Projekte

Pieta Projekt Muffendorf

2012 - Alt St. Martin, Muffendorf

Die Skulptur - Historie

Der unterfränkische Künstler Balthasar Schmitt (1858-1942) schuf 1904 eine farbig gefasste Pieta für die St. Paul Kirche in München, die in den 80er Jahren infolge eines Brandschadens, verursacht durch unsachgemäßes Aufstellen von Opferkerzen eines Kirchenbesuchers, durch eine Kopie ersetzt wurde.

Balthasar Schmitt studierte an der Kunstakademie in München bei Syrius Eberle, nach ausgiebigen Italienstudien erlangte er bald umfangreiche Aufträge, von denen – dank seiner Professur für christliche Plastik an der Münchner Kunstakademie – die Werke für Kirchen wie in Schlossberg bei Rosenheim, in Bamberg St. Otto, Schweinfurt Hl. Geist, Würzburg St. Adalbero und in München St. Benno, St. Ursula und St. Johann Baptist (Solln) einen großen Stellenwert einnehmen. Besonders prägend für den individuellen Stil von Balthasar Schmitt waren die florentinische Frührenaissance und im Besonderen der Künstler Donatello.

Die verkohlte Skulptur wurde auf dem Dachboden der Paulskirche eingelagert und geriet dort in Vergessenheit. Bei einer Licht- und Kunstinstallation zur „Langen Nacht der Museen“ im Jahre 2009 entdeckte der Künstler Stefan W. Knor diese verkohlte und vergessene Skulptur wieder und bekam diese vom Erzbistum München und Freising und der St. Paul Gemeinde als Dauerleihgabe für seine künstlerische Arbeit zur Verfügung gestellt.

Um in den 80er Jahren eine Kopie der Pieta erstellen zu können, wurde auf das verbrannte Original eine Art Modelliermasse aufgetragen, die die vollends zerstörten Gesichtskonturen ersetzen sollten.

Im Kirchenraum von St. Thomas im Exerzitienhaus des Bistums Trier wird diese Pieta nun nicht restauriert, sondern der Künstler Stefan W. Knor befreit in einem ersten Schritt die Skulptur von allen „Nachbearbeitungen“, sprich alle Modelliermasse wird vorsichtig abgetragen und entfernt. In einem zweiten Schritt wird die Skulptur künstlerisch bearbeitet: Der verkohlte und rußige Zustand wird erhalten - durch das partielle auftragen von Blattgold entsteht ein Spannungsfeld von Verfall/Zerstörung und Erhabenheit/Würde.

Die zeitgenössisch bearbeitete Skulptur wird in den kommenden Jahren in verschiedenen Kirchen im deutschsprachigen Raum im Rahmen von verschiedenen Licht- und Kunstinstallationen ausgestellt werden. Der gesamte Bearbeitungs- und Umgestaltungsprozess wird fotografisch und zum Teil filmisch dokumentiert und bei den verschiedenen Installationen als Begleitausstellung präsentiert.

Den Anfang macht die St. Foillan-Kirche in Aachen zur zehnten „Nacht der offenen Kirchen“ am 01. Oktober 2010. Die Pieta wird aber immer wieder in die Kirche von St. Thomas als Dauerausstellungsstandort zurückkehren.

Die Skulptur - die künstlerische Aussage

Balthasar Schmitt schreibt zu seiner Pieta: „Maria hält sitzend den Leichnam Jesu in ihrem Schoss. Durchdrungen von den Gedanken an die Sendungen des Erlösungswerkes hat sie das Weh des Mutterherzens überwunden und sich zur erhabenen Ruhe empor gerungen. Das weinende Mitleid symbolisiert die Engelsfigur, welche das Haupt Jesu stützt.“

Diese Skulptur in ihrem „verbrannten“ Zustand hat eine so menschliche und verwundbare Komponente, dass sie Menschen an ihr eigenes Leid erinnert. Gleichzeitig strahlt diese Skulptur eine innere Zufriedenheit, Vertrautheit und Ausgeglichenzeit aus, die darauf vertrauen lässt, dass Gott alle Gebete, Wünsche und Sehnsüchte annimmt.

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