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Unser Geist ist blau, führet dich in weite Ferne

2010 - Dominikuszentrum, München

Einleitung

Goethe besagt in seiner Farbenlehre, das Farben reale Kräfte sind, „Taten des Lichts, Taten und Leiden.“ Und Plotin bemerkt: „Die Schönheit der Farbe ist ihrer Natur nach einfach; sie hat ihren Grund darin, dass das Dunkel des Stoffes überwunden wird durch die Gegenwart des Lichtes, das gewissermaßen unkörperlich, geistig und ideal ist.“ „Die Erfahrungen, die wir mit einer Farbe in der Natur machen, prägen unser Farberleben wohl am nachhaltigsten. Ihnen entspringen auch die übertragenen Bedeutungen, die wir einer Farbe beilegen.“ „Farben spielen für das geistige Leben des Menschen eine ähnliche Rolle, wie es die Nahrung, Wasser und Luft für den Körper haben. [...] Die psychologische Wirkung der Farben auf den menschlichen Organismus ist von Farbe zu Farbe unterschiedlich.“ Die Farbe erscheint zuerst am Feuer; von ihm empfangen die übrigen Dinge ihr Kolorit, indem die feurige Sonne oder eine glühende Leuchte sie bestrahlt. Als verschiedene Erscheinungen und dabei doch integrierende Elemente des einen, reinen Lichtes, bewahrt jede Farbe in ihrer Art dieselben Vorzüge. Und wie das Licht im Allgemeinen uns den über den Stoff erhabenen, reinen lebendigen Geist darstellt, so sind einzelne Farben Analogien oder Symbole besonderer Gegenstände oder, auf ethischem Gebiet, gewisser Tugenden und entsprechender Gesinnungen. Farben gehören zu den stärksten, sprechendsten Ausdruckmitteln. Zu den ältesten Zeugnissen von Farbensymbolik gehört die Zueignung bestimmter Farben an die sieben Hauptgestirne im Astralkult der Babylonier. Die Installation „Unser Geist ist blau, führet dich in weite Ferne“ basiert auf der biblischen, christlichen und psychologischen Farbsymbolik; so wird die erklingende Musik aus verschiedenen Jahrhunderten in blaues Licht umgesetzt.

Idee

Der schon in Blau gehaltene Kirchenraum des Dominikuszentrums in München wird durch die obern Fenster mit verschieden, changierenden Blautönen indirekt ausgeleuchtet. Die besondere Farbgebung des Baumaterials und dessen unebene Oberfläche wird bei diesem Projekt bewusst als „Lichtspielfläche“ integriert.

Das Licht ström oberhalb der Besucher in den mit Musik erfüllten Raum, verwandelt ihn in einen meditativen, spirituellen Erlebnisraum und tritt dann durch die schräg geöffneten Bronzeportale in das Atrium aus. Dort wird das Licht, durch weitere Leuchtmittel, weitergeführt und das Blau mit der Komplementärfarbe Orange kombiniert/konfrontiert. Dadurch entstehen beim Eintreten und Hinausgehen unterschiedliche Effekte:

Beim Eintreten geht der Besucher aus dem warmen orangen Licht kommend, in das immer kühler und klarer, aber weiter wirkende blaue Licht. Es findet eine Aufkonzentration der Sinne statt, die ergänzt und bereichert wird durch die immer intensiver werdende Musikerfahrung. In aller Schlichtheit entsteht eine einzigartig Atmosphäre, die durch das Entzünden von Kerzen durch den Besucher erweitert werden kann.

Beim Hinausgehen wird die Erfahrung nicht einfach umgekehrt, sondern durch das intensive „Blauerlebnis“ wirkt das Hineingehen ins Orangelicht wie das Erlebnis eines Sonnenaufgangs, ähnlich der Lichtfeier in der Osternachtsliturgie zum Ostergloria.

Blau

„Blau ist die Farbe des Firmamentes, daher Sinnbild des Himmels und des Himmlischen.“ „Blau ist die Farbe des Geistes, der Stille. [...] Blau ist die kühlste und beruhigendste Farbe, die Farbe der Ruhe und Entspannung. [...] Der Puls schlägt schwächer als bei anderen Farben. Ein vorwiegend blau gehaltenes Zimmer erscheint zwei bis drei Grad kühler als ein gleiches Zimmer in gelben Farben.“ „Die Symbolik des Saphirblau ist sehr alt: Jahwes Thron, aber auch der des Zeus ist als das saphirblaue Himmelsgewölbe mit einem unvergleichlichen Lichtglanz dargestellt.“ Nachdem Jahwe den Bund mit seinem Volk geschlossen hatte, stieg Moses mit Aaron und mehreren Ältesten auf den Berg Sinai. „Dort schauten sie den Gott Israels und unter seinen Füßen ein Gebilde, das Saphirplatten glich und einen hellen Glanz ausstrahlte wie der Himmel.“ (Ex 24,10). „Was durch den Himmel gewirkt ist erscheint symbolisch in Blau.“ Nach antiker Naturanschauung war das Himmelsgewölbe etwas Feststehendes. „Das Wort des Herrn hat fest gefügt die Himmel“, heißt es in Ps 32,6. Daher ist Blau auch Sinnbild der Dauer, der Festigkeit und Treue. Der jüdische Kult gebraucht „Hyazinth“, eine blaue Purpurart, es sollte die Israeliten an den Gott des Himmels erinnern und das blaue Oberkleid des Hohenpriesters Symbol seines unmittelbaren Verkehrs mit dem Allerhöchsten sein. Hyazinthblau kam im Altertum fast der Wertschätzung des dunkelroten oder violetten Purpurs gleich. Die Vulgata erwähnt es als königliche Farbe im Buch Sirach 40,4 sowie Ezechiel 23,6 und Esther 1,6 wo von den Vorhängen im prunkvollen Palast des Assuerus die Rede ist. Wie Blau einerseits an der Bedeutung des Purpurs teilhat, so anderseits an jener der weißen Farbe, sofern es Unberührtheit, Unabhängigkeit und Reinheit versinnbildlicht, die allem Himmlischen eigen ist. „Darum hat sich Blau zur Muttergottesfarbe herausgebildet und Weiß-Blau zum Zeichen der besonderen Weihe an die Unbefleckte Jungfrau.“ Blau drückt die „urmütterliche Verbundenheit, die Treue und das Vertrauen, die Liebe und Hingabe“ aus. Seit dem 15. Jahrhundert wird die Gottesmutter in der Kunst häufig, aber nicht ausschließlich, mit hell- oder mittelblauem Mantel dargestellt, während die ältere, byzantinische Richtung durch schwärzlich-dunkelroten oder dunkelblauen Purpur die königliche Würde der Theotokos betont. „Die spätmittelalterlichen religiösen Malereinen seit Giotto sind vom Symbolgehalt des Blau erfüllt: Der Blaugrund vertritt hier den früheren Goldgrund und taucht die Atmosphäre des Bildes in ein transzendentes Fluidum und macht diese Bilder durchlässig für die Kräfte des Himmels.“

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