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Wasser > TraumRaum < Leben

2005 - St. Foillan, Aachen

Wasser>TraumRaum<Leben

Licht, Klang und lebendiges Wasser

Installation mit fließendem Wasser vom Altar in den Kirchenraum; Und gläsernden Kreuz von Hildegard Zieger in St. Foillan, Aachen zur Nacht der offenen Kirchen 2005

Für eine Nacht wird ein Traum-Raum, dieses Mal mit einem fließenden Bach in der St. Foillan-Kirche installiert, um Menschen durch die Erfahrung des lebendigen Wassers im Kirchenraum, das Licht und die Musik ein angenehmes, vielleicht spirituelles Erlebnis zu eröffnen.
Die St. Foillan-Gemeinde will mit diesem Beitrag zur Nacht der offenen Kirchen den Menschen in der City einen niederschwelligen, unmittelbaren und zeitgemäßen Zugang zu einer Grundaus-sage unserer christlichen Botschaft bieten:

Es gibt einen, der dich liebt, wie du bist, Gott. Bei ihm darfst du ganz du selber sein und auf ihn darfst du hoffen. Vor ihm darfst du dich vergessen, alte Wege verlassen und neu beginnen. Er schenkt dir Traum-Räume, in denen du neue Hoffnung und neue Perspekti-ven für dein Leben entdecken kanns. Er schenkt dir den wahren Frieden für dein Leben, er führt dich zu neuer Lebendigkeit und zur Fülle deiner Möglichkeiten. – Wo wir Men-schen das erfahren, da spüren wir, hier berühren sich Himmel und Erde.

Angesprochen durch die ganz unmittelbaren Reize des fließenden Wassers, der Musik und des Lichts und der Texte sollen die Besucher den Raum von St. Foillan als einen solchen Kristallisa-tionspunkt erleben, in dem sich Himmel und Erde berühren können.
Mit Wasser verbinden wir die unterschiedlichsten Assoziationen: es ist der Grundbaustein, der erst das Leben auf unserem Planeten ermöglicht; es stillt unseren Durst und erfrischt uns, es kühlt und heilt. Wasser kann aber auch zerstören und vernichten. Mit dem Symbol „Wasser“ sind in vielen Religionen Reinigungs- und Initiationsriten verknüpft. In der christlichen Tradition ist es die Taufe, als Zeichen des neuen, gereinigten Lebens in Christus. Gesegnetes Wasser, Weihwas-ser, begleitet uns in der katholischen Tradition durch unser ganzes Leben. Wasser ist ein ganz besonderer Stoff: klar und weich, und kann doch hart und kraftvoll sein; es bildet ruhige Gewäs-ser bis hin zum tobenden Meer oder wird zum reißenden Strom. Es gibt kaum einen Stoff, der so vielfältig ist wie das Wasser und der wie das Wasser seine „Stimmungen“ auf uns Menschen überträgt.

Mit den Medien des Traum-Raums mit dem fließenden Wasser lässt sich die wortlastige christli-che (Gottesdienst-)Tradition auf das Experiment einer non-verbalen, unmittelbaren Verkündi-gung mittels der Primärreize ein. Die Sinne der Besucher, die Fenster ihrer Seele nach außen, wie es Aristoteles formulierte, werden eingeladen, sich zu öffnen für eines der größten Geheimnisse des Menschseins, der Erfahrung der Verbindung zu einem transzendenten Gegenüber, den wir als Christen als den dreifaltigen Gott bekennen. Die Sehnsucht in den Menschen nach dieser Dimen-sion ihres Lebens wach zuhalten, ihnen neue Hoffnung zu geben und für die Annäherung daran Raum zu geben, ist eine der wichtigsten Aufgaben der Kirche in unserer Zeit.

Die Bibel als Traum-Raum

Traum-Räume sind dem biblischen Denken nicht fremd. Wichtige Teile der Offenbarung in der Heiligen Schrift finden in “Traum-Räumen” statt. Vom Aufbruch des Abraham bis zur Offenba-rung des Johannes zeigt Gott dem Träumenden seinen Willen, weist ihm den Weg, schenkt heil-same Bilder, die bis heute in uns lebendig sind. Ob es Jakobs Leiter bis in Himmel ist oder Jesaja, der den Saum von Gottes Herrlichkeit sieht, ob Gott durch einen Engel Maria die Geburt seines Sohnes Jesus verkündet oder Johannes, der in tiefster Bedrängnis das himmlische Jerusalem als befreiende Vision erfährt, alles das sind Geschichten aus den Traum-Räumen, die Gott für uns eröffnet hat und die uns die Bibel überliefert. Die Bilder dieser genannten Geschichten und viele mehr sind schon heute im Bilderschatz der St. Foillan-Kirche zu finden, im Ambo, in den Chor-fenstern und auf vielen anderen Ausstattungsstücken.

Die Bibel und das Wasser

Das Wasser als die elementare Lebensgrundlage in den Ländern des Nahen Ostens erhält dement-sprechend eine zentrale Rolle in den Heiligen Schriften der Völker des fruchtbaren Halbmondes, so auch in Schriften der Bibel.

Angefangen vom ersten Satz des Schöpfungsberichts, im Mythos von der Sintflut, am Beginn des Exodus bei der Aufspaltung des Roten Meeres, als Zeichen für Gottes Fürsorge am Fels der in der Wüste Wasser für das Volk Israels fließen lässt. Als Zeichen für Fruchtbarkeit und Wohlstand im verheißenen Land, als Metapher in den Psalmen, in der Weisheitsliteratur oder bei den Propheten. An diese Tradition knüpft das Neue Testament an. Wasser als Medium des heili-gen Geistes bei der Taufe, als Zeichen von Gottes überströmender Liebe bei der Wandlung von Wasser zu Wein bei der Hochzeit zu Kana. Im Zusammentreffen Jesu mit der Samariterin am Jakobsbrunnen wird das „lebendige Wasser“ zum Symbol des ewigen Lebens, das uns durch Je-sus Christus geschenkt ist, bis hin zur Offenbarung, wo vom Altar des neuen Tempels das Wasser aus dem Tempelbezirk fließt und immer tiefer wird und später, zu Füßen des thronenden Lammes das Wasserquell des Lebens fließt und Gott alle Tränen trocknet.
Gerade diese zuletzt genannte Szene (Off 22,1) wird durch die Kombination vom Licht des Apo-kalypsefensters und dem vom Wasser überströmten Altar wird im Kirchenraum aktualisiert.

„Und er zeigte mir einen Strom von Wasser des Lebens, glänzend wie Kristall, der her-vorging aus dem Throne Gottes und des Lammes.“ (Off 22,1)

Die leuchtenden Farben des Fensters werden durch Lichteffekte in den Kirchenraum weiterge-führt. Die Botschaft vom Reich Gottes, dessen Zeit schon angebrochen ist, wird hier in den Raum übertragen und so auf eine neue Art und Weise erfahrbar.
Die Traum-Raum-Installation eröffnet den Besuchern parallel zu den Traum-Räumen der Offen-barung einen real begehbaren und erlebbaren Traum-Raum, in dem die Offenbarung in vielen medialen Formen präsent ist. Dieser Effekt wird unterstützt indem Bibelstellen aus dem Wasser-kontext auf eine Gaze in den Raum über dem Altar projiziert werden und so die Dimension von Schrift, Wort und Text als Träger und Medium unserer Offenbarung mit einbezieht.
Der Besucher kann sich in diesen Traum-Raum hineinbegeben und durch seine Sinne und Kreati-vität neue Wahrnehmungen und Erlebnisse erfahren. Durch das Anzünden von Kerzen, die im Bachlauf aufgestellt werden können. kann er sogar interaktiv auf ihn einwirken und mitgestalten. Durch die Impulse des heiligen Ortes mit dem fließenden Wassers, dem Licht und der Musik, wird die spirituelle Dimension in den “Traum-Reisen” der Besucher zum klingen gebracht. Altes und Quälendes kann neu überdacht werden, neue Hoffung für scheinbar ausweglose Situationen können gefunden werden, die Besucher können vielleicht etwas von der Heilszusage Jesus erfah-ren:

„Wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben: vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zur sprudelnden Quelle wer-den, deren Wasser ewiges Leben schenkt.“ (Joh 4,14)

Das Traum-Raum Konzept – Entspannen und Heilen durch Harmonie

Das Konzept des Traum-Raums basiert auf dem Snoezelen. Das Snoezelen ist eine in den 80ger Jahren entwickelten Therapiemethode aus der Arbeit mit behinderten Menschen. Der aus dem Niederländischen stammende Begriff “snoezelen“ ist ein Artefakt, das soviel bedeutet wie schnüffeln, dösen, schlafen und riechen. Vereinfacht will das Snoezelen helfen durch Licht, Ge-räusche, Gerüche, Geschmack und Gefühle in einer angenehmen Atmosphäre den Heilungspro-zess der Menschen zu fördern.

Das Traumraumkonzept lehnt sich stark an das des Snoezelen an. Allerdings dient der Traum-Raum nicht der Therapie, sondern der Entspannung und der Findung der inneren Harmonie. Hier werden die primären Reize Sehen, Hören und Riechen in den Vordergrund gestellt. Die Sinnes-wahrnehmung wird harmonisch abgestimmt. Harmonie bedeutet, dass Lichteffekte, Wasser und Musik für den Besucher eine Gesamtkomposition ergeben. Dadurch entsteht auf einer tiefenpsy-chologischer Ebene ein Entspannungszustand. Traum-Räume werden heute erfolgreich als Erwei-terung des psycho-sozialen Angebots in Altenhilfeeinrichtungen immer mehr eingesetzt.

Für die Installation zur Nacht der offenen Kirchen in St. Foillan bietet die Methode des Traum-Raums ein unmittelbares, niederschwelliges Wahrnehmungserlebnis, das durch die Gesamtkom-position der Sinnesreizung einen harmonischen Zustand im Besucher erzeugt, in dem hier in die-sem Kontext die spirituelle Dimension im Leben zum klingen gebracht werden soll.

Die “Nacht der offenen Kirchen” in Aachen

Der Traum-Raum in St. Foillan wird installiert im Rahmen der zweiten „Nacht der offenen Kir-chen“ in Aachen. An diesem ökumenischen Projekt beteiligen sich katholische, evangelische und evangelisch-freikirchliche Gemeinden, sowie die griechisch-orthodoxe Gemeinde in Aachen. Insgesamt werden 39 Kirchenräume in Aachen in der Kernöffnungszeit zwischen 20:00 und 24:00 Uhr ihre Türen öffnen und sich “anders“ präsentieren. Die Programmvielfalt reicht von Konzert, Lesung, Kunstausstellung, Theater, Meditation, Nachtmahl bis zur Disco.

Die Adressaten dieser Nacht sind Menschen, die nur noch selten oder gar nicht mehr die Schwel-len eines Kirchenraumes überschreiten. Durch die für Kirchen ungewöhnliche Veranstaltungszeit und das “andere“ Programm soll ihre Neugier geweckt werden. Die Kirchen wollen in dieser Nacht einen Akzent setzten, um den Zeitgenossen ihre Offenheit, Transparenz, Kommunikations-fähigkeit und Attraktivität zu zeigen.

Die Nacht der offenen Kirchen wird von einer umfangreichen Öffentlichkeitskampagne in der Stadt Aachen und im Umland begleitet. Ein eigenes Logo, Presseberichte, Sonderbeilage in der Tagespresse, Citylight-Poster, Plakate, Programmflyer etc. machen die Aktion einer breiten Öf-fentlichkeit als einen bedeutenden Akzent des kirchlichen Lebens bekannt.
Eine eigene Homepage www.nacht-der-kirchen.de informiert über den aktuellen Stand des Pro-jektes.

Hieraus ergibt sich, dass St. Foillan, als bedeutende Kirche im Citybereich, direkt neben dem Dom gelegen, zu diesem Anlass eine herausragende Stellung einnimmt und einen besonderen Akzent setzen wird.

Der Ort – Innenstadt-Kirche St. Foillan

Die Kirchen stellen im geschäftigen Umfeld einer City Freiräume des Menschseins dar. Sie wer-den bewusst als “Gotteshaus“ der Verzweckung durch den Menschen ausgespart, damit die Men-schen dort einen Raum finden, um wieder mit sich selbst und dem Urgrund ihres Seins, mit Gott, in Kontakt zu kommen.

Es sind deshalb heilige Orte in einem ganz aktuellen Sinn. Sie bieten die Möglichkeiten für die Menschen: zur Ruhe zukommen, sich zu konzentrieren, Geborgenheit, Schutz und Segen zu er-fahren und haben damit sie eine heilsame Wirkung auf die Menschen.

Die alte Aachener Stadtpfarrkirche St. Foillan hat an dieser Stelle eine über 800jährige Geschich-te als heilsamer Ort für die Menschen der Stadt. Bis heute ist sie ein lebendiger Versammlungsort einer wachsenden Gottesdienstgemeinde aus dem ganzen Stadtgebiet. Darüber hinaus ist sie als “offene” Kirche (werktags 7.00 – 19.30 Uhr, sonntags 9.00 – 20.30 Uhr) den ganzen Tag über von Betern frequentiert, die Kerzen entzünden, vor den Andachtsbildern beten oder im weiten Kir-chenschiff ihre Ruhe finden. Neben diesen traditionellen Formen der Erfahrung, dass sich hier am Ort Himmel und Erde berühren können, sucht die St. Foillan-Gemeinde neue zeitgemäße Formen spiritueller Erfahrung in der City, z.B. in der Gebetswand, durch kirchenpädagogische Angebote, Gospelkonzerte, Ausklang-Veranstaltungen zum Weihnachtsmarkt u.a.m.

Der Raum – Installation und Architektur

Vom engen Durchgang zwischen dem berühmten “Glashaus”, der gotischen Chorhalle des Aa-chener Domes, und der Fassade von St. Foillan öffnet sich der Kirchenraum wie ein Freiraum im geschäftigen Gedränge der Innenstadt. Der im Krieg bis auf den Turm, die Fassade und das nied-rige südliche Seitenschiff zerstörte Bau wurde von 1956-58 unter der Leitung von Leo Hugoet genial wiederaufgebaut. Unter Beibehaltung der gotischen Grundformen wurde der Chorraum rekonstruiert, das nördliche Seitenschiff aber auf die Höhe des Mittelschiffs angehoben. Es bildet jetzt zusammen mit dem Mittelschiff einen 19 Meter hohen lichten Feiraum, der in Spannung zu den Resten des gotischen Baukörpers steht. Durch diesen Kunstgriff wurde aus der dreischiffigen gotischen Basilika, die als Prozessionsraum vom Portal hin zum Altar, von der Welt zum Heil, angelegt war ein moderner Gottesdienstraum, in dem sich das Volk Gottes um den Altar ver-sammelt, wie es das II. Vatikanische Konzil formuliert hat. Obwohl der Altar an traditioneller Stelle im Chorraum steht, wird durch die besonderen Proportionen des Raumes, ein fast quadrati-scher Grundriss, diese besondere Nähe zum zentralen Punkt des Raumes und der Liturgie er-reicht. Über dem Altar erheben sich in Blau- und Grüntönen die fast abstrakten Chorfenster von Wilhelm Buschulte, 1959, mit Szenen aus der Offenbarung und dem zentralen Bild vom Lamm Gottes im himmlischen Jerusalem. Soweit es die Witterung zulässt, sind die Kirchentüren von St. Foillan das ganze Jahr über geöffnet und man sieht von der Straße aus das kleine rote Kreuz über dem Altar im Licht des Chorraumes leuchten.

Die Installation bestehend aus Licht, Klang und lebendiges Wasser nutzt diese Raumwirkung, und die zentralen Punkte im Chorraum, den Altar, das Kreuz und das Mittelfenster: „Das himmli-sche Jerusalem“, wird erweitert durch den Bachlauf der durch das Mittelschiff fließt. Das Was-ser, das über dem Altar fließt, durchfließt den Kirchenraum, vom Tisch des Mahles geht ein Strom in die Welt hinaus, es durchströmt die Welt; die Botschaft Jesu vom Reich Gottes durch-strömt die Zeiten und schafft so in der Geschichte eine Vorahnung der Herrlichkeit des Himmels auf Erden.
Der weite Raum des Hugoetschen Neubaus mit seinen hohen glatten Wandflächen und der ku-bisch gefalteten Decke wird gezielt zur Projektionsfläche für blau-rote Lichteffekte, die die leuchtenden Gläser des Mittelfensters im Chorraum aufnehmen und weiterführen und somit die Gesamtwirkung im weiten Raum steigern. Durch das Aufstellen von Kerzenleuchter im Altar-raum wird die Aufmerksamkeit des Besuchers wieder gesammelt, lebendiges warmes Licht auf Augenhöhe führt zur menschlichen Dimension, von der Weite und Fülle des göttlichen Heilsver-sprechens zur menschlichen Endlichkeit und Vergänglichkeit. Beides ist hier im Traum-Raum miteinander verwoben, greift ineinander und es berührt sich Himmel und Erde.
Das niedrigere südliche Seitenschiff, in dem sich der Tabernakel befindet, bildet den abgedunkel-ten, nur von wenigen Kerzen erleuchteten Gegenpol zu dem von Lichteffekten erhellte Haupt-raum. Damit wird die bestehende architektonische Spannung zwischen dem gotischen niedrigeren Seitenschiff und dem neuen Kirchenraum noch einmal gesteigert und als unterschiedliches Wahrnehmungsangebot erhalten.

Da es sich bei der Installation nicht um ein Spektakel handelt, das den Kirchenraum nur als Bau-körper benutzt, sondern ihn von seinem Wesen und seiner Bestimmung her aufgreift und diese Intention in neue Medien und Formen überträgt und fortführt, bleiben alle wesentlichen Elemente dieses heiligen Raumes unangetastet. Aus diesem Grund sollten auch die konsekrierten Hostien an ihrem Ort im Tabernakel bleiben. Ein Räumen des Tabernakels wäre sogar kontraproduktiv, da damit eine vermutete Unvereinbarkeit der Installation an diesem Ort eingestanden würde. Stattdessen versucht die Installation das Seitenschiff, den Ort des Tabernakels in das Gesamtkon-zept zu integrieren. Die Präsenz Gottes im geheiligten Brot während der Installation ist Ausdruck der Überzeugung, dass die Inkarnation Gottes kein geschichtlich abgeschlossenes Ereignis ist, sondern ein dynamischer Prozess, der sich fortwährend in seiner Kirche und ihren Lebensäuße-rungen vollzieht. So auch in ihren aktuellen Bemühungen, die Botschaft vom befreienden Gott mit den zeitgemäßen Medien eines Traum-Raums erfahrbar zu machen.

Das Wasser als Zeichen der Verheißung Gottes

Unter dem Apokalypsefenster steht der Altar. An ihm feiert die Gemeinde das Mahl, das uns mit Jesus Christus verbindet. Er bildet den zentralen Ort in der Kirche, an diesem Ort schenkt er sich uns als Zeichen seiner Liebe und Verbundenheit. Hier erhalten wir Christen mitten in der Welt, im wahrsten Sinne des Wortes, Nahrung für unsere Hoffnung und eine Vorahnung auf die Herr-lichkeit Gottes. Von diesem Punkt aus strömt das Wasser über dem Altar, fällt an den Seiten her-unter und fließt zu einem Bach zusammen und strömt in das Langhaus von St. Foillan. Symboli-stisch ist dieses Strömen des Wassers vom Altar in das Kirchenschiff, in die Welt mit:
Ez 47,1-12 Dann führte er mich zum Eingang des Tempels zurück, und ich sah, wie unter der Tempelschwelle Wasser hervorströmte und nach Osten floss; denn die vordere Seite des Tempels schaute nach Osten. Das Wasser floss unterhalb der rechten Seite des Tempels herab, südlich vom Altar. Dann führte er mich durch das Nordtor hinaus und ließ mich außen herum zum äuße-ren Osttor gehen. Und ich sah das Wasser an der Südseite hervorrieseln. Der Mann ging nach Osten hinaus, mit der Messschnur in der Hand, maß tausend Ellen ab und ließ mich durch das Wasser gehen; das Wasser reichte mir bis an die Knöchel. Dann maß er wieder tausend Ellen ab und ließ mich durch das Wasser gehen; das Wasser reichte mir bis zu den Knien. Darauf maß er wieder tausend Ellen ab und ließ mich hindurchgehen; das Wasser ging mir bis an die Hüften. Und er maß noch einmal tausend Ellen ab. Da war es ein Fluss, den ich nicht mehr durchschrei-ten konnte; denn das Wasser war tief, ein Wasser, durch das man schwimmen musste, ein Fluss, den man nicht mehr durchschreiten konnte. Dann fragte er mich: Hast du es gesehen, Menschen-sohn? Darauf führte er mich zurück, am Ufer des Flusses entlang. Als ich zurückging, sah ich an beiden Ufern des Flusses sehr viele Bäume. […] Wohin der Fluss gelangt, da werden alle Lebe-wesen, alles, was sich regt, leben können, und sehr viele Fische wird es geben. Weil dieses Was-ser dort hinkommt, werden (die Fluten) gesund; wohin der Fluss kommt, dort bleibt alles am Le-ben. […] An beiden Ufern des Flusses wachsen alle Arten von Obstbäumen. Ihr Laub wird nicht welken, und sie werden nie ohne Frucht sein. Jeden Monat tragen sie frische Früchte; denn das Wasser des Flusses kommt aus dem Heiligtum. Die Früchte werden als Speise und die Blätter als Heilmittel dienen.

Hier findet die Verbindung zwischen Alten und Neuem Testament statt: Die Vision des Ezechiel vom neuen Jerusalem und die Offenbarung des Johannes von der neuen Stadt. Beide verheißen dem Gläubigen Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes. Das fließende Wasser wird zum lebendi-gen, Leben spendendes Wasser und strömt vom Altar, vom Tisch des Mahles in die Welt hinaus. Es will alle erreichen, erlösen, will Hoffnung und Mut den Menschen schenken in ihren Alltag.

Aus Umweltschutz gründen lassen wir das Wasser nicht auf die Straße fließen sondern schaffen einen geschlossen Kreislauf um die Vergeudung von einem so wichtigen Lebensmittel und Roh-stoff zu vermeiden.

Das Licht des Fensters

Das von außen beleuchtete, und somit in den Kirchenraum einstrahlende Licht des Mittelfensters im Chorraum von St. Foillan bildet das Zentrum des Apokalypse-Fensterzykluses von Wilhelm Buschulte stellt: „Das himmlische Jerusalem“. Der Endpunkt der Vision in den Fenstern ist die große Hoffnung des himmlischen Jerusalems.

Apk 21,9-11 Und es kam einer von den sieben Engeln, die die sieben Schalen mit den sieben letz-ten Plagen getragen hatten. Er sagte zu mir: Komm, ich will dir die Braut zeigen, die Frau des Lammes. Da entrückte er mich in der Verzückung auf einen großen, hohen Berg und zeigte mir die heilige Stadt Jerusalem, wie sie von Gott her aus dem Himmel herabkam, erfüllt von der Herrlichkeit Gottes. Sie glänzte wie ein kostbarer Edelstein, wie ein kristallklarer Jaspis.

Im Fenster sehen wir den Engel, der von oben kommt und die Vision verkündet und genau be-schreibt wie die neue Stadt aussieht

Apk 21,18-21 Ihre Mauer ist aus Jaspis gebaut, und die Stadt ist aus reinem Gold, wie aus reinem Glas .Die Grundsteine der Stadtmauer sind mit edlen Steinen aller Art geschmückt; der erste Grundstein ist ein Jaspis, der zweite ein Saphir, der dritte ein Chalzedon, der vierte ein Smaragd, der fünfte ein Sardonyx, der sechste ein Sardion, der siebte ein Chrysolith, der achte ein Beryll, der neunte ein Topas, der zehnte ein Chrysopras, der elfte ein Hyazinth, der zwölfte ein Amethyst. Die zwölf Tore sind zwölf Perlen; jedes der Tore besteht aus einer einzigen Perle. Die Straße der Stadt ist aus reinem Gold, wie aus klarem Glas.

Im Fenster ist ein weißes Gitterviereck zu erkennen, seine Kristallstruktur stellt, wie ein Edelstein mit vielen Facetten dar, es steht für die himmlische Stadt aus Edelsteinen;

Apk 21,23 Die Stadt braucht weder Sonne noch Mond, die ihr leuchten. Denn die Herrlichkeit Gottes erleuchtet sie, und ihre Leuchte ist das Lamm.

Der Kreis mit dem Lamm ist der Thron des Lammes in der Stadt. Das Lamm steht für Jesus Christus, dessen Tod die frühen Christen an die Paschalämmer der Juden erinnert hat. Die Kreisscheibe erinnert an Mond und Sonne, die in der himmlischen Stadt durch das Licht des Lammes ersetzt werden. Es ist ein Zeichen für die Herrlichkeit Gottes.

Apk 21,24-26 Die Völker werden in diesem Licht einhergehen, und die Könige der Erde werden ihre Pracht in die Stadt bringen. Ihre Tore werden den ganzen Tag nicht geschlossen – Nacht wird es dort nicht mehr geben. Und man wird die Pracht und die Kostbarkeiten der Völker in die Stadt bringen.

Weiterhin erkennt man 24 Kronen und Diademe sie symbolisieren die Herrscher der Welt, die ihre Pracht in das himmlische Jerusalem hineintragen, die Ältesten, die zur Anbetung des Lammes kommen.

Apk 5,13-14 Und alle Geschöpfe im Himmel und auf der Erde, unter der Erde und auf dem Meer, alles, was in der Welt ist, hörte ich sprechen: Ihm, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm gebühren Lob und Ehre und Herrlichkeit und Kraft in alle Ewigkeit. […] Und die vierundzwanzig Ältesten fielen nieder und beteten an.

Das einfallende Licht und die daraus resultierenden Effekte, werden so ausgerichtet, dass diese auf den Altar und dem Wasserlauf projektiert werden und sich im bewegten Wasser brechen. Diese Effekte zeigen die Verbindung der verheißenen Stadt Jerusalem mit unserer jetzigen Welt. Wir müssen nicht mehr auf das kommende Reich Gottes und seiner Ankunft warten, sondern haben schon jetzt, durch Jesus Christus teil daran. Die Vermischung von Zukünftigen und Jetzi-gen spiegelt sich im Wasser, im Lauf der Zeiten wieder.

Das Kerzenlicht

Im Bachbett werden verstreut Lichterinseln mit Kerzen geschaffen. Diese werden durch die In-teraktion der Besucher erweitert, indem die Besucher Kerzen in den nicht beleuchteten Bachlauf, auf kleinen Inseln, stellen können. Sie nehmen so teil an dem strömenden und lebendigen Was-ser, sie be- und erleuchten es, sie werden dadurch ein Teil vom großen Ganzen. Sie laden ein, zur Betrachtung der eigenen Situation, des eigenen Lebens. Der Besucher wird mit hinein genommen in die Installation.

Die projektierten Texte

Durch einen Videobeamer werden Bibelzitate aus Altem und Neuem Testament über den Altar auf eine Gase projektiert. Dazu muss die Außenbeleuchtung des Kirchenfensters herunter gefah-ren werden um einen bessere Projektion zu bekommen. Dies soll im Wechsel alle 5 min. gesche-hen. Die Projektionszeit beträgt 45 sec., so wird ein Bogen geschaffen vom Alten Testament, beginnend mit dem Schöpfungsbericht bis hin zur Offenbarung des Johannes.

Die Musik

Musik wird seit dem Beginn religiöser Handlungen, schon in der Frühgeschichte, als Bindeglied zwischen den Menschen und Gott eingesetzt und genutzt. Es bildet einen Schwerpunkt in der katholischen Liturgie und wir befinden uns in der glücklichen Situation aus dem Schatz von 1000 Jahren “spiritueller” Musik, von der Gregorianik bis zu zeitgenössischen Klängen, von Palestrina bis Messien, von Bach bis Debussy, von der polyphonen Cantate bis zu Syntheziserklängen, zu-rück greifen zu können. Die Musik ist so ausgewählt, dass sie die Gesamtkomposition von flie-ßendem Wasser, Licht und Raum harmonisch abrundet und die meditative Erfahrung erleichtert bzw. ermöglicht. Hinzu kommt zusätzlich der natürliche Klang des herabfallenden und fließen-den Wassers, Geräusche die auf viele Menschen eine entspannende und beruhigende Wirkung haben. Somit entsteht eine Synthese aus komponierter, künstlich erzeugter Musik und dem archaischen Klang von Wasser Geräuschen.

Die Lichteffekte

Der Innenraum von St. Foillan wird: am Boden in blau Töne, an der Decke mit rot Töne, ausge-leuchtet. Somit werden die Farben des Apokalypsefensters in den Kirchenraum weiter geführt und aufgenommen. So wird das Wasser und das Fenster durch die Musik und von Lichteffekten unterstützt, die ihre visuelle Wirkung in den ganzen Raum übertragen und erlebbar machen. Der abgedunkelte Raum verliert durch partielle Punktbeleuchtung mit sanften Übergängen in den Farbschattierungen Blau und Rot und im Kerzenlicht seine wahrnehmbaren Grenzen und öffnet sich ins Unfassbare des immateriellen Lichts.

So steigern die Lichteffekte und das „filtrierte Licht“ der Buntglasfenster die Wirkung von der Durchlässigkeit des Irdischen für die transzendente Dimension, für die Immanenz des Göttlichen in der Welt, für das Hoffnung spende durch Gottes Verheißungen.

Technische Realisation

Durch aufgeschütteten Kies und zusammen geschweißter Teichfolie wird ein Bachlauf im Kir-chenraum geschaffen. Pumpen die in einem Auffangbecken am Ende des Baches versenkt sind pumpen das Wasser durch Schläuche wieder zurück zum Altar. Es werden ca. 400 Liter in der Minute über den Altar, der durch eine Platte mit Ablaufkante geschützt wird, fließen.

Das Mittelfenster wird von außen gezielt durch mehrere Strahler zu leuchten gebracht, dafür muss gegebenenfalls ein Gerüstturm aufgebaut werden.

Die Apsis wird, wie die Säulen des Kirchenschiffes, mit farbigen Strahlern ausgestattet. Von ei-nem Steuerpult auf der Orgelbühne wird die gesamte Licht- und Musiktechnik, die Dolby-Surround-Beschallung gesteuert.

Die Bestuhlung im Kirchenraum wird zum Teil entfernt und/oder umgestellt werden, um ein bes-seres Raumgefühl zu schaffen, auch kommt dies dem Bachverlauf zu gute, da damit eine bessere Wirkung des fließenden Wassers erzeugt werden kann.

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