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Triumph der Hoffnung

2004 - St. Maternus, Breberen

„Triumph der Hoffnung“

Zur Liturgie und Installation in der Osternacht

Einleitung

Die Osternacht ist nach ältester Überlieferung eine Nacht der Wache für den Herrn (Ex 12, 42). Das Evangelium (LK. 12, 35ff.) mahnt die Gläubigen, mit brennenden Lampen in den Händen auf ihren Herrn zu warten, damit er sie bei seiner Wiederkunft wachend findet und sie einlädt, an seinem Tisch Platz zu nehmen.
Die Ableitung des Festnamens „Ostern“ ist noch nicht völlig geklärt; mit eostre bzw. Plural eostarum hat man vermutlich die altchristliche Bezeichnung der Osterwoche als albae (die Weißen) wiedergegeben, die man für einen Plural des lateinischen Wortes alba, das Morgengrauen, hielt. In der russischen Liturgie heißt Ostern „Wahrhaftige Auferstehung“; die römische Liturgie nennt das Fest nach der jüdischen Bezeichnung „Pascha“.
Die Liturgie der Osternacht besteht aus: 1. der Lichtfeier, 2. dem Wortgottesdienst, 3. der Tauffeier und Firmfeier und 4. der Eucharistiefeier.

Christus hat durch seinen Tod und seine Auferstehung dem einzelnen in seiner Einmaligkeit den Weg der Erlösung erschlossen. Durch den Tod und die Auferstehung des Herrn sind auch wir Unsterblich geworden, die dem unbegreiflichen Geheimnis Gottes entgegenleben und denen verheißen ist, dass sie in das Geheimnis der göttlichen Liebe aufgenommen werden. Darum ist Ostern für uns das höchste aller Feste: „In Wahrheit ist es würdig und recht, den verborgenen Gott, den allmächtigen Vater, mit aller Glut des Herzens zu rühmen und seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn Jesus Christus, mit jubelnder Stimme zu preisen. Er hat für uns beim ewigen Vater Adams Schuld bezahlt und den Schuldbrief ausgelöscht mit seinem Blut, das er aus Liebe vergossen hat. Gekommen ist das heilige Osterfest, an dem das wahre Lamm geschlachtet ward, dessen Blut die Türen der Gläubigen heiligt und das Volk bewahrt vor Tod und Verderben.“ (Exsultet)
Ostern ist das Fest aller Feste. Wir feiern das Aufbrechen aller Grenzen; die Überwindung vom Elend, Ungerechtigkeit, Hass und Gewalt; den Sieg des Lebens über den Tod. Wir feiern die Verheißung eines Lebens in Liebe, ohne Missverständnisse, ohne Beeinträchtigungen, ohne Krankheit und Unzulänglichkeit. Wir feiern die Verheißung eines Lebens, in dem jeder ganz er selbst sein kann und in dem in Gott all unsere Sehnsucht Erfüllung findet, weil Jesus uns den Weg zu ihm erschlossen hat. Christus hat uns gesagt, dass wir nach dem Ende unserer irdischen Existenz in dieses Leben eintreten dürfen, in ein Leben, das – frei von allem Unguten, von allen Begrenzungen und aller Not – Fülle und Vollendung sein wird. Wir glauben seinem Wort, das er durch seinen Tod und seine Auferstehung besiegelt hat, aber unser Vorstellungsvermögen ist zu begrenzt, als dass wir solch ein Leben der Erfüllung, in dem es keine Angst, keine Unsicherheit, keinen Zweifel und kein Unbefriedigtsein mehr gibt, als eine Wirklichkeit erfahren würden, auf die wir zugehen. Wir kennen nur ein Dasein – und sind an es gewöhnt -, das von Leid und Schuld gezeichnet ist. Darum fällt es uns eher schwer, an eine Zukunft zu glauben, von der die Schrift sagt: „Es wird keinen Tod mehr geben, auch keine Trauer, keinen Klageschrei, keine Mühsal wird es mehr geben; denn die alte Welt ist vergangen“ (Offb. 21,4). Gelänge es den Christen, immer und unter allen Umständen mit gleicher Kraft an diese Verheißung und die Osterbotschaft zu glauben, so gäbe es schon hier in diesem Leben mehr Freude. Wir sind erlöst, ohne wahrhaft begreifen zu können, was das bedeutet. Wir feiern unsere Zukunft, ohne eine rechte Vorstellung von ihr zu haben. Aber wir tun es voll Vertrauen in die einzige Macht, die alles zum Guten wenden kann: die Macht der Liebe.
Wir können uns das Ungeheure des Ostergeschehens ebenso wenig vorstellen wie unser Leben nach dem Tod. Deshalb finden wir oft nicht zu dem spontanen Jubel, der dem Osterfest angemessen wäre. Wir wagen es nicht, auf unseren Glauben zu bauen. Dieser Glaube ist aber nicht von unserer Vorstellungskraft abhängig, sondern gründet im Zeugnis der Schrift. Er hat sein Fundament in der Ostererfahrung der Jünger Jesu und in der Glaubensgeschichte der Kirche durch all die Jahrhunderte bis heute; und er wird getragen von der inneren Zuversicht; dass unser Leben einen Sinn und ein Ziel hat und dass unser Verlangen nach dem Vollkommenen Erfüllung finden wird, weil diese Sehnsucht schon die Antwort auf den Anruf des vollkommenen Gottes ist. Das Leben nach dem Tod gehört zu jenen Geheimnissen, die wir mit den uns gegebenen irdischen Möglichkeiten nicht erfassen können, die wir hier und jetzt nur bruchstückhaft, verschleiert und in Ansätzen erfahren, deren Wirklichkeit wir aber immer wieder spüren und ahnen: in besonderer Dichte und Nähe in den österlichen Feiern der Kirche.

Die Licht-, Kunst- und Klanginstallation

Das weiße Tuch, welches Gründonnerstag Altartuch war, Karfreitag das Leichentuch Christi symbolisierte, ist jetzt Zeichen des Sieges und der Auferstehung. Es umwickelt das Kreuz, der Tod konnte Jesus Christus nicht in seinen Banden halten!

Keiner ist, der das Licht nicht kennt; keiner ist, der es kennt. Keiner, der es nicht kennt in seinem wunderbaren Wirkungen, keiner, der es kennt in seinem Wesen.
Nach dem Entzünden der Osterkerze am Feuer wird diese, das Christussymbol, feierlich in die dunkle Kirche getragen. Die Prozession hinter der Osterkerze ist eindrucksvoll und symbolträchtig. Drängt sich doch wie von selbst das Wort Christi in Joh. 8, 12 auf: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis gehen, sondern er wird das Licht des Lebens haben.“ Zugleich erinnert die vorausgetragene Osterkerze an die Feuersäule, in der Jahwe dem aus der Knechtschaft ziehenden Israel in der Nacht voranzog und den Weg in die Freiheit wies (vgl. Ex 13, 21). Hierzu erklingt das von John Tavener 1986 vertonte „Alleluia“: „Mögen die Flügel der Engel dir singen, dass du geborgen bist.“ In diesen Gesang stimmt der Priester drei mal das „Lumen Christi“ an, inthronisiert zum Schluss die Osterkerze auf dem Osterleuchter und gibt das Licht der Kerze an die Gläubigen weiter. Dann wird das Exsultet gesungen.
Nach den alttestamentlichen Lesungen singt die Gemeinde das Gloria.
Das Licht der Welt kehrt zurück, dieses wird durch eine Lichtinstallation eines Sonnenaufganges, durch den fließenden Übergang vom tiefen Blau über alle Farben des Regenbogens bis hin zum gleißenden Weiß, in der Kirche zusätzlich symbolisch zum Ausdruck gebracht.
Darauf folgen die neutestamentlichen Lesungen, das Osterhalleluja und das Evangelium.

Zur Tauffeier und Taufwasserweihe wird die Kirche in ein sanftes Blau getaucht. Die Farbe Blau ist die tiefste und am wenigsten materielle Farbe, das Medium der Wahrheit, die Transparenz der komprimierten Leere: in der Luft, dem Wasser, dem Kristall oder Diamant. Darum ist Blau die Farbe des Firmaments. Blau besagt ferner auch Treue, im Sinne des verpflichtenden Charakters der erkannten Wahrheit.

Zur Firmspendung erstrahlt die Kirche in Rot und Gelb, wie das Feuer; das Zeichen des Heiligen Geistes, der beim Pfingstereignis sich in der äußeren Form von Flammen auf die Jünger Jesu herabließ. Gelb spricht vom ewigen Licht, von Herrlichkeit, Würde und Macht; Gelb ist die Farbe des reifen Getreides und des Goldes; Rot ist in der biblischen Tradition die Farbe des Schutzes z.B. durch das Bestreichen der Türpfosten mit dem Blut des Paschalammes, bot die rote Farbe Schutz vor dem Würgeengel.

Zur Kommunion erklingt das „Agnus Die I. & II.“ aus der Missa Papae Marcelli von Giovanni Pierluigi da Palestrina († 1591). Die Klangfülle seiner Komposition erreicht Palestrina durch den überwiegenden Gebrauch der tieferen Stimmen – zwei Tenöre und zwei Bässe mit einem Countertenor und einem Diskant. Im Agnus Die II., das als Kanon gesetzt ist für Bass (als Leitstimme) mit dem zweiten Countertenor und dem zweiten Diskant, ist der Chor völlig neu gesetzt für zwei Diskantstimmen, zwei Countertenöre, Tenor und zwei Bässe.

Nach dem Schlusssegen erleben sie eine Lichtinstallation zu Charles-Marie Widors „Toccata (Allegro)“ aus der Symphonie für Orgel Nr. 5 f-moll op. 42/1. Dieses Stück fasst die ganze emotionale Anspannung des Triduum sacrum zusammen. Von der Vorahnung der drohenden Gefahr des Gründonnerstags; über das Leid und den Tod Jesu am Karfreitag bis hin zur schier explosiv Freude über die Erlösung in der Osternacht.

Konzeption und Installation

Stefan W. Knor

Technische Umsetzung

Peter Coenen

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