Projekte

Ora et labora Exerzitien

2011 - Exerzitienhaus des Bistums Trier in St. Thomas, St. Thomas

Achtung Kinder ! Oder: Wie aus dem Psalm 139 ein Meditationsweg wurde.

Ein Bericht von den Ora et Labora Exerzitien in St.Thomas 

Mit Familie Exerzitien machen? Wie geht denn das? Vor allen Dingen mit kleinen Kindern? Da braucht man doch seine Ruhe! Und an feste Zeiten muss man sich auch halten. Da stören Kinder doch nur! Und trotzdem! Seit Jahren gelingt es bei den „Ora et Labora“-- Tagen der Gemeinde- und Pastoralreferentinnen und -referenten und ihren Familien beides miteinander zu verbinden: Familie und Besinnung auf das Wesentliche des Glaubens. Dabei geht es nicht darum, Familie und Kinder auf eine klösterliche Lebensweise einzuschwören, sondern familien- und kindgerechte Formen der Spiritualität zu entwickeln und auszuprobieren.

Die Begeisterung der Kinder, die sich jedes Jahr wieder auf „St. Thomas“ freuen oder gar nicht mehr weg wollen, gibt diesem Konzept recht. Und ganz besonders die Jugendlichen, die mit den Jahren etwas für sich entdeckt haben, was sie immer wieder kommen lässt – freiwillig! Und doch war es dieses Jahr nach Ostern ganz anders.

Bisher war der Tagesablauf zweigeteilt: vormittags der „Ora-Teil“, Betrachtung für die Erwachsenen und nachmittags der „Labora-Teil“, das Arbeiten im Gelände des ehemaligen Klosters. Dieses Mal wartete eine Überraschung auf die sieben beteiligten Familien (43 Personen).

Der Leiter und Direktor des Exerzitienhauses Pfarrer Ralf Braun hatte mit dem Theologen und Künstler Herrn Stefan W. Knor die Idee, einen besonderen Meditationsweg im Klostergarten von der Gruppe gestalten zu lassen. In sieben Stationen sollte der Psalm 139 mit Baumstämmen symbolisch zum Ausdruck gebracht werden. Sieben Bäume jeweils  mindestens vier Meter lang, unbehandelt mit Rinde und Moos - von Dienstag Nachmittag bis Freitag Abend zu einem Kunstwerk werden lassen … ; wenn das keine Herausforderung war?

Natürlich funktionierte hier die bisherige Zeiteinteilung vormittags „Betrachtung“ – nachmittags „Arbeit“ nicht mehr. Genau wie im Familien- und Berufsleben. Da geht die Arbeit vor, das Versorgt-Werden der Kinder und die Notwendigkeiten des Alltags. Wie soll man da als gläubiger Mensch im Alltag ein spirituelles Leben führen können? Die Antwort heißt: Anders! Nicht nach Plan, sondern so, wie die Lebenssituation einen führt.

Für das Kunstprojekt wurden sieben Gruppen aufgeteilt, die aus jeweils drei bis vier Personen bestanden. Eine Kindergruppe bearbeitete gemeinsam mit den Betreuerinnen und Betreuern einen Baumstamm. Jede Gruppe hatte einen Psalmabschnitt, den jeder erst einmal für sich allein und dann mit der Gruppe inhaltlich erschließen musste. „Zum Glück sollte als Erstes die Rinde entfernt werden,“ meinte eine Teilnehmerin, so dass genügend Zeit für ein erstes Nachdenken und zum Gespräch während der Arbeit zu den anvertrauten Versen da war. 

Mit von der Partie war auch Monsignore Helmut Gammel, der täglich neue Impulse zum Psalm gab und die Gruppen in Gesprächen während der Baumarbeiten begleitete. Die Umsetzung des Psalms in Holz setzt voraus, dass man etwas von dem verstanden hat, was dort zum Ausdruck kommt. Welche Lebensfragen werden angesprochen? Gibt es Antworten? Was entwickelt sich im Gebet des Psalms? Wird ein Prozess angestoßen, der sich beim Beter fortsetzt? 

Betroffenheiten und Bilder wurden besprochen und diskutiert. Jeder Baum sollte ein mit Blattgold unterlegtes Medallion aus Ton bekommen, das die entsprechenden Versabschnitte charakterisieren soll. „Auge“, „Hand mit Herz“,  „Kreuz“, „Embryo“, „Labyrinth“, „durchstochenes Kreuz“, „Hände“ wurden so zu Perlen an der Gebetsschnur des Psalms. Das Wechselspiel von Arbeit und Betrachtung, von Ausdruck und Reflexion, von Gedanken und Material, war das Besondere in diesen mehrfach intensiv erlebten Exerzitientagen.

Paul Quirin Heck, Pastoralreferent im Dekanat Martental fasste seine persönlichen Lernerfahrungen so zusammen: „Wenn ich mich den Gegebenheiten des Holzes anpassen musste, weil es sich nicht einfach meine Vorstellungen aufzwingen ließ, dann war das auch eine Auseinandersetzung mit Gott, der seine Schöpfung so konzipiert hat, dass ich nicht alles fassen kann. Ich lernte, nicht einfach bestimmen, sondern verstehen zu wollen, auf dem Weg zu sein, sich zu entwickeln, sich einzustellen auf das, was ist, mitzugestalten, mir vom Holz sagen zu lassen, was geht und was nicht geht. Ein Lehrstück für meinen Alltag in der Familie und im Beruf. Und bei allem ist Gott derjenige, der seinen liebevollen Blick auf alles hat und der deshalb für mich Orientierung ist.“

Der neu entstandene Meditationsweg im Klostergarten des Exerzitienhauses St.Thomas drückt vieles von dem aus, was den Beter im Psalm 139 bewegt – und dies in zeitgenössischer und gegenwartsbezogener Art und Weise und von unterschiedlichen Generationen der Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen hergestellt. Die Familien der Gemeinde- und Pastoralreferentinnen und –referenten weihten den Weg im Rahmen eines Stationsgottesdienstes ein und beendeten damit die diesjährige Ora et Labora-Exerzitien. Es lohnt sich diesen Psalm-Baumweg zu gehen. Er ist menschlich und er ist ein Gespräch mit Gott (Bericht von U.Britten, P.Q.Heck).

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