Referenzen

Prof. Dr. Albert. Gerhards

Liturgiewissenschaftler an der Uni Bonn

Grußwort von Prof. Dr. A. Gerhards, 2007

»Lumen Tenebris« hat Stefan W. Knor als Thema seiner künstlerischen Visitenkarte gewählt. Damit greift er buchstäblich nach den Sternen. Licht und Dunkel sind die Antipoden unserer Daseinserfahrung schlechthin. Ohne Licht gibt es kein entwickeltes Leben. Mit dem Wort »Es werde Licht« (Gen 1, 3) beginnt die Schöpfung und damit die Selbstmitteilung des transzendenten Gottes in seine Schöpfung hinein. Das Licht in der Dunkelheit hat eine symbolische Ausdruckskraft, der sich kaum ein sehender Mensch entziehen kann. Dies gilt auch für unsere Zeit, die im Unterschied zu früheren Zeiten nicht die Dunkelheit besiegen, sondern eher die Überfülle des Lichts begrenzen muss.

Die in den letzten fünf Jahren realisierten Projekte kreisen um das Thema Licht im Raum, wobei neben dem Element Wasser zunehmend textile und skulpturale Bestandteile hinzutreten. Ging es zunächst noch stärker um die Erkundung lichttechnischer Möglichkeiten in unterschiedlichen Räumen, so sind die neueren Arbeiten zunehmend inhaltlich orientiert und nicht selten Bestandteil eines größeren Projekts.

Bei temporären künstlerischen Installationen in und mit Kirchenräumen stellt sich immer wieder die Frage nach deren Sinn und Zweck. Zwar weist der Anspruch künstlerischer Freiheit gern jeglichen Versuch der Vereinnahmung durch Zwecke von außen zurück, doch ist die Frage nach dem Ziel solcher Aktionen in Bezug auf den Kirchenraum legitim, da er eine eindeutige Bestimmung für Liturgie und Frömmigkeit hat und dementsprechend nur das »verträgt«, was mit dieser Bestimmung in Korrespondenz steht. Dies erklärt die andauernde Auseinandersetzung um Fremdnutzungen insbesondere in Bezug auf katholische Kirchenräume. Korrespondenz mit der primären Bestimmung bedeutet jedoch nicht, dass jegliche Verfremdung, Spannung oder Kontrastierung verpönt sein muss. Dies gilt insbesondere für temporäre Kunstaktionen. Jedoch müssen diese für die Gläubigen in einem erkennbaren Zusammenhang mit den natürlichen Funktionen des Kirchengebäudes stehen, mit Liturgie, Verkündigung und privater Andacht.

Die Erfahrungen mit den zahlreichen Projekten von Stefan W. Knor und deren Auswertungen zeigen, dass bei Beachtung der oben skizzierten Rahmenbedingungen erstaunliche Ergebnisse zutage treten. Natürlich sind Anlass, Zweck und Ziel der Projekte so unterschiedlich wie die Kirchenräume selbst. In einigen Fällen war – durchaus gewollt – der Event-Charakter vorrangig (so etwa die Licht- und Wasser- Installation im Bonner Münster während der Wissenschaftsnacht 2006 der Universität Bonn), in anderen ging es mehr um Nachhaltigkeit und spirituelle Vertiefung. Dabei ist – etwa im Fall der wiederholt durchgeführten Projekte in St. Foillan/Aachen und Maria Himmelfahrt/Mönchengladbach – eine Entwicklung vom Event zur Nachhaltigkeit feststellbar. Zunächst geht es meistens darum, die Räume überhaupt in ihrer Qualität wahrzunehmen, etwa im Rahmen einer »Nacht der offenen Kirchen«. Mit der Zeit entwickelte sich in Aachen daraus jedoch eine Art Pilgerfahrt in jährlichem Turnus, die über den Eventcharakter hinaus (den seit jeher jede Pilgerfahrt auch hatte) bei vielen Menschen geistliche Erfahrungen vermittelt. In Mönchengladbach war die erste Installation im Frühjahr 2006 Teil eines Passageritus von der ehemaligen Pfarrkirche zur Kirche der City-Pastoral. Die folgenden Installationen verstehen sich nun als Bestandteil der Arbeit selbst und werden konzeptionell zusammen mit den Aktivitäten der City-Pastoral entwickelt.

Aus der Sicht des Liturgiewissenschaftlers sind die Projekte von besonderem Interesse, die in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Gottesdienst der Kirche stehen, etwa die Mitgestaltung der Kar- und Osterliturgie (Triduum Paschale) in St. Maternus/Breberen (Bistum Aachen). Wie verhält sich die Installation mit Licht und Textilien zur vorgegebenen Liturgie? Wie steht insbesondere die Lichtregie zum natürlichen Licht des Tages, das für den Zeitansatz der Feiern entscheidend ist? Hier wie im übrigen auch bei der Lichtinszenierung von Kirchenkonzerten stellt sich die Frage nach der Zuordnung der Partner zwischen Dominanz und dienender Funktion. Zweifellos ermöglichen neue Lichttechniken und Materialien (Textil oder Kunststoff) neue Möglichkeiten im liturgischen Raum. Hier leistet Stefan W. Knor teilweise Pionierarbeit mit allen damit verbundenen Risiken. Erfreulich ist, dass er nicht die einmal bewährten Rezepte ständig reproduziert, sondern fortwährend weitergeht. Dies führt mitunter (nicht nur aus finanziellen Gründen) zu einer Reduktion und Konzentration der gewählten Mittel, was durchaus der künstlerischen Qualität und zugleich der spirituellen Intensität zugute kommen kann. Genannt sei die stille Stoffinstallation während der Aachener Heiligtumsfahrt 2007 in der Pfarrkirche St. Jakob.

Die Kirchenraum-Projekte von Stefan W. Knor verdanken ihre Qualität nicht zuletzt der doppelten künstlerischen und theologischen Profession. Sie befinden sich nicht im luftleeren Raum und erschöpfen sich nicht in einer abstrakten Ästhetik, sondern sind im Grunde Versuche, Verkündigung mit künstlerischen Mitteln zu betreiben. Sie stehen nicht unmittelbar im Dienst der Wortverkündigung und sakramentalen Feier, sondern wollen einen eigenständigen Beitrag mit den der Kunst eigenen Mitteln leisten. In den Projektbeschreibungen und Begleittexten kommt dies immer wieder zum Ausdruck. Dass damit zahlreiche Menschen erreicht werden, die die klassischen Weisen kirchlicher Verkündigung nicht oder nicht mehr in Anspruch nehmen, kann durchaus als Qualitätsmerkmal verstanden werden. Zudem leisten die raumbezogenen Installationen einen Beitrag zur Wahrnehmung, Wertschätzung und damit zum Erhalt von Kirchenräumen in einer Zeit, in der man allzu gern bereit ist, sie aufzugeben. (2007)

Prof. Dr. A. Gerhards, 2006

Herr Knor ist mir seit vielen Jahren nicht nur als Student der Katholischen Theologie in Bonn bekannt. Seit Jahren stehen wir im Gespräch in Bezug auf seine Projekte mit Lichtinstallationen im Kirchenraum, ein Thema, das mich auch liturgiewissenschaftlich beschäftigt. In den vergangenen Jahren hat Herr Knor eine Fülle von Projekten durchgeführt, die ich teilweise mitverfolgen und gelegentlich auch mit meinem rat begleiten konnte. Die künstlerische Entwicklung, die er in dieser Zeit genommen hat, ist beachtlich. Besonders beeindruckend ist das Augenmaß, das er in den Kirchenprojekten bewahrt, wozu sicherlich seine theologische Grundausbildung erheblich beiträgt. Ich kann ihn daher für vorgesehene Projekte mit Nachdruck empfehlen. (2006)

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