Projekte

Sein ist die Zeit

2008 - St. Foillan, Aachen

Sein ist die Zeit

Die Idee

Die Installation will einen Raum schaffen, in dem die Besucher dieses Phänomen sinnlich erfahren können. Die ablaufende Zeit berührt jeden Menschen existentiell, der Augenblick ist einmalig, die Lebenszeit begrenzt. Der christliche Glaube öffnet einen Horizont. Gott steht über der Zeit. Das öffnet neue Perspektiven. Geschichte ist nicht beliebig. Mein Leben ist die Zeit, die Gott mit mir ist. Das sichere Ende, der Tod, wird überstrahlt durch den Glauben, Gott hat Jesus Christus auferweckt.

Große, mit stoffbezogene, dreieckige Aluminiumelemente bilden im Kirchenraum verteilt, eine abstrakte Gesamtskulptur. Diese wird als Projektionsfläche für Filmaufnahmen genutzt. Die Filme zeigen, wie wir Menschen Zeit erleben: Werden und/oder Vergehen. Nur diese zwei Faktoren lassen uns Menschen Zeit sinnlich erfahren. Gezeit werden in Zeitraffer aufgenommen: Das Wachstum von Pflanzen, Planetenbewegungen am Abendhimmel, Sonnenauf- und Sonnenuntergänge, die Bewegung von Pflanzen im Laufe eines Tages, Verschimmelndes Brot usw.. Ergänzt werden diese Filme durch Bibelzitate, die sich mit dem Thema Zeit befassen.

Zentral, im Altarraum wird ein großes dreieckiges Element aufgehangen werden, auf welches eine zeigerlose Uhr zu sehen sein wird. In diese Uhr fällt der Schatten des Altarkreuzes und symbolisiert so, dass Gott Herr der Zeiten ist.

Die Besucherinnen und Besucher werden eingeladen am Altar eine Kerze zu entzünden und so zu symbolisieren, dass sie sich in die Hand Gottes begeben, sich der göttlichen Zeit „unterwerfen“.

Als „Give-away“ werden Postkarten gedruckt, auf denen eine Auswahl aus den 695 Bibelstellen, die sich zum Thema Zeit äußern, vermerkt sind.

Basis der theologischen Grundlagen ist das Grußwort von Prälat Prof. Dr. Friedrich Janssen anlässlich des 94. Deutschen Katholikentags in Hamburger 2000; Vgl. www.kkv-bund.de.

Theologischer Hintergrund

Unser Geschaffensein ist wesentlich vom Faktor Zeit bestimmt. Eben das macht unsere Geschöpflichkeit aus, dass wir nicht schon immer da waren, vielmehr zu existieren begonnen haben. Als Geschöpfe haben wir einen Anfang in Raum und Zeit; Gott hingegen ist deshalb kein Geschöpf, weil er nicht angefangen hat zu sein. Hätte Gott einen zeitlichen Anfang wie wir, wäre er ebenso ein Geschöpf wie wir.

Wer anfängt zu existieren, muss zugeben, dass das Dasein nicht zu seinem Wesen gehört. Wer erst durch einen zeitlichen Anfang da ist, erkennt, dass er nicht immer war, ja dass er überhaupt nicht da sein müsste, dass er also auch nicht sein könnte. Dies bedeutet, dass unsere Endlichkeit nicht nur in der Sterblichkeit begründet ist, sondern bereits darin, dass wir einen zeitlichen Anfang haben. So paradox es klingen mag: Wir Menschen sind schon deswegen endliche Wesen, weil wir anfangen. Denn wer erst anfangen muss zu sein, ist nicht schlechterdings, sondern nur bedingt da, er verdankt seine Existenz einer Bedingung oder Ursache, die wir Schöpfung nennen. Von daher ist unser Dasein ein unverdientes Geschenk. Wir Menschen existieren nur deswegen, weil wir in Raum und Zeit geschaffen sind.

Der Schöpfer will aber nicht, dass wir in der Zeit aufgehen, dass wir uns verzetteln (abgeleitet von ver-zeit-eln). Viele leben nur im Heute. Sie fragen nicht nach Gestern und Morgen. Es sind Jetztmenschen. Sie lassen sich vom Zeitgeist, von dem, was gerade “in” ist, animieren. Was vor diesem Leben in Raum und Zeit war, geschweige denn, was danach kommt, interessiert sie nicht. Sie halten sich an die Devise des römischen Dichters Horaz: “Carpe diem”: Pflücke, genieße den Tag! Oder an das Motto: “Lasst uns essen und trinken, denn morgen sind wir tot” 
(1 Kor 15,32). Ein solches Leben muss zu einem Albtraum werden, weil nie genügend Zeit bleibt, vollends auf seine Kosten zu kommen.

In der Bibel heißt es:

„Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit: Eine Zeit zum Gebären und eine Zeit zum Sterben, eine Zeit zum Pflanzen und eine Zeit zum Abernten, … eine Zeit zum Weinen, eine Zeit für die Klage und eine Zeit für den Tanz, eine Zeit zum Suchen und eine Zeit zum Verlieren, … eine Zeit für den Krieg und eine Zeit für den Frieden“

(Koh 3,1-8)

Alles hat seine Zeit. Die Frage ist nur, was wir mit der Zeit anfangen, aus der Zeit machen. „Die Zeit ist kurz“ (1 Kor 7,29). Darum müssen wir die Zeit aufkaufen: „Nutzt die Zeit“ (Eph 5,16), mahnt uns der Apostel. „Zeit ist ein kostbares Gut. Sie verrinnt stetig und unwiederbringlich. Nur selten sind wir uns dessen bewusst. […] Die ablaufende Zeit verliert in seinem Angesicht ihren Schrecken. Davon wird das zentrale Element künden.“

Wir Menschen sind endliche und damit sterbliche Wesen, aber der Schöpfer schenkt unserem Dasein eine ewige Perspektive. Unsere Endlichkeit soll nach seinem Willen einmal einmünden in die Unendlichkeit und unsere Zeitlichkeit soll übergehen in die Ewigkeit. Eben deswegen ist ja der ewige Gott Mensch geworden und in die Zeit gekommen, um uns in ein diese Zeit überdauerndes Dasein zu führen. Der Ewige wurde zeitlich, um uns Zeitliche zu verewigen. So wirkt in der Zeit die Dynamik der Ewigkeit. Die Zeit ist kein „perpetuum mobile“, sondern eine Dimension, die – wie die Schöpfung selbst – von Gott her begonnen hat und in Gott erfüllt werden wird. Die Schöpfung ist trotz ihrer Endlichkeit und Zeitlichkeit kein „auslaufendes Modell“, vielmehr steuert sie auf ihre Vollendung zu. Gott, der im ewigen Heute wohnt, für den „ein Tag wie tausend Jahre und tausend Jahre wie ein Tag sind“ (2 Petr 3,8), wird sein Werk „in das Land der Ruhe“ (Hebr 4,3) führen. Letztlich tendiert alles zu dem, durch den alles ist, zu Christus: „Alles ist durch ihn und auf ihn hin geschaffen“ (Kol 1,16). Christus ist der Kausal- und Finalgrund, Ursprung und Ziel der gesamten Schöpfung. Darum ist er es auch, der die Zeit, ja alles, in seinen Händen hält.

Wir sollten – zumindest von Zeit zu Zeit – Zeit haben für Gott, der nicht nur „Sommer und Winter geschaffen“ (Ps 74,17) hat, sondern alle Jahreszeiten, die Zeit als solche. „Zeit, die wir Gott schenken, wird Zeit für die vielen, ist Brot, das er multipliziert, sagte Klaus Hemmerle, der verstorbene Bischof von Aachen, der Stadt unseres letzten Bundesverbandstages. Durch das Gebet wird nicht Zeit versäumt, sondern Zeit gewonnen. Übrigens: Wer sich Zeit nimmt für Gott, wird im Lauf der Zeit feststellen, dass manches, was wir in dieser Zeit für wichtig halten, sub specie aeternitatis, unter dem Aspekt der Ewigkeit, einen anderen Stellenwert erhält. Nichts hat mehr Priorität in der Zeit als die Perspektive der Ewigkeit. Zeit ist Auftakt zur Ewigkeit.

Presse

Gott allein bestimmt die Zeit

Lichtinstallation in St. Foillan anlässlich der 8. ökumenischen Nacht der Kirchen in Aachen

„Sein ist die Zeit“ war das Thema einer Lichtinstallation des international bekannten Lichtkünstlers und Theologen Stefan W. Knor aus dem Bistum Aachen anlässlich der 8. Aachener Nacht der offenen Kirchen in der Kirche St. Foillan. Es beteiligten sich 37 Kirchen und Einrichtungen der verschiedensten christlichen Bekenntnisse mit mehr als 140 Stunden Programm in 130 Veranstaltungen. Die Nacht der offenen Kirchen fand wiederum einen großen Zuspruch.

Beeindruckender Hauptblickpunkt der Installation in St. Foillan war das von einem überdimensionalen Ziffernblatt einer Uhr überstrahlte 900 Jahre alte Pestkreuz in der Mitte des Chors hinter dem Hauptaltar. Der Korpus des Gekreuzigten bildete, wie auch das Foto zeigt, das Zentrum der Uhr. In der Kirche verteilt waren große Stahldreiecke, die in verschiedene Farben getaucht wurden und die als Projektions-flächen für filmische Dokumente zum Thema Zeit dienten: Werden und Vergehen der Zeit. Ausgestrahlt wurden teilweise dokumentarische Filmstreifen aus Natur und Geschichte. Wie der Stefan Knor gegenüber der KirchenZeitung erläuterte, wollte er deutlich machen, dass die Zeit Gottes über der vom Menschen gemachten Zeit steht.

Kirchenzeitung für das Bistum Aachen Nr. 43/08

Wo man steht, fragt sich wohl jeder Besucher

Aachen. Illusionen macht Jürgen Maubach sich nicht: «Die Leute werden jetzt mit Sicherheit nicht anfangen, in die Gottesdienste zu rennen. Daraus wird nichts.» Es ist 22 Uhr am Freitagabend, und um den Gemeindereferenten von St. Foillan herum ist die «Nacht der offenen Kirchen» in vollem Gange.

Und trotz seiner bodenständigen Einschätzung geht Jürgen Maubach doch so weit, von der «wichtigsten kirchlichen Veranstaltung im Jahr» zu sprechen. «Wir müssen daraus lernen, wie wir die Menschen ansprechen können.»

«Wir», das sind die katholischen, evangelischen, orthodoxen, freikirchlichen und altkatholischen Gemeinden, die sich zum achten Mal anlässlich des ökumenischen Leuchtturmprojekts zusammengetan haben. Und wie spricht man die Menschen in Zeiten von Priestermangel, zum Verkauf stehenden Gotteshäusern und zu Zwangsfusionen verdonnerten Gemeinden an?

In St. Foillan weiß man das am Freitag wieder ganz genau – einmal mehr ist das im Schatten des Doms gelegene Kirchenschiff zum Bersten gefüllt. Ursache: Die Installation «Sein ist die Zeit», mit der der Künstler Stefan Knor in den gotischen Sakralbau lockt.

In einer Endlosschleife werden Bibelverse und Naturaufnahmen – mal im Zeitraffer-, mal im Zeitlupentempo – auf Leinwände projiziert. Ein beständiges Ticken schafft besinnliche Stimmung und rückt ein Bild des Gekreuzigten thematisch in den Mittelpunkt. Denn der Heiland hängt an einem großen Ziffernblatt. «Die christliche Grundaussage: Mit der Wiederauferstehung Christi ist die Zeit durchbrochen worden», so die Interpretation von Jürgen Maubach.

Nicht etwa mit Tamtam und Brimborium, sondern zumeist andächtig stillem Programm sorgen die 37 Kirchen und Gemeindehäuser für regen Zulauf. Und immer wieder stößt man auf angenehme Verwunderung über die große Resonanz der überwiegend, keineswegs aber nur aus Menschen mittleren und gehobenen Alters bestehenden Menschenschar.

So auch in der «Citykirche» St. Nikolaus. «Nachtwach» heißt hier das Programm, bestehend aus Rezitationen und meditativen Klängen. Stündlich wechselt das Grundthema: Von «süß» auf «rau», von «rau» auf «weit», von «weit» auf «Samt».

Unter dem Gewölbe des Hochchors können die Gäste dazu verharren, meditieren, innehalten, nachdenken. Sind die Empfindungen bei jedem grundverschieden oder doch bei allen gleich? Unwichtig, solange sie nur an die Oberfläche des Bewusstseins gelangen.

Tiefgehend auch das, was sich hinter der Feststellung «Das Leben ist (k)ein Tanzpalast» verbirgt: Elf Mitglieder des Ü55-Ensembles des Aachener Theaters erzählen in St. Fronleichnam Buntes, Trauriges, Schönes, Schlimmes, kurzum: Erlebtes aus ihrer Biographie. Mitarbeiter der benachbarten OT Josefshaus sorgen für eine Stärkung, bevor der Gospelchor Freude in Fronleichnam aufkommen lässt.

Etwas reißerisch liest sich dagegen der Hauptprogrammpunkt in der Forster Auferstehungskirche: «Mein Kampf». Doch die Jahrgangsstufe 13 des Rhein-Maas-Gymnasiums bringt George Taboris Farce über den Werdegang des Menschen Hitler zum Diktator und Massenmörder Hitler nicht nur der Provokation wegen ausgerechnet hier auf die Bretter.

«Man bekommt eine kräftige Packung Stoff zum Nachdenken mit. Letztlich stellt man sich die Frage, wo man selbst damals gestanden hätte», schildert Pfarrer Martin Obrikat die Wirkung, die das zwölf Monate lang geprobte Stück auf ihn hinterlassen hat.

Wo man heute steht, ist die Frage, die sich wohl jeder Besucher im Laufe der Nacht der offenen Kirchen gestellt hat. Und wie man steht, zum Glauben, zum Leben, zu seinen Mitmenschen und zu sich selbst.

Aachener Zeitung 20/10/2008

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