Referenzen

Prof. Dr. Reinhard. Feiter

Pastoraltheologe an der Uni Münster

Herr Stefan W. Knor ist mir sowohl persönlich als auch von seinen Arbeiten her bekannt.

Persönlich kenne ich ihn aus meiner Zeit als Privatdozent an der Universität Bonn bis zum Sommersemester 2004. Herr Knor hat an einigen meiner Veranstaltungen teilgenommen. Seine Installationen im sakralen Raum habe ich kennen und schätzen lernen können, da Herr Knor in den Jahren 2002 bis 2004 jeweils mit einer Installation an der so genannten »Nacht der offenen Kirchen« in Aachen beteiligt war, wo ich in den vergangenen Jahren gewohnt habe und pastoral tätig war.

Die »Nacht der offenen Kirchen« in Aachen ist ein ökumenisches Projekt. Daran beteiligt sind katholische, evangelische und evangelisch-freikirchliche Gemeinden sowie die griechisch-orthodoxen Gemeinde in Aachen. Insgesamt 39 Kirchen in Aachen öffnen zwischen 20.00 und 24.00 Uhr ihre Türen und laden ein zu Konzerten, Lesungen, Ausstellungen, Meditationen und vielem anderen. Die Adressaten dieser Nacht sind Menschen, die nur noch selten oder gar nicht mehr die Schwellen eines Kirchenraumes überschreiten. Durch die für Kirchen ungewöhnliche Veranstaltungszeiten und das andere Programm, so hat sich den vergangenen Jahren gezeigt, gelingt es in der Tat gerade auch diese Personengruppe anzusprechen.

Im Rahmen dieser Veranstaltung hat Herr Knor – wie gesagt – bereits dreimal eine Installation in einem Kirchenraum realisiert, und zwar jeweils in der Kirche St. Foillan, die sich in der Aachener Innenstadt unmittelbar neben dem Aachener Dom befindet. Diese Installationen haben unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der »Nacht der offenen Kirchen« jeweils ein erhebliches Echo hervorgerufen.

Der Grund liegt m. E. in der Eigenart der Installationen von Herrn Knor. Einerseits hat er in den drei Installationen in St. Foillan geradezu ein theologisches Programm abgearbeitet: die Installation 2002 »Wasser – TraumRaum – Leben« stand für Gott-Vater als sich verströmendes Leben, 2003 verwies »Die Tür zum Leben« auf den Zugang zum Geheimnis Gottes in Jesus Christus, und die Installation »Lass dich berühren!« im vergangenen Jahr war dem schwierigen dritten Teil des christlichen Symbolums, dem Heiligen Geist, gewidmet. Andrerseits aber waren und sind die Installationen von Herrn Knor nie einfach Bebilderungen.

So wenig diese Installationen nie in den bloßen Effekt und also in eine Effekthascherei abgleiten, so wenig sind sie schlechte Katechese, in der die Menschen sofort die Absicht spüren und ver-stimmt sind. Praktisch-theologisch betrachtet, sind die Installationen von Herrn Knor vielmehr gelungene Beispiele einer wirklichen Symbodidaktik, die immer mit dem Paradox umzugehen hat, dass ein Symbol etwas ist, was zwar (vor-)gegeben ist, aber für Menschen nur zum Symbol wird, wenn diese es sich selbst (neu) schaffen können. Die Räume, die Herr Knor gestaltet mit Licht und Musik, Wasser, Stoff und andren Materialien, sind Räume, die stimmen, weil sie ein-stimmen: Sie bieten emotional und kognitiv, sie bieten visuell und auditiv die Möglichkeit, eine Erfahrung zu machen, d.h. nicht nur etwas zu erleben, sondern dieses und darin sich selbst auch zu deuten.

Besondere Anteil aber hat der Umstand, dass in diesen Rauminstallationen Räume nicht nur ausgestaltet werden, sondern in der Ausgestaltung eines Kirchenraumes ein Raum gebaut wird, den Menschen betreten und – auf Zeit – bewohnen können. Insofern legen die Installationen aber nicht nur den Kirchenraum aus, bringen sie ihn nicht nur in neuer Weise hervor, sondern sind die Arbeiten von hern Knor gleichsam eine Umsetzung des Berufungsvorgangs, wie er in Joh 1,35–39 beschrieben wird. Kommt und seht, heißt die Einladung. Und sie bleiben jenen Tag bei ihm, ist Antwort, die diese Einladung erfährt. Eine Antwort, die – der biblischen Erzählung zufolge – dann auch über den tag hinaus neue Wege eröffnet.

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