Projekte

"O du stille Zeit"

2010 - Pfarr- und Wallfahrtskirche zu Unseren Lieben Frau, Maria Alm

„O du stille Zeit“

Lichtinstallation zum dritten Adventsonntag 2010

in der Pfarr- und Wallfahrtskirche zu Unseren Lieben Frau in Maria Alm

Im Rahmen des diesjährigen Tourismusprojekt „Maria Alm - Das Adventdorf“ soll neben zahlreichen Konzerten in der Almer Pfarrkirche, die zu den schönsten ländlichen Marienheiligtümern des Pinzgaus zählt, eine „stille“ Lichtinstallation am dritten Adventsonntag „Gaudete“ verwirklicht werden.

Die Idee

Stellen sie sich vor, sie betreten den wunderbaren barocken Kirchenraum von Maria Alm; aus der Kälte, Dunkelheit und Schnee kommend und erleben einen Raum der in eine Lichterspiel von blauen und goldenen Tönen getaucht ist. Strahlender Mittelpunkt des gesamten Raumes scheint das Gnadenbild zu sein. „Maria trägt das Jesuskind auf ihrem Schoß; sie hält es uns gleichsam entgegen mit der Einladung: „Komm!“ Der Engel mit dem Schild „Zuflucht der Sünder“ sagt uns: „Trau dich! Vertrau darauf, dass Gott dich nicht zurückweist!“ Sie werden von Licht und Musik umfangen und merken, dass hier ein Ort ist an dem sich Himmel und Erde berühren, wo sie gut aufgehoben und geborgen sind.

Der Hochaltar „in seinem Aufbau ein großartiger Baldachin für das thronende Gnadenbild“ mit seiner reichen figuralen und ornamentalen Ausstattung wird durch dezente Ausleuchtung in seiner Wirkung intensiviert. Durch Leuchtmittel, die hinter dem Hochaltar aufgestellt werden, bekommt die Apsis eine blaue Aura die im Wechselspiel mit dem warmen Licht der Leuchtmittel und der Reflexion der vergoldeten Elemente im Hochaltar zu einer Aufkonzentrierung auf das Gnadenbild führen, welches das Zentrum der Installation bildet.

Im Chorraum wird die herrliche barocke Architektur durch Licht betont und bildet so, ähnlich einer Zwiebel mehrer optische „Schalen“ um das Gandenbild.

Die Decke des Mittelschiffes wird für den Zeitraum der Installation in einem blauen Lichterschein erstrahlen in Kombination mit einem „Sternenhimmel“, vielen kleinen weißen Lichtpunkten. So wird ein optisches Spannungsfeld zwischen Hochaltar und Volksraum geschaffen. Die Besucherinnen und Besucher sollen in die Installation hinein genommen werden. Daher sollte die Möglichkeit geschaffen werden in unmittelbarer Nähe des Volksaltares und der Osterkerze, Opferkerzen aufstellen zu können. Jede Kerze trägt zur Gesamtwirkung der Installation bei, jedes aufgestellte Licht wird so zum Teil eines großen Ganzen.

Stille, Licht und Musik landen die Menschen dazu ein den Kirchenraum neu zu erleben: Die Lichtinstallation in Maria Alm kann daher den Kirchenraum zu seinem eigensten Wesen zurückführen und somit im besonderen Einzelereignis verdichten, was Aufgabe, Sinn und Funktion des Sakralraums überhaupt ist: Es treffen sich Himmel und Erde, die Dimension des Jenseitigen trifft auf das Hier und Jetzt in neuen Medien. Als niedrigschwelliges Angebot an junge und alte Menschen in verschiedensten Kommunikationssituationen vermag es den Gläubigen ganzheitlich anzusprechen. Darüber hinaus wird noch ein anderes Desiderat erfüllt: der Kirche fern stehende Menschen und praktizierende Christen werden gleichermaßen angesprochen und individuell auf ihrem je anderen Glaubensweg vorangebracht und bereichert, indem ihnen der Sakralraum auf neue Weise als Ort der Gottesbegegnung erschlossen wird.

Theologische Grundgedanken zur Installation

Der dritte Adventsonntag mit dem Namen „Gaudete“ hat diese Bezeichnung vom Eröffnungsvers und den Anfangsworten der 2. Lesung aus dem Philipperbrief des Apostels Paulus: „Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch!“ (Phil 4,4) Die etwas andere Farbe der dritten Kerze des Adventkranzes sowie des Messkleides (rosa) machen bewusst, dass die adventliche Vorbereitung auf Weihnachten einen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Die Vorfreude über das Kommende erfüllt die Herzen!

  • Kann jedoch Freude einfach befohlen werden?
  • Kann und soll man sich freuen, weil man dazu aufgefordert wird?

Dies scheint tatsächlich nicht so recht zu gelingen. Vor allem wäre es eine Zumutung, einem Menschen mit schwerem Leid oder mit Sorgen einfach unvermittelt zu sagen, er soll doch alles beiseite schieben und sich einfach freuen. Nein so einfach geht es nicht! Und genau das wird von Christen auch nicht verlangt.

  • Worum geht es aber?
  • Wo liegen die Quellen der Freude?
  • Worüber und wie kann man sich wirklich freuen?

Das freudige „Erfüllt-sein“ jener, die an Jesus Christus glauben, ist keine bloße Stimmung, die der Vergänglichkeit unterworfen ist und an der Oberfläche bleibt. Manche Menschen suchen bloß das Gefühl: in ihrer Freizeitgestaltung wollen sie Erlebnisse haben, die sie „high“ machen und „abheben“ lassen, vielleicht um den „tristen Alltag“ für eine Weile zu vergessen. In der Gestaltung von Freundschaft und Partnerschaft werden Emotionen überbetont, was zur Folge hat, dass so manches sehr schnell umschlägt und aus „himmelhohem Jauchzen“ tiefste Betrübnis und Enttäuschung folgen kann. Wir dürfen uns selber und andere emotionell nicht überfordern. Gefühle und Stimmungen, ja auch tiefe Emotionen können und sollen helfen, das Leben zu ordnen und zu bewältigen; sie dürfen jedoch nicht an die Stelle rationaler Überlegungen treten und in einer falschen Weise abhängig machen von Launen, blinden Impulsen und Willkür.

Die Lichtinstallation „O du stille Zeit“ ist kein Spektakel, das den Kirchenraum nur als Baukörper benutzt. Es geht vielmehr darum ihn von seinem Wesen und seiner Bestimmung her aufzugreifen und diese Intention in neue Medien und Formen zu übertragen und fortzuführen, dabei bleiben alle wesentlichen Elemente des heiligen Raumes unangetastet.

Aus diesem Grund sollten auch die konsekrierten Hostien an ihrem Ort im Tabernakel bleiben. Ein Räumen des Tabernakels wäre sogar kontraproduktiv, da damit eine vermutete Unvereinbarkeit der Installation an diesem Ort eingestanden würde. Stattdessen versucht die Installation, den Ort des Tabernakels in das Gesamtkonzept zu integrieren. Die Präsenz Gottes im geheiligten Brot während einer Installation ist Ausdruck der Überzeugung, dass die Inkarnation Gottes kein geschichtlich abgeschlossenes Ereignis ist, sondern ein dynamischer Prozess, der sich fortwährend in seiner Kirche und ihren Lebensäußerungen vollzieht. So auch in ihren aktuellen Bemühungen, die Botschaft vom befreienden Gott mit den zeitgemäßen Medien in solchen Installationen erfahrbar zu machen.

Der Gebrauch von Licht und Musik vermeidet die Reduktion auf eine einzige Kommunikationssituation und ermöglicht so unterschiedliche Kommunikations-formen für die communio von Gott und Mensch. Durch die Kombination so verschiedener Medien wird eine heilsame Wirkung des Sakralraums auf den Besucher erstrebt, was der Urintention sakraler Räume entspricht.

Die Installation will den Menschen einen niederschwelligen, unmittelbaren und zeitgemäßen Zugang zu einer Grundaussage unserer christlichen Botschaft bieten: „Es gibt einen, der dich liebt, wie du bist: Gott. Bei ihm darfst du ganz du selber sein und auf ihn darfst du hoffen. Vor ihm darfst du dich vergessen, alte Wege verlassen und neu beginnen. Er schenkt dir Räume und Begegnungen, in denen du neue Hoffnung und neue Perspektiven für dein Leben entdecken kannst. Er schenkt dir den wahren Frieden und Freude für dein Leben, er führt dich zu neuer Lebendigkeit und zur Fülle deiner Möglichkeiten. (...ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben. Joh 10,10) – Wo wir Menschen das erfahren, da spüren wir: hier berühren sich Himmel und Erde!“ Die sonst so wortlastige christliche (Gottesdienst-)Tradition lässt sich so auf ein Experiment einer nonverbalen, unmittelbaren Verkündigung mittels der Primärreize ein. Durch die ganz unmittelbaren Reize von Licht und Klang sollen die Besucher den Kirchenraum von der Wallfahrtskirche zu Unseren Lieben Frau in Maria Alm als einen Kristallisationspunkt erleben, in dem sich Himmel und Erde berühren. Die Sinne der Besucher, die „Fenster ihrer Seele“ nach außen, wie es Aristoteles formulierte, werden eingeladen, sich zu öffnen für eines der größten Geheimnisse des Menschseins, der Erfahrung der Verbindung zu einem transzendenten Gegenüber, den wir als Christen als den dreifaltigen Gott bekennen. Die Sehnsucht in den Menschen nach dieser Dimension ihres Lebens wach zuhalten, ihnen neue Hoffnung zu geben und für die Annäherung daran Raum zu geben, ist eine der wichtigsten Aufgaben der Kirche in unserer Zeit.

Der Adventsonntag „Gaudete“ lädt ein, die Freude dort zu suchen, wo man sie wirklich finden kann: in der Tiefe des Herzens und nicht an der Oberfläche; dort, wo man Gott und dem Mitmenschen begegnen kann in der Selbstlosigkeit echter Hingabe! Von daher wird man sagen dürfen: Diese Freude ist keine Illusion, sondern Verheißung von noch Größerem, von zukünftiger und endgültiger ewiger Freude.

Man feiert zu Weihnachten die vorbehaltlose Liebe unseres Gottes, der sich als kleines Kind offenbart hat! Wenn Gott man so nahe kommt, sollte man sich da nicht freuen? Ja selbst das Gerichtsmotiv, das Johannes der Täufer so eindrucksvoll anspricht, wird in seinem Schrecken überstrahlt und hoffnungsvoll erhellt von jenem Licht aus der Höhe, das im Sohn Gottes erschien.

Blickt man auf die heilige Gottesmutter Maria; in all der Einfachheit und äußeren Armut, inmitten von Not und kommenden Verfolgungen war ihr Herz ganz gegründet in Gott und empfing von dort einen tiefen Frieden, den die Welt nicht geben kann. In Maria jubelt die „Tochter Zion“ und jauchzt das Volk Israel, das sich vollendet im Neuen Bund, der die Kirche ist.

Baut man nicht auf die Versprechungen einer Welt des Konsums, des schrankenlosen Genusses und des Egoismus, sondern wagt man es, wirklich zu lieben und unser Leben einzusetzen in der Hingabe für andere! Dann wird der begriff „Freude“ nicht nur ein leeres Wort sein, sondern eine tiefe Erfahrung, die das Leben begleitet und zu Gott hin führt.

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