-Töne, bedruckte Banner…) die Möglichkeit geben, ihre Assoziationen einzubringen.
  3. Drehen eines Filmes für das Schattenspiel trampolinspringender Menschen im Ostchor durch Jugendliche. Für die Umsetzung werden wir mit dem Medienfachberater des Bezirksjugendringes Oberfranken, Johannes Rieber kooperieren. Diesen Film würden wir gerne (falls technisch und finanziell möglich) einige Wochen vor der Jugendnacht als Trailer für die Jugendnacht auf den Turm des Doms projizieren (wir denken dabei an den eingerüsteten Teil der Domtürme).
  4. Am Wochenende vor der Jugendnacht (Freitag, 29.6. – Samstag, 30.6.) planen wir ein Treffen aller Jugendgruppen, die am Projekt beteiligt sind, um die Himmelsleiter gemeinsam zu bauen und auf die Jugendnacht einzustimmen. Dabei wollen wir am Freitag Abend (wenn möglich im Dom) einen Jugendgottesdienst feiern und am Samstag – wenn möglich auf dem Domplatz – in einer auch öffentlichkeitswirksamen Aktion das Kunstwerk durch den Bau der Kuben entstehen lassen. 
  5. Begleitet wird die Entstehung des Kunstwerkes von der Vorbereitung bis zur Installation von einem Fototeam aus dem Jugend- und Kulturzentrum Immer Hin, welches eine Bilddokumentation fertigen wird, die während der Jugendnacht in der Taufkapelle ausgestellt wird.
  6. Die Jugendnacht selbst wird am Samstag, den 7. Juli im Bamberger Dom stattfinden.

Projektdownloads

Projektartikel und Präsentationen downloaden

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