Projekte

Meine Seele lauscht entzückt im Klange deiner Farben

2010 - St. Hippolyt, Zell am See

Lichtinstallation zur erklingenden Musik

„Die Schönheit der Farbe ist ihrer Natur nach einfach; sie hat ihren Grund darin, dass das Dunkel des Stoffes überwunden wird durch die Gegenwart des Lichtes, das gewissermaßen unkörperlich, geistig und ideal ist.“

Die Installation will mit diesem Beitrag zur „Langen Nacht der Kirchen“ den Gästen und den Menschen in Zell am See einen niederschwelligen, unmittelbaren und zeitgemäßen Zugang zu einer Grundaussage unserer christlichen Botschaft bieten:
Es gibt einen, der dich liebt, wie du bist: Gott. Bei ihm darfst du ganz du selber sein und auf ihn darfst du hoffen. Vor ihm darfst du dich vergessen, alte Wege verlassen und neu beginnen. Er schenkt dir Räume und Begegnungen, in denen du neue Hoffnung und neue Perspektiven für dein Leben entdecken kannst.

Angesprochen durch die ganz unmittelbaren Reize von Klang und Licht sollen die Besucher den Raum der St. Hippolyt Kirche in Zell am See als einen solchen Kristallisationspunkt erleben, in dem sich Himmel und Erde berühren und wo dort sich im eigentlichen Sinn Kirche bildet und entsteht. Die Lichter und die Musik nehmen die Besucher mit auf einen Weg, neue Formen der Anbetung, der Gotteserfahrung und der Spiritualität können entstehen.

Die Musik im Zusammenspiel mit dem Licht

Musik wird seit dem Beginn religiöser Handlungen, schon in der Frühgeschichte, als Bindeglied zwischen den Menschen und Gott eingesetzt und genutzt. Sie bildet einen Schwerpunkt in der katholischen Liturgie, und wir befinden uns in der glücklichen Situation auf dem Schatz von über 1000 Jahren „spiritueller“ Musik zurückgreifen zu können, von der Gregorianik bis zu zeitgenössischen Klängen, von Palestrina bis Messiaen, von Bach bis Debussy, von der polyphonen Kantate bis zu Synthesizerklängen. Es wird bei dieser Installation auf diesen Schatz zurückgegriffen werden und die Klänge aus den verschiedenen Jahrhunderten werden in Licht umgesetzt. Wie die Musik den weiten Kirchenraum erfüllt, so wird auch das Licht den Raum immer neu erlebbar werden lassen. Beide, Musik und Licht, bilden ein harmonisches Ganzes, welche die Besucher berühren und ansprechen sollen. Die St. Hippolyt Kirche wird so zu einem spirituellen Erlebnisraum, der die Seele für das Transzendente öffnet und so erkennen lässt, dass gerade der Sakralraum, der von den verschiedensten Generationen durch die Jahrhunderte hinweg zu Ehre Gottes erbaut wurde, ein Kristallisationspunkt ist, wo sich Himmel und Erde berühren.

Drei Nächte

In den drei Nächten der Installation sollen an jedem Abend ein andere theologischer Schwerpunkt mit entsprechender Musik gesetzt werden; mögliche Themen wären:

  • Eine Nacht der Anbetung mit Aussetzung des Allerheiligsten
  • Eine Nacht der Heiligen (Vorlesen von Heiligenlegenden, die die Kirche von Zell am See betreffen, im Wechsel mit Licht & Musik)
  • Eine Nacht der Psalmen (Vorlesen einzelner Psalmen im Wechsel mit Licht & Musik)

Aufstellen von Kerzen

Die Besucher sollen in die Installation hinein genommen werden. Daher soll eine Möglichkeit geschaffen werden in unmittelbarer Nähe des Volksaltares Opferkerzen aufstellen zu können. So wird der Altar: Herz und Zentrum der Installation. Von diesem konstant weiß beleuchteten Ort aus entfaltet sich das Licht in den Kirchenraum.
Alle Kerzen im Altarraum sollen nach Möglichkeit angezündet werden, da dies die Festlichkeit des Anlasses und das Gesamtbild der Installation unterstreicht. Die Osterkerze soll mit entsprechendem Leuchter direkt hinter dem Altar aufgestellt werden, als zusätzliches Symbol der Gegenwart Christie im Zentrum der Kirche.

Die Krypta

In der Krypta soll durch dezente und konstante Beleuchtung ein zusätzlicher Raum des Gebetes geschaffen werden in den sich die Besucher zurückziehen können. Hier kann auch die Möglichkeit geschaffen werden, dass die Besucher ihre Anliegen und Gedanken aufschreiben und auf den Alter niederlegen können.

Farben

Die Farbe erscheint zuerst am Feuer; von ihm empfangen die übrigen Dinge ihr Kolorit, indem die feurige Sonne oder eine glühende Leuchte sie bestrahlt. Als verschiedene Erscheinungen und dabei doch integrierende Elemente des einen, reinen Lichtes bewahrt jede Farbe in ihrer Art dieselben Vorzüge. Und wie das Licht im allgemeinen uns den über den Stoff erhabenen, reinen lebendigen Geist darstellt, so sind einzelne Farben Analogien oder Symbole besonderer Gegenstände oder, auf ethischem Gebiet, gewisser Tugenden und entsprechender Gesinnungen. Farben gehören zu den stärksten, sprechendsten Ausdruckmittel. Sie werden zum Abzeichen von Persönlichkeiten, Nationen, Gemeinschaften und Familien, zur Kundgebung religiöser und politischer Einstellungen, von Trauer, Freude oder Huldigung, die aller Welt durch Fahnen, Wappen, Bändern und dgl. Kenntlich wird. Oft bestimmt, verstärkt oder ändert die Farbe den Sinn eines Symbols.2 Zu den ältesten Zeugnissen von Farbensymbolik gehört die Zueignung bestimmter Farben an die sieben Hauptgestirne im Astralkult der Babylonier. An den spiralförmigen aufsteigenden Planetentürmen (Zikkuraten) trug jede Stufe ihre besondere Farbe.
Grundlegende Gedanken für diese Installation liefern die Vorschriften des mosaischen Gesetzes für die Anfertigung der Vorhänge des hl. Zeltes und der hohenpriesterlichen Gewänder: Da wiederholt sich nebst Gold immer wieder dieselben Farben: Weiß (Byssus), Purpur, Hyazinth (Blaupurpur) und Karmesinrot (coccus). Josephus Flavius legt diesen Farben einen symbolischen Sinn bei, der auf uralter Tradition beruht: Der Byssus, ein feines, weißes Linnen, bedeutet die Erde, die den Flachs hervorbringt; der dunkelrote Purpur das Meer, in dem die Purpurmuschel gefunden wird; der Blaupurpur die Luft, Karmesinrot das Feuer. Die beiden ersten Deutungen beziehen sich allerdings auf das Material, nicht auf die Farbe. Die Entsprechung von vier Hauptfarben und den vier Elementen war übrigens in der Alten Welt allgemein angenommen. – Der hl. Hieronymus3 wiederholt die Auslegung des Josephus Flavius und fügt als Begründung des kultischen Gebrauches hinzu, es sei geziemend, dass der Hohepriester nicht allein für das Volk Israel, sondern für die ganze Welt bete, „denn diese Welt besteht aus Erde, Wasser, Luft und Feuer, den vier Elementen des Alls“, an welche Farbe erinnern.
Auch in der Summa des hl. Thomas von Aquin begegnen wir nochmals der Deutung des Josephus Flavius und etwas weiter im selben Abschnitt einer moralischen Anwendung, die sich ähnlich bereits bei Origenes vorfindet und die mit unwesentlichen Verschiedenheiten zur stehenden Symbolik der alttestamentlichen Kultfarben in ihrer christlichen Beziehung wurde: Weiß ist Sinnbild der Reinheit, Purpur des Martyriums, Karmesin der Liebe, Hyazinthblau der Himmelsbetrachtung.

Zurück