Projekte

Psalmengeflüster

2014 - Johanniskirche, Luzern

„Psalmengeflüster“

Eine Klanginstallation zum Buch der Psalmen von Stefan W. Knor

Freude und Leid, Lachen und Weinen, Hoffnung und Verzweiflung, Angst und Sicherheit, Lob und Gebet, Buße und Vergebung, Anbetung und Bewunderung – all diese menschlichen Empfindungen widerspiegeln sich im Buch der Psalmen. Das ganze Spektrum des menschlichen Lebens wurde in ihnen in Poesie gefasst. Das Buch der Psalmen ist zu vergleichen mit einer Perlenkette: Sie bestehet aus 150 ausgewöhnlichen, jeweils individuell gebildeten Perlen, die in ihrer jeweiligen Schönheit und Vielfältigkeit entdeckt werden können. 

Die Idee

Jeder der 150 Psalmen wird von vier Sprechern (möglichst unterschiedlichen Alters und Geschlechts, Laien- und Profisprechern) in einem Tonstudio einzeln eingesprochen und aufgenommen (100 unterschiedliche Sprechen lesen jeweils sechs Psalmen ein). Diese „Rohdaten“ werden in einem zweiten Schritt durch einen Tonmeister und dem Künstler Stefan W. Knor künstlerisch bearbeitet, d.h. die eingesprochenen Texte werden durch akustische Effekte (z.B. durch Hall, Stimmverfremdung, Echo usw.), durch Wiederholungen und/oder Stimmüberlagerungen und durch Unterlegung von (Natur-) Geräuschen in ihrem Ausdruckscharkater verstärkt bzw. er- und aufgeschlossen, ohne dass ihre Verständlichkeit aufgehoben wird. Die Art der künstlerischen Bearbeitung richtet sich, zum einen nach exegetischen Erkenntnissen zum anderen nach der Schönheit der Poesie, so dass dem Hörer eine neue Form des Erlebnisses „Psalmen“ zeitgenössisch vermittelt werden kann.  Das Produkt dieses Bearbeitungsprozesses, das „Psalmengeflüster“ kann z.B. in Unendlich-Schleife zur Fastenzeit 40 Tage und Nächte als Form des „Ewigen Gebetes“ in einem Kirchenraum und dessen Umfeld eingesetzt werden oder in der Nacht von Gründonnerstag zum Karfreitag in der „Nacht des Wachens“ uvm. (entsprechende Einsatzideen/-konzepte werden vom Künstler noch erstellt). Besonders reizvoll ist aber auch, dass die Produktion „Psalmengeflüster“ im öffentlichen Raum an Orten an denen Psalmen eigentlich nicht zu hörnen sind z.B. in einer Bahnhofshalle, öffentlichen Plätzen/Parks und Gebäuden eingespielt werden können. Gerade der Kontrast von sakraler Poesie/Literatur und profaner Umgebung stellt ein besonderes Spanungsfeld da, welches es sich lohnt auszuprobieren und zu erleben! 

Diese Projekt kann auch als Gemeindeprojekt und/oder als ökumenisches Projekt gedacht werden; meint, dass alle Sprecher aus einer bestimmten Kirchengemeinde und/oder einem bestimmten kirchlichen/städtischen Umfeld für dieses „Psalmengeflüster“ gewonnen werden und so ein zusätzliches identitätstiftendes Element darstellen kann. 
Zur Vorbereitung der Sprecher wird der Künstler und Theologe Stefan W. Knor zu jedem Psalm einen kurzen Kommentar verfassen, welcher die besondere Charakteristika des jeweiligen Palmes erläutert und aufschlüsselt – woraus sich dann die entsprechende Leseart ergibt. Weiterhin werden von ihm die Texte vorleserfreundlich vorbereitet, d.h. sie werden so fragmentiert, dass Gedankengängen besser gefolgt werden kann bzw. diese besser eingesprochen werden können.

Aus ökumenischen Gründen werden die Psalmen aus der Bibel der Einheitsübersetzung gewählt.

Anhang:

Jeder Psalm sollte unter den folgenden Gesichtspunkten betrachtet werden:

  • Die Umstände, die seiner Niederschrift zugrunde lagen: Diese Umstände werden oft in den Überschriften zu den Psalmen angegeben. Somit bilden diese Überschriften einen Teil der inspirierten Worte der Schrift. Sie werfen ein helles Licht auf die Empfindungen, die in dem jeweiligen Psalm zum Ausdruck kommen. Da, wo es möglich ist, sollte man die entsprechenden Parallelstellen in den geschichtlichen Büchern nachschlagen, um den Hintergrund besser zu erkennen. Ein klares Verständnis des Hintergrundes wird helfen, die ausgedrückten Empfindungen zu verstehen.
  • Mögliche prophetische Deutung: Obwohl die Worte der Psalm-Dichter ihren Ursprung häufig in tiefen geistlichen Erfahrungen hatten, ist es doch klar, dass sie eine weitere – über das unmittelbare Verständnis der Schreiber hinausgehende – Bedeutung haben. So wird z.B. Davids Schrei der Verlassenheit in Psalm 22,1 zum Ausruf des Herrn am Kreuz, dadurch erhält dieses Wort eine völlig neue Bedeutung (Vgl. Mat. 27,46; Mak. 15,34). 








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