Projekte

Sternzeit

2007 - Dom, Bamberg

Sternzeit

Jugendprojektnacht am 06.07.2007 im Dom zu Bamberg im Rahmen der Lichtkantaten zu den Bistumstagen 2007

Konzeptionelle Vorüberlegungen zum Entstehung des Projektes
Das Projekt „Sternzeit“ entstand auf Einladung der Kommission Lichtkantate anlässlich der Bistumstage 2007. Von den insgesamt vier Lichtkantaten-Nächten wurde die Nacht von Freitag, 06. Juli, auf Samstag, 07. Juli, „der Jugend der Region III“ zur Gestaltung überlassen.

Diese Einladung war der Startschuss für ein breit angelegtes jugendpastorales Projekt. Zu seiner Realisierung kooperieren die Dekanatsjugenden der Region III, die Erzbischöflichen Jugendämter derselben, sowie das Referat Glaubensbildung in der Jugendpastoral für die Region III. Als Schirmherr konnte der Diözesanjugendpfarrer DV Detlef Pötzl gewonnen werden. Die künstlerische Leitung hat der Licht- und Installationskünstler und angehende Theologe Stefan W. Knor.

Vorgehensweise

Ein Konzeptionsteam aus den vier Kooperationsgruppen entwickelt in mehreren Planungswochenenden Inhalt und Format der Veranstaltung. Für die konkrete Umsetzung werden gezielt weitere Kooperationspartner/innen angesprochen; wie etwa jugendliche

  • Musiker/innen,
  • Handwerker/innen,
  • Aufbauhelfer/innen,
  • Jugendgruppen aus der Region III.

Eine engere Zusammenarbeit wird auch mit der Initiative „Menschen in Not“ / Bamberg und der Jugendstrafvollzugsanstalt Ebrach (über Seelsorger Hans Lyer) stattfinden.

Die gesamte Planungsphase und Durchführung werden begleitet von Frau Anne-Kathrin Eisenbarth (Referentin für Glaubensbildung in der Jugendpastoral Region III), Frau Anja Baier (Jugendbildungsreferentin im EJA, Dekanat Hirschaid) und Herrn Stefan W. Knor.

Thema der Jugendnacht

Das Thema der Nacht wurde vom Konzeptionsteam beim ersten Planungswochenende erarbeitet. Es lautet:

„Sternzeit“ – Mein Traum von Gemeinschaft, Gemeinde, Kirche

Das gewählte Thema führt die von Erzbischof Ludwig Schick in seinem Statement zu Logo und Motto des Bistumsjubiläums formulierten „Wünsche“ an die Kirche von Bamberg weiter und beleuchtet sie aus der Perspektive der Jugendlichen.

„Der Bamberger Sternenmantel sagt zweitens: Ein Mantel hat verschiedene Funktionen. Er schützt vor Kälte und Regen. Er schenkt Behaglichkeit und Wohlgefühl. Er ist Symbol für Barmherzigkeit und Solidarität. Das soll die Kirche von Bamberg in ihren Gemeinden und Vereinen und besonders durch die Caritas für alle Menschen sein und garantieren. Jeder soll im Bistum Bamberg immer einen Schutzmantel finden, wenn Sorgen, Nöte, menschliche Kälte, Krankheit und Leid ihn frieren lassen. Der Mantel ist auch ein Hinweis auf die Barmherzigkeit, die Schwächen, Fehler und Versagen bedeckt.

Der Mantel steht für Menschlichkeit, Fürsorge, Barmherzigkeit und Liebe, die Markenzeichen im Bistum Bamberg sein sollen. Das soll für die Kinder und Jugendlichen, die Kranken und Alten, die Deutschen und „Ausländer“, ausnahmslos für alle, gelten.
Die Sterne auf dem Mantel sind Zeichen des Himmels, der Freude, Zuversicht und der Orientierung. In unserer Kirche im Erzbistum Bamberg soll himmlische Freude herrschen und geschenkt werden. Die Trauernden sollen Trost finden. Die Liturgie soll Freude ausstrahlen. Die Verkündigung soll die „Frohe Botschaft“ vom guten Vater im Himmel und vom Menschenfreund Jesus Christus in den Mittelpunkt stellen.

Unsere Kirche soll Hoffnung und Zuversicht vermitteln im Glauben an den guten Gott. Sie soll durch die Zehn Gebote, die Bergpredigt und das Leben Jesu Orientierung für Kinder und Jugendliche, Familien und Alleinstehende, für alte und kranke Menschen sowie für die ganze Gesellschaft geben.“

Theologische Grundlegung

Ausgehend von der Botschaft Jesu Christi setzten sich die Mitglieder des Konzeptionsteams mit der Frage auseinander, wie eine Gemeinschaft der an Jesus Christus Glaubenden beschaffen sein müsse, damit diese als glaubwürdiges Zeugnis der Frohen Botschaft in der Welt von heute wahrgenommen würde.

Kurz gesagt, wie sieht in den Augen der Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine gegenwartstaugliche und zukunftsfähige Kirche aus?
Für die Erarbeitung der Umsetzung des Themas waren drei Grundüberlegungen maßgeblich:

1. Kirche orientiert sich primär an Jesus Christus.

„Denn der Herr Jesus Christus machte den Anfang seiner Kirche, indem er die Frohe Botschaft verkündigte, die Ankunft nämlich des Reiches Gottes, das von alters her in den Schriften verheißen war (…) Dieses Reich aber leuchtet im Wort, im Werk und in der Gegenwart Christi den Menschen auf.“

(LG 5)

Als zentrales Symbol wurde deswegen die Osterkerze gewählt. Von diesem Zentralsymbol aus entwickelt sich ein 12 strahliger Stern. Dieser Stern schlägt bewusst den Bogen zum Sternenmantel und dessen Deutung: _„Jesus Christus in Herrschergestalt steht im Zentrum des Mantels. Er ist umgeben von den Symbolen der vier Evangelisten, von einem Alpha und Omega, die Anfang und Ende der Welt bezeichnen, von Sonne und Mond, von Cherubim und Seraphim. In der Kirche von Bamberg soll sich alles um den Erlöser drehen.“ _

2. Kirche soll dem Erbe Jesu verpflichtet und dennoch zeitgemäß die Frohe Botschaft verkünden und leben.

„Es ist ja die Hauptaufgabe einer jeden Gemeinschaft von Gläubigen, dafür zu sorgen, dass auch die nachfolgenden Generationen den Zugang zur Wahrheit und zum Heil in Jesus Christus finden.“

So formuliert Papst Benedikt XVI. in seinem Grußwort zur Eröffnung des Bistumsjubiläums. Zweifelsohne ist das die Herausforderung, der sich Kirche in jeder Epoche stellen muss. Bei Paulus finden wir Antwort auf die Frage, wie wir dieser Herausforderung gerecht werden können: „Den Juden bin ich ein Jude geworden, um Juden zu gewinnen, denen, die unter dem Gesetz stehen, bin ich (…) einer unter dem Gesetz geworden, um die zu gewinnen, die unter dem Gesetz stehen. Den Gesetzlosen war ich sozusagen ein Gesetzloser (…), um die Gesetzlosen zu gewinnen. Den Schwachen wurde ich ein Schwacher, um die Schwachen zu gewinnen. Allen bin ich alles geworden, um auf jeden Fall einige zu retten. Alles aber tue ich um des Evangeliums willen, um an seiner Verheißung teilzuhaben.“ (1 Kor 9, 19-23)
Der Korintherbrief führt uns Paulus als den Urvater der Inkulturation der Botschaft Jesu vor Augen. In seinem Handeln zeigt sich ein zielgruppenorientiertes, zielgerichtetes, plan-mäßiges Vorgehen zur Vermittlung von Inhalten und Erfahrungen. Dazu gehört, dass Paulus sich intensiv mit seiner Zielgruppe auseinandersetzt.

Er kennt ihre Gedankenwelt, ihre kulturellen Eigenheiten, ihre Sprache, ihre Lebensweise, ihre Sorgen, Fragen, Hoffnungen. Paulus geht sogar soweit, sich vollkommen mit seinen Adressaten zu identifizieren. Er wird einer von ihnen. Einer, den sie verstehen und dem sie trauen, weil er ihr Leben teilt. Sein Ziel ist es, Jesus als den Christus glaubwürdig und für seine Zielgruppe lebensrelevant zu verkünden. Er erfüllt damit seinen apostolischen Auftrag in der Welt seiner Epoche und wird zum Pionier der Erfolgsstory des Christentums. Es gelingt ihm tatsächlich, die Botschaft Jesu und ihre Lebensrelevanz in die griechisch-römische Kultur hinein zu übersetzen. Paulus gelingt es in Echtzeit eine Verbindung herzustellen zwischen der Erfahrungswelt der Menschen, ihren Lebenssehnsüchten, ihren letzten Hoffnungen und der christlichen Vision von einem Leben in Fülle. Und genau an dieser Nahtstelle springt der Funke über.

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Paulus ist nicht der dreiste Seelenfänger, der methodisch raffiniert vorgeht, um für die Sache Jesu möglichst viele Anhänger zu rekrutieren. Paulus handelt in zutiefst jesuanischer Weise, wenn er am konkreten menschlichen Leben anknüpft und es in Beziehung zu Gott setzt. „Jesus sucht die Menschen in ihrer Lebenswelt auf, nimmt sie ernst und bringt ihnen auf dem Hintergrund dieser Lebenswirklichkeit die Frohe Botschaft. Er spricht und handelt, dem kulturellen Horizont der Betroffenen entsprechend. Nur auf diese Weise gewinnt seine Heilsbotschaft lebensrelevante Bedeutung für die Menschen.“

Es gilt demnach, die Menschen als rationale, autonome Subjekte unter den Bedingungen der modernen Lebenswelt in ihrem individuellen Kontext wahrzunehmen und mit ihnen auf eine ihnen gemäße und verständliche Weise in Dialog zu treten. Dann können wir auch christlichen Glauben als tragfähiges „Sinnangebot“ ins Gespräch bringen. Das ist das Grundprinzip jeglicher christlicher Verkündigung, dem sich auch das Konzeptionsteam verpflichtet fühlt, wenn es für die Jugendnacht nach innovativen Kommunikationswegen sucht, um seine Träume von Kirche an eine größere Öffentlichkeit innerhalb und außerhalb der Kirche zu transportieren.

3. Jugendliche und Junge Erwachsene gestalten als lebendige, gleichberechtigte Glieder Kirche mit.

Entgegen der weit verbreiteten Meinung, das Verhältnis von Jugend und Kirche sei hinlänglich mit dem Slogan „Glaube ja, Kirche nein“ beschrieben, verstehen sich die Mitglieder des Konzeptionsteams als lebendige Glieder der Kirche. An deren Sendung „jeder getaufte und gefirmte Christ als Glied des Volkes Gottes, des auserwählten Geschlechts und der königlichen Priesterschaft (vgl. 1 Petr 2, 9), ganz persönlich Anteil“ hat.
Oder, wie es der Pastoralplan der Erzdiözese Bamberg formuliert: „Unabhängig von den verschiedenen Ämtern und Diensten gibt es in diesem Volk eine wahre Gleichheit unter allen Gläubigen. Sie haben alle die gleiche Würde und sind alle berufen „zum Aufbau des Leibes
Christi“ (LG 32).“

Auf diesem Hintergrund sehen die beteiligten Jugendlichen die Jugendnacht als ihren persönlichen Beitrag und Auftrag, an einer zukunftsfähigen Kirche mitzubauen.

Dieser Beitrag kann nicht hoch genug geschätzt werden!

Dazu gehört unseres Erachtens auch, dass die personelle und finanzielle Unterstützung der Maßnahme, sowie eine entsprechende Würdigung des einzigartigen Engagements.

Die künstlerische Gestaltung der „Sternzeit“

Einleitung

Das Zweite Vaticanum hat zu dem Verhältnis zwischen Kirche und Kunst und gerade zur Thematik der zeitgenössischen Kunst Stellung bezogen:

„Zu den vornehmsten Betätigungen der schöpferischen Veranlagung des Menschen zählen mit gutem Recht die schönen Künste, insbesondere die religiöse Kunst und ihrer höchste Form, die sakrale Kunst. Vom Wesen her sind sie ausgerichtet auf die unendliche Schönheit Gottes, die in menschlichen Werken irgendwie zum Ausdruck kommen soll, und sind um so mehr Gott, seinem Lob und seiner Herrlichkeit geweiht, als ihnen kein anderes Ziel gesetzt ist, als durch ihre Werke den Sinn der Menschen in heiliger Verehrung auf Gott zu wenden.“

„Auch die Kunst unserer Zeit und aller Völker und Länder soll in der Kirche Freiheit der Ausübung haben, sofern sie nur den Gotteshäusern und den heiligen Riten mit der gebührenden Ehrfurcht und Ehrerbietung dient.“

Es ist wichtig, dass Kirche, heute, endlich wieder, wie sie es in früheren Zeiten tat, an der zeitgenössischen Kunst partizipiert. Die kulturelle Tat der Menschen ist der tiefe Ausdruck ihres Innersten, ist Ausdruck von Wünschen, Ängsten und Sehnsüchten. Kunst als zweckloseste Form menschlicher Kreativität, spiegelt gerade als Sakralkunst die Auseinandersetzung mit Gott wider; sie bittet, sie dankt, sie klagt aber auch an, sie ist der Dialog zwischen der Schöpfung und ihrem Schöpfer, mit den Mittel ihrer Zeit, die den Künstlern zur Verfügung stehen. Kunst in der Kirche war und ist immer noch ein wichtiges Gerüst, Geländer und Stütze, die den gläubigen Menschen in seiner Spiritualität unterstützt, seinen Horizont erweitert und neue Perspektiven und Emotionen ermöglicht. Diesem Anliegen dient diese von Jugendlichen gestaltete, begleitet von Anne-Kathrin Eisenbarth , Anja Baier und Stefan W. Knor , Installation „Sternzeit“.

In diesem Sinne handelt es sich bei der weiter unten vorgestellte Installation auch nicht um ein Spektakel, das den Kirchenraum nur als Baukörper benutzt. Es geht vielmehr darum ihn von seinem Wesen und seiner Bestimmung her aufzugreifen und diese Intention in neue Medien und Formen zu überträgen und fortzuführen, dabei bleiben alle wesentlichen Elemente dieses heiligen Raumes unangetastet. Aus diesem Grund sollten auch die konsekrierten Hostien an ihrem Ort im Tabernakel bleiben. Ein Räumen des Tabernakels wäre sogar kontraproduktiv, da damit eine vermutete Unvereinbarkeit der Installation an diesem Ort eingestanden würde. Die Präsenz Gottes im geheiligten Brot während einer Installation ist Ausdruck der Überzeugung, dass die Inkarnation Gottes kein geschichtlich abgeschlossenes Ereignis ist, sondern ein dynamischer Prozess, der sich fortwährend in seiner Kirche und ihren Lebensäußerungen vollzieht. So auch in ihren aktuellen Bemühungen, die Botschaft vom befreienden Gott mit den zeitgemäßen Medien in solchen Installationen erfahrbar zu machen. Der Gebrauch von Licht, Musik und anderen Materialien vermeidet die Reduktion auf eine einzige Kommunikationssituation und ermöglicht so unterschiedliche Kommunikations-formen für die communio von Gott und Mensch. Durch die Kombination so verschiedener Medien wird eine heilsame Wirkung des Sakralraums auf den Besucher erstrebt, was der Urintention sakraler Räume entspricht.

Das Projekt – das Zentrum

Wie aus der anbei liegenden Skizze zu ersehen ist, soll in dem von der Bestuhlung befreiten weiten Raum des Mittelschiffs im Hohen Dom zu Bamberg eine sternförmige Gesamtskulptur, bestehend aus zwölf Einzelskulpturen entstehen. Das Zentrum der Gesamtskulptur ist die Osterkerze. In der Osterkerze vereinigen sich die griechische, jüdische, römische und christliche Lichttradition. Das Licht gilt als Zeichen des Lebens. In der christlichen Tradition wird die gesamte Licht- und Feuersymbolik auf die Osterkerze übertragen. Sie symbolisiert den über Tod und Sterben siegenden und auferstandenen Jesus Christus. Jesus Christus bildet zum einen das Zentrum der Skulptur von welcher die einzelnen Strahlen in die Welt hinausstrahlen, die die Menschen einlädt zur Gemeinschaft, zum anderen laufen die Strahlen auf das Zentrum zu, die Wünsche der Jugendlichen kulminieren im Zentrum. An diesem Ort soll für die Besucherinnen und Besucher die Möglichkeit geschaffen werden eine Kerze am Fuße der Osterkerze zu entzünden und aufstellen. Sie reihen sich ein, werden symbolisch christliche Gemeinschaft. So wird die Gesamtskulptur wachsend vom Licht der Osterkerze und der Menschen erleuchtet und überstrahlt. Und es wird sinnlich erfahrbar, was es bedeutet, dass Christus der Mittelpunkt unseres Credos ist und das der „Mittelpunkt der Verkündigung Jesu, das Reich Gottes ist, das heißt Gott als Quelle und Mittelpunkt unseres Lebens, und er sagt uns: Gott allein ist die Erlösung des Menschen.“

Das Projekt – die Strahlen (Themen)

Die zwölf einzelnen Strahlen werden in verschieden Workshops durch Jugendgruppen, der Initiative „Menschen in Not“, Bamberg und der Jugendstrafvollzugsanstalt Ebrach gebaut und jeweils thematisch gestaltet werden.

Das Projekt – die Strahlen (praktische Umsetzung)

Die Strahlen bestehen in ihrer Grundsubstanz aus Holz und haben einen Höhe von ca. 1,50m und eine Länge von 5,75m bis zu 15,00m mit einem Gefälle von ca. 2% vom Zentrum ausgehend. Die Breite beträgt ca. 50cm (siehe Skizze). Hergestellt werden diese „Holzstrahlen“ voraussichtlich in der Schreinerei der Jugendstrafvollzugsanstalt Ebrach (Kontakt über Seelsorger Hans Lyer). Diese werden dann von den verschiedenen Jugendgruppen künstlerisch thematisch bearbeitet und gestaltet. Die Strahlen haben eine Höhe, die von den Besucherinnen und Besuchern gut erreichbar ist, ohne die herrliche Architektur des Kirchenraumes zu beeinflussen!

Zusätzlich soll auf der Oberseite eines jeden Strahls ein kleiner Bach fließen, ähnlich den Handläufen in renaissancistischen Gärten (z.B. Villa d`Este, Tivoli/Italien). Dabei handelt es sich um ein kleines geschlossenes Wassersystem, welches durch ein, sich im Innern des Strahls befindliches Beckens und einer Pumpe geschlossen wird. (Je System ca. 80l Wasser). Die Oberseite des Strahls wird mit schwarzer Teichfolie abgedichtet und durch Licht zusätzlich in Szene gesetzt.

Durch diesen Wasserlauf entsteht eine beeindruckende, nicht zu unterschätzende Dynamik! Die von der Osterkerze ausgehenden Strahlen fließen so in die Welt und nehmen jede Besucherin und jeden Besucher mit hinein in die Installation. Mit Wasser verbinden wir die unterschiedlichsten Assoziationen: Es ist der Grundbaustein, der das Leben auf unserem Planeten erst ermöglicht; es stillt unseren Durst und erfrischt uns; es kühlt und heilt. Wasser kann aber auch zerstören und vernichten. Wasser ist ein ganz besonderer Stoff: klar und weich, und kann doch hart und kraftvoll sein; es bildet ruhige Gewässer bis hin zum tobenden Meer oder wird zum reißenden Strom. Es gibt kaum einen Stoff, der so vielfältig ist wie das Wasser und der wie das Wasser seine „Stimmungen“ auf uns Menschen überträgt. Mit dem Symbol „Wasser“ sind in vielen Religionen Reinigungs- und Initiationsriten verknüpft. Wasser ist gleichsam ein Ursymbol der Religion. In der christlichen Tradition ist es die Taufe, als Zeichen des neuen, gereinigten Lebens in Christus. Gesegnetes Wasser, Weihwasser, begleitet uns in der katholischen Tradition durch unser ganzes Leben. Erst durch das Wasser der Taufe entsteht Kirche (Mt 28, 19) und doch ist es auch die Kirche, die selber im Auftrage Christi Quelle des Taufwassers ist, Kirche als Ursakrament.

Das Wasser als die elementare Lebensgrundlage in den Ländern des Nahen Ostens erhält dementsprechend eine zentrale Rolle in den Heiligen Schriften der Völker des fruchtbaren Halbmondes, so auch in den Schriften der Bibel. Angefangen vom ersten Satz des Schöpfungsberichts, im Mythos von der Sintflut, am Beginn des Exodus bei der Teilung des Roten Meeres, als Zeichen für Gottes Fürsorge am Fels, der in der Wüste Wasser für das Volk Israel fließen lässt. Als Zeichen für Fruchtbarkeit und Wohlstand im verheißenen Land, als Metapher in den Psalmen, in der Weisheitsliteratur oder bei den Propheten. An diese Tradition knüpft das Neue Testament an. Wasser als Medium des heiligen Geistes bei der Taufe, als Zeichen von Gottes überströmender Liebe bei der Wandlung von Wasser zu Wein bei der Hochzeit zu Kanaan. Im Zusammentreffen Jesu mit der Samariterin am Jakobsbrunnen wird das „lebendige Wasser“ zum Symbol des ewigen Lebens, das uns durch Jesus Christus geschenkt ist, bis hin zur Offenbarung des Johannes, wo vom Altar des neuen Tempels das Wasser aus dem Tempelbezirk fließt und immer tiefer wird und später, zu Füßen des thronenden Lammes der Wasserquell des Lebens wird und Gott alle Tränen trocknet.

Gerade die Heilszusage Jesu und die damit verbundene Einladung an alle, sich mit dem Glauben auseinanderzusetzen, soll in dieser Installation für alle Menschen erlebbar werden:

„Wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben: vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zur sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt.“ (Joh 4,14)

Das Projekt – die Banner

In den beiden Seitenschiffen wird an jedem Apostelleuchter jeweils ein Banner angebracht werden, auf welchem die Jugendlichen inhaltliche Erklärungen zu jeweils einem Strahl abgeben.(Was wird dargestellt und was soll ausgesagt werden.) So können die Besucherinnen und Besucher zwischen dem Mittelschiff und den Seitenschiffen wandeln, die Skulptur in der Mittel erleben und in den Seiten Erklärungen dazu lesen. Ein Wechselspiel zwischen Erleben und Erfahren entsteht so im gesamten Kirchenraum.

Das Projekt – der Kirchenraum – das Licht

Kirchen stellen gerade im geschäftigen Umfeld von Städten, aber auch auf dem Land Freiräume des Menschseins dar. Sie werden bewusst als „Gotteshaus“ der Verzweckung durch den Menschen ausgespart, damit die Menschen dort einen Raum finden, um wieder mit sich selbst und dem Urgrund ihres Seins – mit Gott – in Kontakt zu kommen.

Es sind deshalb heilige Orte in einem ganz aktuellen Sinn. Sie bieten Möglichkeiten für die Menschen: zur Ruhe kommen, sich konzentrieren, Geborgenheit, Schutz und Segen erfahren und haben damit eine heilsame Wirkung auf die Menschen. Kirchen haben eine über 1700jährige Geschichte als heilsamer Ort für die Menschheit. Bis heute sind sie ein lebendiger Versammlungsort für die Feier der hl. Messe und werden von Betern frequentiert, die Kerzen entzünden, die vor den Andachtsbildern beten oder im weiten Kirchenschiff ihre Ruhe finden. Neben diesen traditionellen Formen der Erfahrung, dass sich hier am Ort Himmel und Erde berühren können, möchte diese Installation die Möglichkeit bieten neue Formen spiritueller Erfahrung zu finden.

„Dabei kann kein Zweifel darüber bestehen, dass der liturgische Raum den Glauben prägt und diesen Glauben durch seine Gestaltung zum Ausdruck bringt. […] Der Kirchenraum prägt tiefer und unauffälliger das Glaubensbewusstsein einer Gemeinde als das Wort der Verkündigung. Deswegen halte ich es für eine ungeheure seelsorgerische Verantwortung, einen Kirchenraum zu gestalten. […] Die Raumgestaltung ist zudem Ausdruck des Selbstverständnisses von Gemeinde und Kirche, Spiegelbild eines ganz bestimmten Kirchenverständnis, einer ganz bestimmten Ekklesiologie.“

Bewusst wird die Skulptur in die Mitte des Mittelschiffs angelegt werden. Der leer geräumte Kirchenraum wird so von den Besucherinnen und Besucher völlig neu erlebt. Die Skulptur befindet sich mitten im Gottesvolk. Der Altarraum und die Chorräume werden nicht verändert oder für die Besucher freigegeben. Daher ist es aber unabdingbar, dass das Mittelschiff von der Bestuhlung befreit wird.
Die Lichtinstallation richtet sich dezent nach der Skulptur aus, stellt diese in den Mittelpunkt ohne die Architektur des Raumes auszublenden. So entsteht ein harmonisches Wechselspiel zwischen dem eingebrachten Kunstwerk und der Architektur.

(Meta)Ziel der Installationen

Die Installation willen den Menschen einen niederschwelligen, unmittelbaren und zeitgemäßen Zugang zu einer Grundaussage unserer christlichen Botschaft bieten: Es gibt einen, der dich liebt, wie du bist: Gott. Bei ihm darfst du ganz du selber sein und auf ihn darfst du hoffen. Vor ihm darfst du dich vergessen, alte Wege verlassen und neu beginnen. Er schenkt dir Räume und Begegnungen, in denen du neue Hoffnung und neue Perspektiven für dein Leben entdecken kannst. Er schenkt dir den wahren Frieden für dein Leben, er führt dich zu neuer Lebendigkeit und zur Fülle deiner Möglichkeiten. (…ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben. Joh 10,10) – Wo wir Menschen das erfahren, da spüren wir: hier berühren sich Himmel und Erde!

Die sonst so wortlastige christliche (Gottesdienst-)Tradition lässt sich so auf ein Experiment einer nonverbalen, unmittelbaren Verkündigung mittels der Primärreize ein. Durch die ganz unmittelbaren Reize von Licht, Klang sowie anderen Materialien sollen die Besucher den Kirchenraum als einen Kristallisationspunkt erleben, in dem sich Himmel und Erde berühren. Die Sinne der Besucher, die „Fenster ihrer Seele“ nach außen, wie es Aristoteles formulierte, werden eingeladen, sich zu öffnen für eines der größten Geheimnisse des Menschseins, der Erfahrung der Verbindung zu einem transzendenten Gegenüber, den wir als Christen als den dreifaltigen Gott bekennen. Die Sehnsucht in den Menschen nach dieser Dimension ihres Lebens wachzuhalten, ihnen neue Hoffnung zu geben und für die Annäherung daran Raum zu geben, ist eine der wichtigsten Aufgaben der Kirche in unserer Zeit.

Eine solche Installation kann daher den Kirchenraum zu seinem eigensten Wesen zurückführen und somit im besonderen Einzelereignis verdichten, was Aufgabe, Sinn und Funktion des Sakralraums überhaupt ist: Es treffen sich Himmel und Erde, die Dimension des Jenseitigen trifft auf das Hier und Jetzt in neuen Medien. Als niedrigschwelliges Angebot an junge und alte Menschen in verschiedensten Kommunikationssituationen vermag es den Gläubigen ganzheitlich anzusprechen. Darüber hinaus wird noch ein anderes Desiderat erfüllt: Der Kirche fern stehende Menschen und praktizierende Christen werden gleichermaßen angesprochen und individuell auf ihrem je anderen Glaubensweg vorangebracht und bereichert, indem ihnen der Sakralraum auf neue Weise als Ort der Gottesbegegnung erschlossen wird.

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