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Ich gebe Wasser des Lebens

2009 - St. Nikolaus, Gangelt

„Ich gebe Wasser des ewigen Lebens…“ (Joh 4,1-26)

Am Jakobsbrunnen wird eine Frau aufgefordert: „Gib mir zu trinken!“ Ihr schießt es vielleicht durch den Kopf: „Was will dieser Fremde von mir? Bedenkt dieser jüdische Mann, was er da sagt? Ich kenne ihn doch gar nicht!“ So mag es der samaritischen Frau durch den Kopf gegangen sein. Denn als Frau am Brunnen auf diese Weise angesprochen zu werden, bedeutet umworben zu werden: Das ist Brautwerbung.

Und es bleibt Brautwerbung Gottes, als Jesus scheinbar die Ebene wechselt und sagt: „Wenn Du wüsstest, wer es ist, der zu Dir sagt: Gib mir zu trinken!, dann hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.“ Bei der Frau ist die Irritation weg, denn jetzt vermutet sie einen Wundertäter: „Toll, nie mehr Durst haben müssen!“ Aber Jesus geht es um einen anderen Durst, den Durst nach Liebe, Geborgenheit, Frieden, Angenommensein, letztlich: das Sehnen des Menschen nach Gott. Mehr noch: Das „Wasser“, das er geben will, wird im trinkenden, empfangenden Menschen zur Quelle, deren Wasser ewiges Leben schenkt. Das ist der Brautpreis Gottes: Er gibt sein eigenes, sich selbst, das Kostbarste – das Wasser des Lebens, seine Liebe, seinen Geist.

Und es bedarf noch eines weiteren Anlaufes, bis die Frau versteht: Hier ist ein <>, ein Mann Gottes, der in meinem zerbrochenen und gebeutelten Leben mir eine gute Nachricht von Gott bringt, meine Sehnsucht kennt und stillen möchte. – Jetzt endlich öffnet sich ihre Seele für die Brautwerbung Gottes…

In die Suche des Menschen nach Gott, dem hilflosen Tasten nach einem Bezugspunkt, dem Schrei der Seele nach einem Bild Gottes, sagt der Menschensohn: Ich… Ich bin die Tür zum Leben, ich bin das Brot des Lebens, ich bin der wahre Weinstock, ich gebe Wasser ewigen Lebens. Und die Menschen, die sich in diesem Advent auf die Suche machen wollten und konnten, fanden in den vier Adventlichen Besinnungen in der Gangelter Nikolauskirche hierzu die Möglichkeit. Denn im Kerzenschein, bei sensibler Musik öffnete sich ein Raum, in dem jeder sich selbst und seinem Gott ein Stück näher kommen konnte. Mit Gerd Geradts (Orgel) und Tanja Volkmer (Sopran) wurde das Leitmotiv des Wassers und der Quelle musikalisch eindrucksvoll umgesetzt, so dass die Meditation von Pfarrer Gottfried Graaff in der blau leuchtenden Kirche die Menschen am vergangenen Donnerstag sanft anrühren konnte. Stefan Knor, Lichtkünstler aus Inden, hatte das Thema aufgegriffen und Musik, Betrachtung und Sehnsucht der Menschen in Farbe getaucht.

Eine Quelle in MIR? – Ja, wenn Du das Brautwerben Gottes annimmst und Dich anrühren lässt von seiner Liebe. Das ist Advent, Ankunft Gottes 2009!

Gottfried Graaff

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