Referenzen

Dr. Ludwig Schick

Erzbischof von Bamberg

Seit fast 1.000 Jahren ist der Bamberger Dom ein zum Denkmal gewordenes Glaubensbekenntnis. Seine eindrucksvolle, romanisch-gotische Gestalt, die hochragenden Türme, die Gewölbe, Pfeiler, Kapellen, Altäre und Bildwerke wollen Gott und sein unermeßliches Wirken unter den Menschen über die Zeiten hinweg bezeugen und IHN dafür dankbar preisen.

Wovon lebt der Glaube? Erstens, indem dem Glauben Ausdruck verliehen wird und zweitens, indem der Glaube ins rechte Licht gesetzt wird.

Der »Ausdruck des Glaubens« in Texten, Musik, Kirchen und Kapellen, Gemälden und Statuen, muss »ins rechte Licht gesetzt« werden. Die Partitur einer Mozartmesse auf dem Papier z. B. ist zwar Ausdruck des Glaubens, doch sie muss aufgeführt werden. Durch Musikinstrumente, Chor- und Sologesang wird sie immer wieder und immer neu ins rechte Licht gesetzt. Texte müssen vorgetragen und Gebete gesprochen werden. So werden sie lebendig, kommen ins rechte Licht und verbreiten auch Licht. Gemälde und Skulpturen, die im Keller oder in einer dunklen Ecke ruhen, mögen noch so schön sein, ohne dass sie ins rechte Licht gesetzt werden, können sie nicht erfreuen, anrühren und wirken.

Das gilt auch für Gebäude. Wir wissen heute sehr gut, dass die Architekten des Altertums und des Mittelalters sehr bewusst das Licht der Sonne, aber auch des Mondes und der Sterne in ihre Architektur mit eingeplant haben. Die Kathedralen wurden nach Osten ausgerichtet, damit das Morgenlicht der Eucharistiefeier bei Sonnenaufgang Glanz verleiht und die Mitfeiernden auf die Auferstehung Christi und seine Wiederkunft am Ende der Zeit hinweist. Das Schiff der Kathedralen, wo die Gläubigen sitzen, wurde in ein mystisches Halbdunkel gesetzt, damit das Licht aus dem Osten um so intensiver wirken konnte. Die Scheiben der Fenster wurden verglast und angemalt, um der Kathedrale ein bestimmtes geistliches Fluidum zu geben. Bestimmte Kunstwerke wurden genauso angebracht, dass sie zu bestimmten Zeiten des Tages oder auch der Nacht vom Licht der Sonne oder des Mondes erhellt werden konnten. Der Glaube, dem durch Texte, Musikpartituren, durch Tanz und soziale Institutionen Ausdruck verliehen wird, muss immer wieder neu, eigentlich tagtäglich ins rechte Licht gerückt werden. So lebt der Glaube!

Damit Sie dem Zeugnis unseres Glaubens besser nachgehen können, haben wir im Rahmen des Bistumsjubiläums den Künstler Stefan W. Knor gebeten, sieben Stationen, die sich am Glaubensbekenntnis orientieren, mit den modernen Mitteln einer Lichtinstallation in besonderes Licht zu rücken. Wir beginnen mit dem Weihnachtsaltar des Veit Stoß und enden in der Ostkrypta mit dem Taufbrunnen. Die Stationen, deren Orte zu unterschiedlichen Zeiten vom 11. bis zum 20. Jahrhundert gestaltet wurden, machen bewusst, wie eindringlich unsere Bamberger Kathedrale auch heute noch von Gott und dem Glauben an ihn erzählt.

Ich möchte deshalb denen danken, die unsere Kathedrale durch diese Lichtinstallation erneut bekannt machen. Danke Herrn Stefan Knor für das Licht, mit dem er unserer Kathedrale sowie den einzelnen Räumen und Gegenständen Licht verleiht.

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